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Brüggen
Gegen Barrieren für Behinderte in Brüggen

Brüggen. Karl-Heinz Kellerhoff ist Behindertenbeauftragter der Burggemeinde. Er kämpft dafür, sie als gleichberechtigte Bürger zu sehen Von Birgit Sroka

Vor rund sieben Jahren wurde Karl-Heinz Kellerhoff gefragt, ob er das Amt des Behindertenbeauftragten in der Gemeinde Brüggen übernehmen wolle. "Die Situation der Menschen mit Behinderungen in der Gemeinde zu verbessern, ist mein großes Anliegen", sagt der 66-Jährige. "Behinderte sollen als gleichberechtigte Bürger gesehen werden." Mit viel Herz und mindestens genauso viel Vehemenz setzt er sich seitdem für die gehandicapten Bürger ein. "Ich bin Behindertenbeauftragter mit Leib und Seele und mache den Job gerne."

Karl-Heinz Kellerhoff leidet selbst unter dem Post-Polio-Syndrom als Spätfolge einer Kinderlähmung. Das macht ihn für Schwerbehinderte in der Burggemeinde zu einem Gesprächspartner auf Augenhöhe. Sie vertrauen ihm.

In der Sprechstunde für Behinderte, die er im Wechsel mit der Behindertenbeauftragten Andrea Hanisch anbietet, geht es oft um Erstanträge für eine Behinderung oder Änderungsanträge. Betrifft es Fragen zum Pflegebereich, holt Kellerhoff Fachleute des "KoKoBe-Viersen" hinzu. KoKoBe steht für Koordinierung, Kontakt und Beratung, ein Service, der von der Lebenshilfe und dem HPH-Netz des Landschaftsverbandes Rheinland getragen wird. "Die können rechtliche Auskunft erteilen, das darf ich nicht", so Karl-Heinz Kellerhoff. Für solche besonderen Termine bittet er um vorherige Anmeldung.

Sein Lieblingsthema sind Bauvorhaben. Bisher sei nur selten eine Stellungnahme des Behindertenbeauftragten eingeholt worden. Die Gemeindesatzung sieht indes vor, dass die Behindertenbeauftragten bei Planungen und Vorhaben, die die Belange von behinderten Menschen berühren könnten, rechtzeitig informiert werden sollen.

Kellerhoff wünscht sich seit langem eine Begehung des Ortskerns mit der Verwaltung. Gerade, da es jetzt um die Barrierefreiheit des Kreuzherrenplatzes geht und er vielleicht einen anderen Blick auf die Bedürfnisse von Behinderten hat. "Die Pläne für die Umgestaltung möchte ich gerne nach dem neuen Inklusionsstärkungsgesetz durch die 'Agentur Barrierefrei NRW' prüfen lassen." Erst danach könne er eine Stellungnahme abgeben. Aber: "Nur die AWB hat mich zur Fraktionssitzung eingeladen. Das finde ich sehr schade." Allerdings bedankt er sich beim Leiter des Sozialamtes, Joachim Müllers, und Bürgermeister Frank Gellen.

Er lobt, dass sich nun auch die Veranstalter sehr bemühen, bei Stadtfesten auf Hindernisfreiheit zu achten. "Ich würde darum bitten, dass es auf den Werbeplakaten für die Stadtfeste steht, ob die Veranstaltung barrierefrei ist", sagt Kellerhoff. Weiterhin setzt er sich dafür ein, dass die Stadtführung bei Bedarf durch einen Dolmetscher für Gebärdensprache unterstützt wird und dass Geschäfte und Gastronomen im Eingangsbereich kennzeichnen, ob eine Rampe für Rollstuhlfahrer vorhanden ist, jemand behilflich sein kann oder es eine behindertengerechte Toilette gibt.

Kellerhoff ist sich aus gesundheitlichen Gründen nicht sicher, ob er sein Amt bis zum Ende seiner Legislaturperiode ausüben kann. Viele Dinge nähmen ihn mit. "Ich habe geheult, als ich beobachten durfte, wie ein Kleinbus mit Rollstuhlfahrern ins Depot fuhr und sich alle riesig gefreut haben, dass sie nun auch in das Gelände können", gibt Kellerhoff zu. Sechs Jahre hat er dafür gekämpft, dass der Zugang auch für Rollstuhlfahrer möglich ist.

Quelle: RP
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