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Niederkrüchten
Gräben erinnern an Zweiten Weltkrieg

Niederkrüchten. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 45 Hektar Wald in Elmpt abgeholzt, dort ließ Adolf Hitler Gräben ausheben, die die Alliierten stoppten sollten. 150 Menschen wanderten entlang der Stellung, die durch Mountainbiker gefährdet ist Von Heike Ahlen

. "Schließen Sie die Augen. Stellen Sie sich vor, Sie stünden in eisiger Kälte dort unten, müssen einen Graben ausheben. Zu essen gibt es nur dünne Suppe." Eindringlich berichtet Wanderführer Bernd Nienhaus vom Leiden der "Ostarbeiter" im Elmpter Wald. Nienhaus und Wilbert Dekker haben die Wanderung an der Maas-Rur-Stellung ausgearbeitet, an der rund 150 Menschen aus den Niederlanden und Deutschland teilnahmen.

Niederkrüchten, Roermond und Roerdalen planen, mit dem Euregio-Projekt "Grenzgeschichte(n)" Historie erlebbar zu machen. Im Jahr 1938 hatte Adolf Hitler den Westwall errichten lassen. Von Kleve bis zur Schweizer Grenze zog sich das Bollwerk. Es sollte verhindern, dass die Alliierten nach Deutschland vorrücken konnten. Doch im September 1944 - der D-Day war vorbei - wurde klar, dass der Vormarsch nicht mehr zu verhindern sein würde; die Maas-Rur-Stellung sollte Sicherheit schaffen.

In nächtlichen Aktionen wurden meist junge Mädchen und Frauen in der Ukraine, Weißrussland und Russland aus ihren Familien gerissen, in Viehwaggons gepfercht und ins Grenzgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden gebracht. 6000 Zwangsarbeiter sind sicher belegt, andere Quellen sprechen von bis zu 8000. Im eisigen Winter mussten sie mit Spaten Gräben ausheben; diese sollten verhindern, dass Panzer von Westen nach Osten rollen konnten. Doch dieser bereich wurde später kaum umkämpft: Die Amerikaner umgingen die Stellung, drangen weiter südlich vor.

Wer heute zwischen den hohen Bäumen steht, kann sich kaum noch vorstellen, dass die deutschen Soldaten im August 1944 ganze 45 Hektar Wald abgeholzt und eine weithin einsehbare Fläche geschaffen hatten, die genau an der Abbruchkante zwischen zwei Erdplatten liegt - dort, wo das Gelände steil um fünf bis zehn Meter abfällt.

Immer wieder macht die Wandergruppe Halt, hört Geschichten von damals zu. Zum Beispiel von Chrit Houtackers, der als Sechsjähriger das Kriegsende in Roermond erlebte. Die Einquartierung der deutschen Soldaten - die eines Nachts zurückkamen und sich brüsteten "heute 14 kaltgemacht" zu haben. Es war der 26. Dezember 1944, als 13 Roermonder Männer und ein polnischer Partisan, die sich der Zwangsarbeit widersetzt hatten, im Lüsekamp getötet wurden. Und er berichtet von den neun Jungen, die im Oktober 1945 beim Spielen auf eine Mine trafen und starben. Fast 70 Jahre lang war ihre Geschichte vergessen.

Monique de Boer-Beerta, Bürgermeisterin aus dem niederländischen Roerdalen, ist zufrieden darüber, dass jetzt grenzüberschreitend Geschichte weitergegeben wird. "Unsere Gemeinde widmet sich dem Tourismus", erzählt sie. "Und der Erinnerungs-Tourismus steht ganz vorn."

Doch die Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs tangiert auch die Gegenwart:. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Probleme mit Mountainbikern. Sie hatten - teils wohl unwissend - die Bodendenkmäler zerstört, um sich in den Gräben und über die Gräben interessante Fahrstrecken zu schaffen. Sie sollen in Zukunft nicht mehr dort fahren, sondern eine eigene Route bekommen.

Auch Niederkrüchtens Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos) unterstrich in diesem Zusammenhang das Miteinander der unterschiedlichen Interessen - im Sinne der gesamten Region.

(hah)
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