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Viersen
Freude über Unesco-Würdigung

Viersen. Organisten wünschen sich mehr Aufmerksamkeit für ihr Instrument Von Silvia Ruf-Stanley

Gerade erst hat die Unesco die deutsche Orgelbaukunst und die deutsche Orgelmusik zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Das halten die Kempener Organisten davon: Sowohl Stefanie Hollinger, Kantorin der evangelischen Thomaskirche, Christian Gössel von der katholischen Propsteigemeinde St. Mariäe Geburt als auch Ute Gremmel-Geuchen sind sich einig, dass diese Auszeichnung etwas Besonderes ist. Allerdings bedauern alle, dass die Anerkennung nur auf Deutschland beschränkt ist.

Ute Gremmel-Geuchen erwähnt etwa den hervorragenden Orgelbau der Niederländer, die viele bedeutende Orgeln geschaffen haben. Stefanie Hollinger sagt: "Die Beschränkung auf deutschen Orgelbau und deutsche Orgelmusik finde ich sehr einseitig und mit Blick auf manche rechten politischen Strömungen in unserem Land unglücklich." Ohne musikalische Anregungen von Komponisten aus anderen Ländern wäre etwa die Musik von Heinrich Schütz oder Johann Sebastian Bach nie zu so großer Vollkommenheit gereift.

Alle Organisten freuen sich, dass die Orgel mit dem Siegel des Weltkulturerbes ins Bewusstsein der Menschen gerückt wird - nicht nur als Begleitinstrument des Gottesdienstes, sondern als spezielles Musikinstrument. Orgelkonzerte finden häufig im kleinen Kreis von Zuhörern statt. Das mag vielleicht damit zu tun haben, dass man beim Orgelspiel die Musiker nicht sieht, sondern er oder sie auf der Empore sitzt. "Dabei ist die Orgel ein vielschichtiges, komplexes und filigranes Instrument, das man beim Hören entdecken kann", sagt Christian Gössel. Dem stimmen seine Kolleginnen zu.

Dass die deutsche Orgelbaukunst nun ausgezeichnet wurde, wundert Gössel kaum: Es gebe kaum ein Land mit einer solchen Dichte wunderbarer Orgeln wie Deutschland. "Es ist ein Schatz, der da liegt", sagt er. Wobei er auch bedauert, dass vielerorts Orgeln in Kirchen regelrecht verrotten, weil sie nicht mehr gespielt werden. Denn eine Orgel lebe nur durch das Spielen und die sorgfältige Pflege. "Aber", so Stefanie Hollinger, "der Beruf des Organisten ist ein aussterbender." Ute Gremmel-Geuchen weist auf ein weiteres Detail hin: Jedes Instrument habe nicht nur seine ganz eigene Klangfarbe, sondern ertöne durch den jeweiligen Organisten immer wieder anders. Jeder Musiker gibt dem Instrument eine ganz eigene Färbung - sei es durch die Wahl der Register, Lautstärke oder Tempi. Sie selbst sei oft erstaunt, wenn sie Konzerte von Gastorganisten im Kirchenraum höre.

Quelle: RP
 
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