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Viersen
Grandioses Konzert von zwei Ausnahme-Musikern

Viersen. Joscho Stephan gelang mit Olli Soikkeli ein harmonisches Zusammenspiel vor ausverkauftem Haus Von Ottmar Nagel

Viele Veranstalter meiden die Sommerferienzeit, zu groß ist die Skepsis, ein Konzert vor leeren Rängen zu erleben. Diese Befürchtung erwies sich jetzt für die Initiatoren des Acoutic Music Delite Teams in Tommy's Workshop als grundlos. Denn schon einige Zeit vor Konzertbeginn waren die Sitzplätze belegt. "Ausverkauft" lautete die Auskunft für alle, die spontan Joscho Stephan im Zusammenspiel mit Olli Soikkeli zu erleben.

Den Fans der Gipsy Swing Szene ist der Name des finnischen Gitarristen durchaus bekannt, in Deutschland war Soikkeli bislang nicht konzertant unterwegs. Wenn sich zwei technisch hervorragende Musiker auf der Bühne begegnen, ist eine zweite Befürchtung nicht weit weg: Es wird gebolzt und sich die Läufe um die Ohren gehauen - nicht selten auf Kosten der Musik. Dass sich auch diese Befürchtung nicht bewahrheitete, war eine zweite wichtige Voraussetzung für ein grandioses Konzert.

Mit zwei Django-Reinhardt-Kompositionen ging es los: "Django's Tiger" und "Minor Blues", wobei Joscho Stephan sein Solo mit zahlreichen Zitaten aus der Musikhistorie aufpeppte. Von Pink Panther über Mozart bis zu Deep Purple ließ er immer wieder mal kurze Themen einfließen, während Soikkeli hier den Schwerpunkt auf bluesig bis jazzig legte. Mit einen sphärischen Einstieg ging es in "Made For Wesley" in eine sommerlich entspannte Atmosphäre über, Old School orientiert, aber federleicht daherkommend, musiziert auch von Stefan Berger am Kontrabass, der stets aufmerksam und rhythmisch präzise agierte und ein wunderbares Fundament für die Hexenmeister auf den sechs Saiten schuf. Mit einer mitreißenden Version von "Caravan" ging es in die Pause.

Stephans "Createur Immobilier" legte das Trio dann direkt furios los, um in einem fulminanten Chase Chorus ein musikalisches Feuerwerk abzubrennen. Dem berühmten Manha de Carnaval wurden tolle sensible Momente entlockt. Mit Bireli Lagrenes "Made in France" und Hänssche Weiss' "Lulu Swing" unterstrichen die beiden Gitarristen die Konzert-immanente Entwicklung ihres Zusammenspiels, bevor Olli Soikelli in der Ballade "Je suis seul ce soir" mit einem langen Flageolettpart einen weiteren Glanzpunkt setzte. Mit "Joseph, Joseph" gab es Klezmeranklänge und mit "Minor Swing" eine Zugabe, in der alle Musiker zur absoluten Höchstform aufliefen. Man inspirierte sich gegenseitig auf Augenhöhe und entwickelte so ein Konzert mitvielen Höhepunkten: Riesenapplaus.

Quelle: RP
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