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Viersen
Groovige Klänge in Tommy's Workshop

Viersen: Groovige Klänge in Tommy's Workshop
Biber Hermann spielte Klassiker aus der vielfarbigen Welt des Folk Blues und eigene Kompositionen. Dazwischen erzählte er mal ernst, mal humorvoll Anekdoten. FOTO: Jörg Knappe
Viersen. Gut besucht waren die sechsten Viersener Gitarrentage. Joscho Stephan, Timo Brauwers und Max Dommers wurden am Samstagabend vom Publikum gefeiert. Peter Finger und Biber Hermann begeisterten am Sonntag Von Dieter Mai und Ottmar Nagel

Mit einer All-Star-Besetzung warteten die Viersener Gitarrentage am Samstagabend auf. Gastgeber Timo Brauwers hatte den weltweit gefeierten Gypsy-Swing-Virtuosen Joscho Stephan zum gemeinsamen Musizieren eingeladen. Bassist Max Dommers war mehr als nur Ersatz für den erkrankten Dennis Hormes, der das "Local Heroes"-Gitarrentrio hätte komplettieren sollen. "Ein Bass ist ja irgendwie auch eine Gitarre", erklärte Brauwers, bevor Dommers und er den Abend mit einer Eigenkomposition eröffneten. "Breeze Deeply" lieferte eine Blaupause feinster Fingerstyle-Kunst à la Brauwers: melodisch, rhythmisch und bei aller Akkuratesse betörend groovy.

Local Heroes bei den Viersener Gitarrentagen (v.l.): Joscho Stephan, Max Dommers und Timo Brauwers. FOTO: Mai

Zur Interpretation des Bossa-Nova-Klassikers "Black Orpheus" stieß Stephan hinzu. Seine perlenden Solo-Kaskaden kombinieren in beeindruckender Weise schier aberwitzige Virtuosität mit Tiefgang. Dazu ließ Dommers sein Instrument im Solo swingend "singen".

Die unterschiedlichen musikalischen Auffassungen des Fingerstylers Brauwers und des Swing-Virtuosen Stephan erzeugten ein ums andere mal Hochspannung. Latino-Leidenschaft traf auf gefühlvoll-präzises Understatement, stets kongenial verbunden vom emphatischen Bassspiel von Dommers.

Das Trio ließ seiner unbändigen Spielfreude freien Lauf, immer wieder gefeiert vom begeisterten Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal in Tommy's Workshop. Die drei Musiker interpretierten Pop-Klassiker, Jazz-Standards und Brauwers-Kompositionen, und das mit jenem Maß an Humor und Selbstironie, das eine überzeugende Performance zum rundum erfreulichen Erlebnis veredelt.

Für Begeisterung sorgten Biber Hermann und Peter Finger mit ihrem Konzert zum Abschluss der Gitarrentage. Hermann führte in der ersten Konzerthälfte in die vielfarbige Welt des Folk Blues. Dabei präsentierte er Klassiker des Genres ebenso wie eigene Kompositionen, die er unterhaltsam moderierte und durch Exkurse über seine Spieltechnik und die Art des Arrangements verständlicher machte.

Schon seine Ballade "Angels in the Rain" zog die Besucher in ihren Bann. Seine unauffällige, aber sehr effektive Begleitung des Songs unterstützte den Text, der dreien seiner Gitarrenheroen gewidmet war. Bob Dylans "Maggie's farm" spielte Hermann auf einer fast 100 Jahre alten Gitarre - traditionell mit Bottleneck. Willie Dixons "I just Wanna Make Love to You" mit einer langen Improvisation, die sich stilistisch auf völlig andere Wege begab, erntete Riesenapplaus. Hermanns Auftritt erwies sich nicht nur musikalisch als überaus gelungen, seine teils persönlichen Anekdoten verbanden die Stücke perfekt, sowohl bei humorvollen als auch bei ernsten Themen wie in "Rain of Love".

Fingerstyle-Legende Peter Finger oblag die Gestaltung des zweiten Teils. Aus einem fast verträumten Intro entwickelte er ein groovendes Stück, das er in immer neuen Variationen stetig steigerte. Brasilianische Elemente der eher untypischen Art verknüpfte er zu einem dichten Klangteppich. Von Konzertreisen mit afrikanischen Musikern stammten die Inspirationen für "Crossing Roots". Zwischen diese Gitarrenstücke mit viel Power schob Finger immer wieder Balladen, Erinnerungen an verstorbene Familienangehörige oder Freunde wie Werner Lämmerhirt. Es war still im Saal, die Besucher folgten achtsam den wunderschönen Melodien.

Das Finale bestritten Hermann und Finger mit einem Country- Blues gemeinsam, bevor der lang anhaltende Beifall Finger noch zu einer unterhaltsamen kleinen Stilkunde in Richtung Blues "zwang" - von Reverend Davis über Mississippi John Hurt bis zu Big Bill Bronzy.

Quelle: RP
 
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