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Schwalmtal
Gift-Material wird aus der Straße geholt

Schwalmtal: Gift-Material wird aus der Straße geholt
FOTO: Busch
In drei Straßen der Röslersiedlung in Waldniel wurde belastetes Bettungsmaterial verbaut. Anwohner fürchteten Gefahr durch Kupfer, Blei und Zink. Die Schwalmtalwerke und die Tiefbaufirma haben nun einen Vergleich erzielt. Von Birgitta Ronge

Die Anwohner in der Röslersiedlung dürften erleichtert sein: Die Schwalmtalwerke und die Tiefbaufirma, die belastetes Bettungsmaterial in der Röslersiedlung einbaute, haben einen außergerichtlichen Vergleich erzielt. Dem Vergleich stimmte der Verwaltungsrat der Schwalmtalwerke am Dienstag zu. Am Donnerstagnachmittag wurde nun der Vertrag unterzeichnet. Die Vertragspartner hielten fest, dass die Firma das Pflaster in der Gustav-, Willy- und Josef-Rösler-Straße aufnimmt, das Bettungsmaterial herausholt und neu pflastert. Um das zu erledigen, hat die Firma jetzt ein Jahr Zeit. Sie muss nicht alles auf einmal machen, sondern kann die Bauarbeiten auch in Etappen vornehmen, erklärte Schwalmtals Bürgermeister Michael Pesch (CDU) bei einer Pressekonferenz. Auch zahlt das Unternehmen die Entsorgung des Bettungsmaterials.

Die Schwalmtalwerke als Eigentümer der Straßen übernehmen mit einem knapp sechsstelligen Betrag einen Teil der Kosten. Hätte die Gemeinde Schwalmtal das Material auf eigene Kosten ausbauen lassen, wären nach Schätzung eines Gutachters rund 300.000 Euro fällig geworden, so Pesch. Die Prozesskosten teilen sich die Schwalmtalwerke und die Tiefbaufirma. Die Josef- und Gustav-Rösler-Straße sowie in Teilen die Willy-Rösler-Straße wurden in den Jahren 2009 und 2010 saniert, 73 Haushalte gibt es dort. 2012 kam der Verdacht auf, dass die Firma, die die Sanierung ausführte, nicht das Material verbaut haben könnte, das die Schwalmtalwerke bestellt hatten, sondern ein anderes Material. Die Schwalmtalwerke gaben daraufhin ein Gutachten in Auftrag. Dabei wurde festgestellt, dass das Bettungsmaterial Schwermetalle enthält. Doch sie gaben auch Entwarnung: Zwar seien die Werte erhöht, insbesondere bei Blei, Kupfer und Zink, doch eine Gefährdung gehe davon weder für Mensch noch Boden oder Grundwasser aus. Ein Ausbau sei also nicht notwendig.

Im Januar 2013 strengten dann die Schwalmtalwerke ein Beweissicherungsverfahren an. Anwohner fürchteten durch die Schwermetalle in der Straße gesundheitliche und finanzielle Schäden, hatte doch der Kreis Viersen die entsprechenden öffentlichen Flächen als Verdachtsflächen ins Altlastenkataster eingetragen. Damit befürchteten die Anwohner auch eine Wertminderung ihrer Grundstücke. Sie forderten Akteneinsicht, was die Schwalmtalwerke mit Verweis auf das schwebende Verfahren verweigerten. Das sieht nun anders aus: "Wir wollen volle Transparenz und werden denjenigen, die das möchten, auch Akteneinsicht gewähren", sicherte Bürgermeister Pesch zu. Das, so versprach Schwalmtalwerke-Vorstand Lankes, werde er auch den Anwohnern schreiben. Hätten die Schwalmtalwerke den Klageweg beschritten, hätte sich das Verfahren unter Umständen jahrelang hinziehen können, so Pesch. Im Interesse der Anwohner habe man eine vernünftige, zeitnahe Lösung gewollt. Nachdem die Gemeinde Schwalmtal dem Unternehmen Deutsche Glasfaser zuletzt keine Aufbruchgenehmigung zur Kabelverlegung in den Straßen erteilte, weil das Verfahren noch in der Schwebe war, ist auch das jetzt kein Problem mehr: "Die Aufbruchgenehmigung kann quasi abgeholt werden", sagte Pesch. Die Deutsche Glasfaser könne jetzt schon mit der Kabelverlegung in den drei Straßen beginnen und die Schächte dann wieder schließen.

Voraussichtlich nach dem Winter werde die Tiefbaufirma dann mit der Sanierung der Straßen beginnen. Die Gemeinde werde darauf drängen, dass der Eintrag im Altlastenkataster des Kreises gelöscht wird, wenn die Straßen saniert sind, "da sind wir konsequent", so Pesch. Während der Bauarbeiten würden Proben des neuen Materials genommen, um zu prüfen, ob das einzubauende Bettungsmaterial jetzt in Ordnung ist, versicherte Lankes. Diesmal soll kein Recyclingmaterial zum Einsatz kommen, sondern ein Sand-Basalt-Gemisch. Kunden der Schwalmtalwerke müssen nicht fürchten, dass die Preise für Wasserzähler oder die Abwassergebühren steigen, weil sich die Schwalmtalwerke an den Kosten beteiligen: Die Abwicklung der früheren Rösler-Grundstücke sei ein eigener Geschäftsbereich, der nicht gebührenfinanziert sei, so Lankes.

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