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Kreis Viersen
Gastronomen lehnen Hygiene-Ampel ab

Kreis Viersen: Gastronomen lehnen Hygiene-Ampel ab
Kritisierten gestern die geplante Hygiene-Ampel (von links): Isabel Hausmann (Dehoga), Franz-Josef Hiller (Gastronom), Britta Oellers (CDU), Marcus Optendrenk (CDU), Gastwirtin Henriette Stieger und Stefan Berger (CDU). FOTO: Dehoga
Kreis Viersen. Auf Einladung des Gastronomieverbandes Dehoga diskutierten CDU-Politiker mit Gastwirten aus dem Kreis Viersen über die geplante Hygiene-Ampel. Die Teilnehmer zeigten sich von diesem Instrument wenig begeistert Von Willi Schöfer

Nach den Bäckern melden sich jetzt auch die gastronomischen Betriebe und die Dehoga, der deutsche Hotel- und Gaststättenverband, zu Wort. Denn auch die Betreiber von Gaststätten und Restaurants sollen bald wie bei einer Hygiene-Ampel ein "Kontrollbarometer" mit den Farben Grün, Gelb und Rot auffällig in den Eingang hängen. Und über den Farbbalken zeigt dann ein Pfeil an, ob die Anforderungen erfüllt, teilweise oder überhaupt nicht erfüllt sind. "Dies ist so unnötig wie ein Kropf", darin waren sich gestern im Kempener Lokal "Das Ercklentz" die CDU-Landtagsabgeordneten Marcus Optendrenk und Stefan Berger einig.

"Schon der Name des Gesetzes, das noch vor der nächsten Landtagswahl die NRW-Koalition von SPD und Grünen verabschieden möchte, ist ein Wortungetüm", sagt Optendrenk zum beabsichtigten "Kontrolltransparenzgesetz", das den Verbraucher schützen, aber Gaststätten in ihrer Substanz gefährden könne. Zumal der Bewertungskatalog mit neuen 32 Kriterien überhaupt keinen Aufschluss über die Qualität des Essens gebe. "Man braucht nur etwas nicht ordnungsgemäß dokumentiert oder die Temperatur im Kühlraum für kurze Zeit nicht richtig eingestellt zu haben - und schon kann man in die Farben Gelb oder Rot rutschen", ergänzt der Landespolitiker.

Stefan Berger kommentiert: "Dieses zusätzliche Barometer braucht kein Mensch. Durch solch ein Gesetz schürt man nur noch das Misstrauen, anstatt die mittelständischen Unternehmen stark zu machen." Zumal es derzeit völlig ausreichende Überprüfungen und Kontrollmechanismen gebe, so Berger. Neben den farbigen Balken sollen, so sieht es der Entwurf vor, von den Prüfämtern auch Noten gegeben werden, etwa für die Zuverlässigkeit des Unternehmers, für sein Hygienemanagement oder für seine Verlässlichkeit bei den Eigenkontrollen. Die grüne Landtagsabgeordnete Martina Maaßen hatte die geplante Hygiene-Ampel jüngst verteidigt: "Nach meinem Verständnis muss kein vernünftig arbeitender Betrieb befürchten, in den gelben oder gar roten Bereich zu rutschen. Denn wie auch in der Schule kann man sich für ein sehr gut, oder gut selbstverständlich auch ein paar Fehler leisten." Sie betonte: "Für die allermeisten Betriebe wird das Kontrollbarometer wohl eher Werbung, als geschäftsschädigend sein."

Franz-Josef Hiller führt mit seiner Frau seit 24 Jahren das Restaurant "Kaiserhof" in Schiefbahn. Er sagt: "Der Wust von Dokumentation und Prüflisten ist jetzt schon unglaublich, ich habe mittlerweile acht Ordner voll und sogar vor etwa neun Monaten eine Fachkraft für den immens gestiegenen Verwaltungs- und Prüfaufwand eingestellt. Das kann ein kleinerer Betrieb überhaupt nicht mehr schultern." Hiller ist bei dem Gespräch ebenso dabei wie Henriette Stieger, die im von ihrer Familie geführten "Ramshof" in Neersen fürs Marketing zuständig ist.

Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin der Dehoga Nordrhein, votierte gestern ebenfalls gegen solch ein Barometer. Dies könne unter anderem dazu führen - da es keine einheitlichen Maßstäbe bei den Lebensmittelkontrolleuren gebe -, dass bestimmte Kriterien unterschiedlich bewertet würden. Die Punktwertung suggeriere nur eine Genauigkeit und eine Objektivität, die es nicht gebe, weil der Bewertungsspielraum für die Prüfer zu groß sei. Es könne darüber hinaus zu einer falschen Gewichtung kommen. Die derzeitige Lebensmittelkontrolle funktioniere bestens, das Barometer sei schlichtweg überflüssig. Isabel Hausmann ärgerte außerdem, dass wie schon beim Rauchverbot das Land NRW eine Vorreiterrolle übernehmen soll. "Das kommt schon einer Rufschädigung gleich, wenn beispielsweise über viele Monate hinweg der Pfeil auf Gelb oder Rot zeigt, die Mängel aber längst behoben sind und die Prüfämter aufgrund der neuen Gesetzeslage überlastet sind, um, wie eigentlich vorgesehen, nach drei Monaten die festgestellten Mängel zu überprüfen und dann das Barometer zu korrigieren", konstatierte Ste Berger. Die beiden Abgeordneten hoffen, dass die Opposition im Landtag das vorgesehene Gesetz zu Fall bringt.

Quelle: RP
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