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Viersen
Frisches Heu für hungrige Pferde

Viersen: Frisches Heu für hungrige Pferde
Familie Heitzer bewirtschaftet insgesamt 25 Hektar Weideland. Wo nicht gemäht wird, stehen in vier Gruppen aufgeteilt 54 Pferde. FOTO: Fischer
Viersen. Im Juni füllt Bauer Heinz-Wilhelm Heitzer die Vorratskammer: Er mäht auf seinen Weiden das Gras, lässt es trocknen und transportiert es ins Lager. Damit es für die Tiere bekömmlich ist, muss er für die Ernte den richtigen Zeitpunkt abpassen Von Nadine Fischer

Mit Pferden zu arbeiten, "macht mir viel Spaß", sagt Bernd Heitzer. "Solange ich mich nicht draufsetzen muss", ergänzt der 25-Jährige. Auch sein Vater Heinz-Wilhelm reitet eher selten: "Mal alle fünf Jahre beim Schützenfest", erzählt der Landwirt. Seine Frau Ursula hingegen steigt regelmäßig in den Sattel. Ihre Liebe zu den Vierbeinern trieb Familie Heitzer 1999 dazu an, die Viehzucht aufzugeben und sich auf Pferdehaltung zu spezialisieren.

Jetzt leben auf dem Windberger Pferdehof in Süchteln 54 der eleganten Vierbeiner - und die brauchen täglich ihre Portion Heu. Dreimal im Jahr sind Vater und Sohn deshalb ein paar Tage lang damit beschäftigt, auf ihren Wiesen vorzugsweise blühendes Gras zu mähen. Insgesamt 25 Hektar Fläche bewirtschaftet die Familie. "Der erste Schnitt ist im Juni", sagt Heinz-Wilhelm Heitzer. Ende Juli und Ende September muss Nachschub her.

An diesem Morgen möchte Bernd Heitzer mit Traktor und Mähmaschine raus auf die Weide fahren. Viereinhalb Hektar Fläche erwarten ihn in Elmpt. "Ich gucke nur noch mal eben in den Wetterbericht", sagt sein Vater - dann schickt der 56-Jährige ihn los. Drei regenfreie Tage hintereinander sind für die Heuernte optimal: Das Gras wird gemäht und zum Trocknen liegen gelassen, mehrmals mit Maschinenkraft gewendet, zuletzt ebenfalls maschinell in Rundballen gerollt und in Folie gepackt. "Beim ersten Schnitt produzieren wir 550 bis 600 Ballen", sagt Heinz-Wilhelm Heitzer, der mit seinem Heu auch zwei Nachbarn beliefert. Damit es für die Pferde bekömmlich ist, sollte das Gras Rispen haben oder blühen, ergänzt er. Dann liege der Eiweißgehalt bei weniger als acht bis zwölf Prozent und das Heu sei später besser verdaulich.

Etwa einen Rundballen frisst ein Pferd pro Monat - das sind 260 bis 280 Kilogramm Heu. Dazu kommt Kraftfutter, in der Sommersaison von Mai bis Ende Oktober außerdem frisches Gras. Beim ersten Schnitt im Juni mähen die Heitzers auf 20 Hektar, "das ist der ertragreichste", erklärt Heitzer. Auf den übrigen fünf Hektar weiden die Pferde. Beim zweiten Schnitt werde auf 15 bis 16 Hektar gemäht, "dafür haben wir dann mehr Weiden".

Auf welchem Stück Land gemäht wird, über welches die in Gruppen aufgeteilten Pferde galoppieren - dahinter stecke richtiges Weidemanagement, erzählt der Landwirt. "Ich bin auch ein bisschen Schlosser und ein bisschen Installateur, ich muss mich mit Böden und Tieren auskennen - aber genau das macht den Reiz der Landwirtschaft aus." Seit 1984 leitet Heitzer den Hof an der Ritterstraße. Schon als Teenager arbeitete er im Betrieb, der Vater war oft krank, Heinz-Wilhelm Heitzer wurde gebraucht. "Das war eine harte Zeit", erinnert er sich. "Aber damals habe ich auch viel gelernt." Schon als 15-Jähriger sei er in die Geschäftsführung integriert gewesen, kümmerte sich um Bankgeschäfte, musste sich in der Welt der Erwachsenen behaupten.

"Es gehört viel Selbstdisziplin dazu, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu leiten. Und Biss", sagt Heitzer. Gemeinsam mit Frau und Sohn hat er den Pferdehof aufgebaut, früher züchtete die Familie Kühe. Heute vermieten die Heitzers 50 Stallboxen. Jeden Tag kommen Pferdebesitzer auf den Hof, pflegen ihre Tiere, reiten mit ihnen aus. "Wir haben hier häufig Kinder und Jugendliche. Im Umgang mit den Tieren lernen sie, Verantwortung zu übernehmen", erzählt Ursula Heitzer. Einige der erwachsenen Kunden seien auch schon als Kinder dort geritten, ergänzt die 53-Jährige.

In vier Boxen hat die Familie ihre eigenen Pferde untergebracht -schließlich reitet ja zumindest Ursula Heitzer gerne aus. Die drei haben unter anderem eine Reithalle, eine Führanlage und eine Longierhalle bauen lassen. Sie verstehen sich nicht nur als Landwirte, sondern auch als Dienstleister. Zukunftssorgen haben sie nicht: "Die Pensionspferdehaltung ist ein funktionierender Wirtschaftszweig", sagt Heinz-Wilhelm Heitzer.

Quelle: RP
 
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