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Niederkrüchten
Gedenken "als Mitglieder einer Familie"

Niederkrüchten: Gedenken "als Mitglieder einer Familie"
Am Mahnmal am Lüsekamp gedenken seit 1996 jährlich Deutsche und Niederländer gemeinsam der 14 Ermordeten. FOTO: RPO
Niederkrüchten. Hubertus Sevenich ist elf, als sein Bruder Matthias erschossen wird. Matthias ist an jenem 26. Dezember 1944 gerade mal 16 Jahre alt. Mit 13 anderen wird er im Lüsekamp von den deutschen Besetzern hingerichtet. Von Jochen Smets

Die Männer hatten sich versteckt, weil sie der Deportation in die Zwangsarbeit entgehen wollten. Bei einer Razzia flog ihr Versteck unter den Bodendielen einer Mädchenschule durch Verrat auf. Um ein Haar hätte Hubertus auch seinen Vater verloren, der sich im gleichen Versteck verborgen hielt.

Doch der Vater konnte entkommen. Der kleine Hubertus Sevenich erlebt mit, wie sein Bruder abgeführt wird. Und er erlebt mit, wie das deutsche Hinrichtungskommando nach der Erschießung zurückkommt.

"Ich sehe das heute noch vor mir", sagt Hubertus Sevenich, der heute 76 Jahre alt ist. Zusammen mit seinem Sohn Jan steht er vor dem Mahnmal am Lüsekamp und zündet eine Kerze für den großen Bruder an, der hier vor 65 Jahren einem Verbrechen zum Opfer fiel.

Seit 1996 gedenken Deutsche und Niederländer an dieser Stelle gemeinsam. Hubertus Sevenich war jedes Mal dabei. "Das gibt mir ein wenig Trost", sagt er. Für jeden der 14 Ermordeten wird eine Kerze aufgestellt. Sie leuchten für Lodewijk Claessens (19 Jahre alt), Josef Fuchs (45), Frans Denis (37), Willem Jongen (44), Thijs Oljans (18), Wichard Oljans (21), Matthias Sevenich (16), Jan Tobben (16), Louis Uphus (40), Johannes Hanno (32), Lambertus Janssens (38), Willem Winters (48), Hubertus Selder (31) und Franz, einen polnischen Partisanen, von dem nur der Vorname bekannt ist.

Erinnerung ist wichtig, um eine Wiederholung zu verhindern, betonte Niederkrüchtens Bürgermeister Herbert Winzen gestern auf Niederländisch: "Deswegen sollen und können wir all unser Gutes aufbieten gegen die Anfänge gefährlicher Entwicklungen und gegen Gleichgültigkeit." Sein Roermonder Amtskollege Henk van Beers sah in dem Mahnmal und in der jährlichen Gedenkfeier "ein Zeichen der Hoffnung, Versöhnung und Bruderschaft.

Wir stehen hier nicht als Deutsche oder Niederländer, sondern als Europäer, als Mitglieder einer Familie."

Quelle: RP
 
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