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Niederkrüchten
Flüchtlingskinder basteln Laternen für St. Martin

Niederkrüchten. Am Martinszug in Elmpt nahmen auch 32 Kinder und Jugendliche teil, die in den ehemaligen Javelin Barracks leben Von Heike Ahlen

Aufgeregt stehen sie an der Bushaltestelle an der Elmpter Grundschule - 32 Mädchen und Jungen, die ein vorübergehendes Zuhause in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in den ehemaligen Javelin-Barracks in Elmpt gefunden haben. Hinter ihnen auf dem Schulhof sammeln sich gerade die Grundschüler zum Martinszug. Auch die Kinder und Jugendlichen aus der Einrichtung haben Fackeln gebastelt und Lieder gelernt. Immer wieder stimmen sie "Ich geh mit meiner Laterne" an.

Die Blicke der Kinder wandern die Straße hinunter Richtung Kreisverkehr. Von dort soll Sankt Martin kommen, haben sie gehört. Der Mann mit dem roten Mantel auf dem Pferd ist ihnen nicht mehr fremd. Sehr viel haben sie in den letzten Wochen von ihm gehört. Bereits im September haben die ersten Kinder angefangen, die Laternen zu basteln.

In der Woche vor St. Martin war eine Abordnung des Elmpter Martinsvereins in der Einrichtung, um die Kinder auf das vorzubereiten, was sie am Martinsabend erwartet. Der Vorsitzende Adi Grys erzählte die Legende, beantwortete mit Übersetzungshilfe die neugierigen Fragen. Dafür, dass die Kinder am Martinszug nicht nur teilnehmen konnten, sondern auch wie alle anderen am Ende ihre Martinstüten bekamen, haben viele Helfer gesorgt - der St.-Martinsverein und European Homecare als Betreuungsdienstleister der Einrichtung mit einem Sponsoring, der örtliche Bäcker, der die Weckmänner nicht bezahlt haben wollte, das Taxi-Unternehmen, das die Kinder zum Martinszug brachte. Die Freude darüber, teilnehmen zu dürfen, ist offensichtlich. Und während bei den einheimischen Kindern irgendwann der Zauber einer solchen Veranstaltung abnimmt, sind hier auch die 14- oder 15-jährigen Jugendlichen mit Feuereifer dabei. Als St. Martin kurz vor dem Zug zu ihnen kommt, damit sie Pferd und Reiter aus der Nähe sehen können, staunt er über ihre Textsicherheit. "Das ist lauter als bei so manchen Schulklassen", sagt er anerkennend.

Robou ist 14 Jahre alt, sie kommt aus Damaskus. Mit ihr unterwegs ist die elfjährige Isra. Beide sind seit elf Monaten in Deutschland und haben schon fleißig die Sprache gelernt. "Ich bin aus Aleppo", sagt Isra. "Kennst Du Aleppo?" Ihr gefalle es in Deutschland sehr gut, sie möchte hier bleiben. "In Damaskus habe ich kein Zuhause mehr", ergänzt Robou. In der Unterkunft gibt es eine Schule und einen Kindergarten. "Wir feiern gemeinsam alle Feste, die es in Deutschland gibt", erzählt Bärbel Vomland. Sie ist Koordinatorin von European Homecare. Zu Karneval war schon das Overhetfelder Prinzenpaar zu Besuch, die Kinder haben sich verkleidet und mit den Tollitäten und den Garden des OKV getanzt. Im Frühling gab es ein Frühlingsfest.

Als nächstes steht nun der Besuch des Nikolaus vor der Tür. "Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit den Vereinen, die es nicht nur beim Brauchtum, sondern auch im Sport bereits gibt", sagt Vomland, bevor sie in der Aula der Schule die begeisterten Kinder und Jugendlichen wieder in Empfang nimmt, die sogar alle noch einmal St. Martin die Hand drücken durften.

Quelle: RP
 
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