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Viersen
Freud und Leid in der Winterzeit

Viersen. Eine Ausstellung im Freilichtmuseum Dorenburg zeigt ab sofort, wie der Niederrheiner in alten Tagen die kalte Jahreszeit verbracht hat. Das war deutlich mühsamer als heute, aber auch früher hatte der Winter schöne Zeiten. Von Heiner Deckers

Heute drehen wir im Winter die Heizung höher und schalten das Licht an, großartig umkrempeln müssen wir unser Leben nicht. Das war früher anders: Die kalte Jahreszeit brachte Gefahren mit sich, die sogar die Existenz bedrohen konnten. "Eisblumen und Schneewehen - Freud und Leid im Winter" heißt die Ausstellung, die ab sofort im Freilichtmuseum Dorenburg gezeigt wird.

Winter, das heißt auch heute noch lange und oft gemütliche Abende. Winter lässt Gedanken an die Adventszeit und Weihnachten aufkommen. Winter ist meist mit Emotionen verknüpft. Ingo Schabrich, Kulturdezernent des Kreises Viersen, denkt zum Beispiel an die Wohnung seiner Oma und die Eisblumen, die es dort gab: "Ich habe meine Kinder gefragt, sie haben noch nie Eisblumen gesehen."

Im Vorfeld hat Museumsleiterin Anke Wielebski mit alten Landwirten gesprochen, um der Ausstellung einen möglichst authentischen Charakter zu verschaffen: "Für sie begann der Winter am St.-Martins-Tag und endete, wenn der Boden wieder weich war." Wenn die Ernte eingebracht und die Feldarbeit vollendet war, gab es im Haus viel zu tun. In der Küche wurden Obst und Gemüse eingekocht, um in den kommenden Monaten genug zu essen zu haben. Äpfel, Kartoffeln und Möhren bewahrte der Niederrheiner im kühlen Keller oder im Garten auf. Immer vorausgesetzt, dass genug da war - so manche Missernte hat den Bauersleuten einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Dann wurde der Winter schnell zu einer Jahreszeit, die durch Krankheit oder Tod gekennzeichnet war.

Die Ausstellung zeigt eine Reihe von Hilfsmitteln, mit denen sich die Menschen früher gegen die Kälte wappneten, unter anderem Bett- und Stiefelwärmer. Von selber ins Schwitzen geriet man oft beim Schlachten. "Das geschah in den so genannten R-Monaten von September bis Februar", sagt Anke Wielebski. Je nach Größe des Hofes stellte man einmal oder häufiger Wurst, Schinken, Sülze oder Schmalz für die kalten Wochen und Monate her. Zu den wichtigsten Aufgaben im Winter gehörte auch das kräftezehrende Dreschen. Weil das anstrengende Trennen der Körner von den Hülsen möglichst bis Weihnachten erledigt sein sollte, kamen häufig auch die Nachbarn zum Einsatz. Während die Männer im Winter Verkaufswaren wie Spinnräder herstellten oder Reparaturen an Hof und Werkzeugen erledigten, wandten sich die Frauen oft der Wäsche zu: "Sie besserten aus, stopften und nähten Neues. Mädchen und junge Frauen stellten ihre Aussteuer zusammen", berichtet die Museumsleiterin. Darüber hinaus war an den langen Abenden natürlich auch Zeit für Klatsch und Tratsch - was sich bis heute nicht geändert hat.

Auch um das Thema Heizen geht es bei der Ausstellung: Von Isolierung war noch nicht die Rede, der einzelne Holz- oder Kohleofen bekam die Bude selten richtig warm, da musste dicke Kleidung her. Gas- und Ölheizungen kamen in der 1920er-Jahren auf, setzten sich aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch. Fensterscheiben aus Glas waren eine teure Sache, bis ins 18. Jahrhundert spannte man gegerbte und geölte Tierhaus in die Öffnung -hoch war der Wärmeverlust.

Aber auch früher hatte der Winter seine schönen Seiten, davon zeugen die in der Dorenburg ausgestellten Schlitten, Skier und Schlittschuhe, deren Kufen aus Tierknochen hergestellt wurden. Beliebt war der Unterschenkelknochen vom Schwein, weshalb er bis heute als Eisbein bezeichnet wird.

War es früher eigentlich wirklich kälter ? Anke Wielebski hatte sich beim Deutschen Wetterdienst erkundigt und beantwortet die Frage mit einem klaren Ja. Vom Winter 1881/82 bis 1915/16 stieg die mittlere Temperatur um 1,5 Grad. An Wetterinformationen waren die Menschen auch früher schon interessiert. Die Vorhersagen beruhten teilweise auf Technik, aber auch auf Bauernregeln, die überwiegend mündlich überliefert waren. Öffentliche Wetterdienste kamen erst im 20. Jahrhundert auf. Auch die Zeitungen druckten Vorhersagen.

Quelle: RP
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