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Viersen
Für die Viersener Tafel im Einsatz

Viersen. Morgens früh um 6.30 Uhr fängt ein Tag bei der Viersener Tafel an. Dann startet für die ersten ehrenamtlichen Helfer der Einsatz, damit die Lebensmittel-Ausgabe für die Bedürftigen der Stadt einige Stunden später gefüllt ist. Von Bianca Treffer

"Leiders hat noch Urlaub. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob Franken heute auch schon geschlossen haben oder erst morgen wegen Urlaub zumachen", meint Klaus Dieter Jahnke und blickt fragend in die Runde. Rainer Morgenbrodt und Peter Föhre wissen es ebenfalls nicht. "Wir fahren einfach rum und gucken, wenn wir auf dem Weg zu Schmitz sind", schlägt Hans Thon vor und greift zu den Autoschlüsseln.

Es ist kurz vor acht Uhr und auf dem Hofplatz vor den Räumlichkeiten der Viersener Tafel stehen die beiden Kühlkleintransporter, mit denen die ehrenamtlichen Mitarbeiter sozusagen auf Einkaufstour gehen. Sie holen das ab, was in Discountern, Bäckereien und bei Vollsortimentern nicht mehr verkauft werden kann.

Ehrenamtlicher Einsatz

Morgenbrodt hat die Wagen schon für die Touren vorbereitet. "Ich fange immer gegen 6.30 Uhr an. Als Erstes hole ich beide Fahrzeuge aus der Tiefgarage und danach bestücke ich beide mit unseren großen grauen Kisten", erzählt Morgenbrodt. Er ist seit 15 Jahren ehrenamtlich bei der Tafel im Einsatz. "Er ist unsere gute Seele", sagt Jahnke bevor er zu Thon ins Auto steigt. Von der Hohlstraße geht es für das Duo in Richtung des Aldi-Markts an der Süchtelner Straße.

Während Jahnke die Ankunft der Tafel bei dem Discounter anmeldet, parkt Thon am Lieferanteneingang. In einem der hinteren Räume stehen schon Kisten mit Obst und Gemüse bereit. Doch einfach ins Auto laden ist nicht. Beide Tafel-Mitarbeiter beginnen mit einer Vorsortierung und packen die Waren dabei direkt in die hauseigenen Tafelkisten um. Der faule Apfel aus dem Sechserpaket fliegt nach der Kontrolle direkt in die Mülltonne und auch der schon etwas zermatschte Salatkopf geht nicht mit. Die beiden Männer arbeiten routiniert. Ein kurzer Blick und dann geht es entweder in Richtung Tonne oder in die Kiste.

Qualität der Lebensmittel muss stimmen

Mit den ersten Lebensmitteln im Wagen führt der nächste Weg an die Tönisvorster Straße an die Laderampe des Lidl-Markts. Auch hier stehen bereits Kisten mit Obst und Gemüse bereit und die Prozedur beginnt von vorne. "Die Helfer in der Ausgabe schauen sich alles nochmals an, damit wirklich nur gute Sachen weitergegeben werden", informiert Thon.

Im Anschluss geht es zur ersten Bäckerei. Dort steht keine Kiste, sondern ein blauer Sack, gefüllt mit Broten und Brötchen, bereit. "Wir dürfen die Backwaren auf der Tour nicht mit den Händen anfassen. Daher bekommen die Bäcker, bevor wir abholen, besagten blauen neuen Kunststoffsack, den sie dann für den nächsten Tag füllen", erklärt Jahnke. Für die gefüllte Variante gibt es einen neuen blauen leeren Sack im Tausch.

Rund 70 Portionen Essen an einem Tag

Während die beiden weitere Geschäfte auf ihrer Liste anfahren, ist auch in den Räumen der Tafel an der Hohlstraße Leben eingekehrt. Einmal pro Woche bietet die Tafel Bedürftigen eine warme Mahlzeit und am Vormittag startet das Kochteam um Küchenleiterin Waltraud Simons mit den Vorbereitungen für das Mittagessen der Tafelkunden. "Wir geben rund 70 Portionen Essen aus", berichtet Simons. Alles wird frisch gekocht und auf den Tisch kommt, was an gespendeten Lebensmitteln vorhanden ist.

Das verlangt immer einiges an Spontanität und Kreativität von den Köchinnen. Heute gibt es Kartoffeln mit Pilzsauce und Bratwurst und zum Nachtisch wartet Pudding mit Stachelbeeren auf die Kunden der Viersener Tafel. Doch bevor es soweit ist, haben Friederike Dittrich, Fatma Ünlü und Petra Girkes in der Küche der Tafel erstmal alle Hände voll zu tun. Kartoffeln schälen, Pilz putzen, Pudding kochen - die Zeit bis zur Essensausgabe um 14 Uhr ist gut gefüllt.

Lebensmittel werden auch nach Hause gebracht

Auch für Ehrenamtler Rainer Schröder hat der Tafel-Tag begonnen. Er fährt die sogenannte Familientour. Das heißt, er bringt Tafel-Kunden, die zum Beispiel aufgrund einer Behinderung oder Krankheit nicht zur Ausgabe kommen können, Lebensmittel-Boxen nach Hause. Hans Deeger und Peter Föhre sind in der Zwischenzeit von ihrer Lebensmittelrunde zurück und Rainer Schröder kann die ersten Boxen packen. Ein Mix aus Milchprodukten, Brot, Obst und Gemüse kommt in die Kisten für die Kunden.

Dabei achtet Schröder sehr genau darauf, entsprechend der Bedürfnisse zu packen: Der eine mag zum Beispiel keine Möhren und ein Muslim würde nie Fleisch in ihrer Box vorfinden. "Wenn ich eine der Boxen abliefere, dann sehe ich nur Dankbarkeit in den Augen des Empfängers und das ist die schönste Rückmeldung, die ich bekommen kann", sagt Schröder leise und startet seine rund zweistündige Tour.

Parallel läuft die Arbeit in der Tafelausgabe: Alle Waren werden eingeräumt, damit die Kunden nachmittags eine gut gefüllte Ausgabe vorfinden.

Quelle: RP
 
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