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Schwalmtal
Fürs Landleben muss Geld her

Schwalmtal: Fürs Landleben muss Geld her
Idyllisch ist das Leben auf dem Land - hier die Kirche St. Michael im Morgenlicht. Doch viele Dinge lassen sich noch verbessern. Dafür muss Geld her. FOTO: Busch
Schwalmtal. Für die Entwicklung der Ortsteile und Sektionen könnte Schwalmtal Fördermittel beantragen Von Birgitta Ronge

Ein kleiner Laden, in dem man alles für den täglichen Bedarf kaufen kann. Ein Haus, in dem sich Gruppen jeden Alters treffen können. Ein hübsch gestalteter Platz, der den richtigen Rahmen für Feiern bietet. Ein Ortskern, in dem Ausflügler gern verweilen. Wünsche wie diese hatten viele Schwalmtaler schon häufiger. Zum Beispiel, als es darum ging, für die Bewerbung um das "Leader"-Programm gemeinsam mit Brüggenern und Niederkrüchtenern Ideen zu formulieren, wie man die ländlichen Gemeinden lebenswerter gestalten könnte.

Mit "Leader", einem Förderprogramm der Europäischen Union, klappte es nicht. Im Sommer 2015 erhielten die drei Grenzland-Gemeinden die Mitteilung, dass sie nicht zu den ausgewählten Regionen gehörten. Doch aufgeben, das kündigten die Verwaltungsspitzen aus Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal damals an, wolle man nicht. Vielleicht gelinge es ja mit Hilfe anderer Förderprogramme, Ideen aus den Arbeitskreisen mit den Bürgern umzusetzen.

Welche Förderungen nicht nur ländliche Gemeinden, sondern auch Privatleute erhalten können, um die Dorfentwicklung voranzutreiben, erklärte nun Christine Markert von der Bezirksregierung Düsseldorf in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses in Schwalmtal. Da gibt es die Dorfinnenentwicklung (DIEK) und das integrierte kommunale Entwicklungskonzept (IKEK). Für DIEK wird jeweils ein Ortsteil in den Blick genommen. Für Projekte der Dorfinnenentwicklung können Gemeinden eine Förderung von 75 Prozent, höchstens 20.000 Euro, erhalten. Entscheiden sie sich dafür, alle Ortsteile gemeinsam zu betrachten (IKEK), liegt der Fördersatz ebenfalls bei 75 Prozent, hier bei höchstens 50.000 Euro.

DIEK sei "eine Art ,Feintuning'" des Leader-Prozesses, erklärte Markert den Schwalmtaler Ausschussmitgliedern. Im Unterschied zur Leader-Planung betrachtet man hier nicht mehrere Gemeinden, eine Region, sondern guckt nur auf ein Dorf oder einen Stadtteil.

IKEK umfasst hingegen die gesamte Gemeinde. Dabei sollen beispielsweise die Stärken, die Schwächen und die Zukunftsfähigkeit einzelner Ortsteile unter die Lupe genommen werden, ebenso die Bevölkerungsstruktur, die bauliche Entwicklung, die soziale und die technische Infrastruktur. Ganz wichtig ist die Einbeziehung der Bürger: Die Menschen, die in der Gemeinde leben, sollen sich an der Entwicklung ihres Dorfes oder ihrer Gemeinde beteiligen, etwa in Arbeitskreisen oder Workshops. Außerdem können nur Konzepte, die nicht älter als fünf Jahre sind, als Grundlage für Investitionen genutzt werden. Ein altes Konzept aus der Schublade holen, um Fördergelder für ein Projekt zu bekommen, kann man daher nicht.

Ob eines der Förderkonzepte, DIEK oder IKEK, für Schwalmtal infrage kommen, muss jetzt geprüft werden. Noch wartet die Gemeinde, wie auch Brüggen und Niederkrüchten, auf einen Bescheid aus dem Landesumweltministerium, ob die Region nicht am "Leader"-Programm in einer Lightversion teilnehmen könnte. Vor sechs, sieben Monaten habe die Gemeinde entsprechende Signale aus dem Ministerium bekommen, dass die Region dafür vielleicht infrage komme - und seitdem nichts mehr gehört, erklärte Bernd Gather, allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters, in der Ausschusssitzung. Doch auch, wenn es mit "Leader light" nichts wird, sei die Ideensammlung für die "Leader"-Bewerbung sehr sinnvoll gewesen, sagte Bürgermeister Michael Pesch (CDU) gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. "Leader war nicht umsonst", sagt auch Gather. "Auf die Ergebnisse können wir in Teilen zurückgreifen." Und wenn "Leader light" komme, könnte dieses Programm auch parallel zu DIEK oder IKEK genutzt werden.

Denkbar sei beispielsweise die Einrichtung eines Dorfladens für Lüttelforst (ähnlich wie in Boisheim), die Einrichtung von Orten, an denen sich Dorfbewohner treffen können, oder ein Tourismuskonzept, so Pesch. Um solche Dinge umzusetzen, "wäre es hilfreich, einen Mitarbeiter zu haben, der auf diese Förder-Verfahren spezialisiert ist", sagt Pesch. Hier sei auch die Zusammenarbeit mit Brüggen und Niederkrüchten sinnvoll. "Im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit werden wir prüfen, ob man nicht für alle drei Kommunen einen Mitarbeiter findet, der sich darum kümmert", sagt Pesch. Das helfe allen drei Gemeinden.

Quelle: RP
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