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Viersen
Gemeinsames Grab für Hund und Herrchen

Viersen. Am Ende des Lebensweges zusammen sein: Das könnte für Menschen und ihre Haustiere in Viersen möglich werden. Der Umweltausschuss berät nächste Woche über das Thema Von Daniela Buschkamp

Wenn "Hasso" stets an Herrchens Seite ist oder Wellensittich Hansi der liebste Begleiter ist: Warum sollte diese Partnerschaft nicht über den Tod hinaus bestehen können? Ein Argument für Hundebesitzer und Politiker Hans-Willi Pertenbreiter (64). Der Vorsitzende der Ratsfraktion "FürVie" hat deshalb vorgeschlagen, dass Viersener mit ihren Haustieren bestattet werden können. "Wir denken da an Haustiere wie Hunde oder Katzen, weniger an Pferde", sagt Pertenbreiter. Diese könnten eingeäschert und die Urne in der Grabstätte ihres Besitzers beigesetzt werden.

In der Nachbarkommune Gref-rath hatte ein 68-Jähriger Rentner beantragt, nach seinem Tod ein Grab mit seinem verstorbenen Dackel Muck teilen zu wollen. Die Politiker votierten Anfang März für eine Änderung der Friedhofssatzung. Herr und Hund können sich nun in Mülhausen beisetzen lassen - es ist der erste katholische Friedhof in Deutschland, wo dies möglich ist.

Dies ist Vorbild für den Antrag von "FürVie", der in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Klima am 19. Mai beraten wird. Das Gespräch mit anderen Fraktionen zu dem durchaus kontrovers diskutierten Thema hat Pertenbreiter vorab nicht gesucht. "Wir lassen uns mal überraschen", sagt der Viersener.

Für Hundebesitzer Pertenbreiter sind nicht nur emotionale Gründe entscheidend - ihm geht es auch darum, die Defizite bei Friedhöfen zu senken. Die sechs städtischen Anlagen kosten pro Jahr 1,3 Millionen Euro. "Wir sollten bei der Attraktivierung der Friedhöfe neue Wege gehen, damit möglichst viele Menschen ihre bevorzuge Bestattungsform wählen können", sagt der Politiker. Für große, freie Fläche auf Friedhöfen sei eine optimale Nutzung zu finden - etwa als Bereich für Tier-Mensch-Bestattungen oder für Spielplätze. "Viele Friedhöfe sind schön gestaltet. Warum sie nicht zur Naherholung nutzen?", fragt Pertenbreiter. Die Totenruhe und Pietät gegenüber den Verstorbenen seien dabei zu wahren. Innerhalb der christlichen Kirchen sind Tier-Mensch-Bestattungen bisher abgelehnt worden. Jan Nienkerke, Pfarrer in Dülken und Katzenbesitzer, sagt: "Dieser Wunsch ist noch nicht an mich herangetragen worden." Aber warum solle das ewigen Leben, worauf die Christen nach dem Tod hoffen, nicht auch für Tiere möglich sein? Einen entsprechenden Ritus gebe es aber nicht. Ein Sprecher des Bistums Aachen nennt Grefrath "eine Einzelfallentscheidung": Die Bestattung samt Grabbeigabe finde nicht zeitgleich, sondern zeitlich versetzt statt - nach der Bestattung des Verstorbenen. Eine gemeinsame Bestattung gebe es also nicht. Auch das Erzbistum Köln will sich mit dem speziellen Fall "Tier als Grabbeigabe" befassen.

Hans-Willi Pertenbreiter kann sich jedenfalls vorstellen, mit seinen Saarloos-Wolfshunden Baayou und Anni den Lebensweg bis zum Ende zu gehen: "Ich würde das machen."

Quelle: RP
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