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Kreis Viersen
Fracking-Pläne empören Politik im Kreis

Hintergrund: So funktioniert Fracking
Hintergrund: So funktioniert Fracking
Kreis Viersen. Die CDU-Landtagsfraktion fordert einen Bericht der Regierung ein. Die Grünen wollen Bürgern bei Einsprüchen helfen. Von Ludger Peters

Das niederländische Wirtschaftsministerium will untersuchen lassen, ob sich Schiefergasvorkommen tief im Erdgestein fördern lassen. Solche Vorkommen gibt es auch im grenznahen Raum der Provinz Limburg. Die Ankündigung hat auf deutscher Seite Empörung ausgelöst. Die CDU-Landtagsfraktion bittet deshalb die Landesregierung um einen Bericht im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Naturschutz und Verbraucherschutz am Mittwoch, 25. Juni.

Das Schiefergas kann nur durch die Gasfördertechnik des "Frackings" gewonnen werden. Dabei wird unter hohem Druck ein Chemikalien-Wasser-Sand-Gemisch in den Boden gepresst, um das Gestein aufzubrechen und das Gas zu lösen. "Weder die potenziellen Gasfelder noch die Grundwasserschichten halten sich an Ländergrenzen, somit ist Nordrhein-Westfalen von Probebohrungen und einem möglichen Fracking unmittelbar von solchen Vorhaben betroffen", fürchtet die CDU-Landtagsfraktion.

Hannelore Kraft informiert sich in Kanada über Fracking FOTO: dpa, rp axs

Die Niederländer haben ihre deutschen Nachbarn über das Vorhaben und seine umstrittene Umsetzung bisher offiziell nicht informiert. "Dem Kreis Viersen, der das Fracking ablehnt, ist davon nichts bekannt. Wir haben es aus der Zeitung erfahren", sagte der Pressesprecher des Kreises, Axel Küppers. Das niederländische Wirtschaftsministerium hat per Anzeige angekündigt, Bürger und Institutionen hätten bis zum 9. Juli Zeit, sich zum Vorhaben zu äußern.

Der Kreis geht davon aus, dass die Bezirksregierung die Interessen der Städte und Gemeinden bündelt. Auch im Kreis haben sich mehrere Gemeinden ausdrücklich gegen Fracking ausgesprochen. Die geologischen Besonderheiten des Venloer Grabens und des Viersener Sprungs machen Fracking unabhängig von grundsätzlichen Bedenken zum hohen Risiko. Die Chemikalie, fürchten Experten, könne tief in der Erde befindliche Wasserschichten verseuchen.

"In Deutschland ist Fracking wegen der Umweltgefahren derzeit zum Glück kein Thema mehr", erklärt der Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer (CDU). In Berlin werde das Verfahren wegen des Einsatzes nicht grundwasserlöslicher Chemikalien ebenso abgelehnt wie in Nordrhein-Westfalen. "Dazu gibt es klare Beschlüsse unserer Landtagsfraktion. Auch die Landesregierung will solche Bohrungen nicht zulassen", ergänzen die Landtagsabgeordneten Stefan Berger und Marcus Optendrenk.

Die Abgeordneten wollen sowohl die Landes- und Bundesregierung als auch die Provinz Limburg anschreiben und einen völligen Verzicht auf Fracking in der niederländischen Grenzregion einfordern.

Die Grünen im Kreis Viersen fordern die Niederländer auf, das Vorhaben fallen zu lassen. Seit November werde dort die "Strukturvisie Schaliegas" vorangetrieben - eine Art Masterplan, der mögliche Bohrfelder identifizieren soll. "Das stellt die Diskussion auf den Kopf: In den Niederlanden sucht man schon nach möglichen Standorten für die Bohrungen - die Diskussion, ob überhaupt gebohrt werden soll, wird von der Regierung anscheinend ignoriert", stellt Jürgen Heinen fest. Heinen und Marianne Lipp, die Sprecher der Grünen auf Kreisebene, berichten, dass mehr als einhundert Gemeinden im Nachbarland Front gegen Fracking machen. Dennoch halte die niederländische Regierung an den Untersuchungen fest. Die Grünen kündigten an, sie wollten Bürger bei der Formulierung von Einsprüchen gegen das Verfahren helfen.

Quelle: RP
 
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