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Brüggen
Grüne fordern Fütterverbot für Wildtiere

Brüggen: Grüne fordern Fütterverbot für Wildtiere
Nutrias graben ihre Bauten oft mehrere Meter tief in Uferböschungen und Deiche. Dadurch können die Uferbefestigungen einstürzen. Die Tiere vermehren sich rasch: Sie bringen mehrmals im Jahr Junge zur Welt. FOTO: Klaus Dieker
Brüggen. In Brüggen ist es verboten, wildlebende Katzen und Tauben zu füttern. Die Fraktion der Grünen will, dass die Gemeinde das Verbot ausweitet: Brot und Speisereste, die Spaziergänger in Burgweiher und Schwalm werfen, ziehen Nutrias an Von Birgitta Ronge

Nutrias fühlen sich in Brüggen sichtlich wohl: Wer am Burgweiher spazieren geht, sieht häufig die possierlichen Tiere auf der Burgwiese sitzen oder im Weiher schwimmen. Auch in den Schwalmauen gehören die Nutrias für Wanderer zum gewohnten Bild. So nett die Tiere anzusehen sind, so problematisch sind sie für die Natur. Sie graben ihre Bauten mitunter mehrere Meter tief in Uferböschungen und Deiche, fressen Wasserpflanzen und Röhricht kahl.

Die Brüggener Grünen fordern nun ein Fütterverbot. Sie beantragen, dass die Burggemeinde ihre Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung aus dem Jahr 2000 ändert. Nach dieser Verordnung ist es in der Burggemeinde verboten, wildlebende Katzen und Tauben zu füttern. Die Grünen möchten dieses Fütterverbot auf alle Wildtiere ausdehnen. Nur im Winter sollen Bürger noch Kleinvögeln Futter geben dürfen.

Die Fütterung fast aller wildlebenden Tiere sei mit erheblichen Nachteilen verbunden, sowohl mit Blick auf das Tierwohl, als auch aus privatem und öffentlichem Interesse, begründen die Grünen ihren Antrag. Die Tiere würden häufig mit Resten menschlicher Speisen gefüttert. Gewürze und Triebmittel könnten Erkrankungen bis hin zum Tod auslösen, führt Fraktionschef René Bongartz aus: "Was gut gemeint ist, ist für die Tiere oft Quälerei." Die angefütterten Überpopulationen sorgten für Schäden - etwa indem Nutrias Uferböschungen untergraben oder Gewässer verunreinigt werden. "Am Burgweiher wurde in letzter Zeit regelmäßig die Fütterung von Nutrias beobachtet, deren Population laut Zeugenberichten mittlerweile auf über 20 erwachsene Tiere angewachsen ist", schreiben die Grünen in der Begründung.

Ansgar Reichmann, Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen, begrüßt den Vorschlag der Grünen. Ein Fütterverbot sei "eine sehr vernünftige Entscheidung", so Reichmann. "Die Leute sollten das Füttern unterlassen, um die Bestände nicht künstlich zu erhöhen." Er verweist auf die Schäden durch Nutrias - nicht nur an Ufern. "Im Rohrdommelprojekt macht uns die Nutria große Probleme", so Reichmann. "Die Tiere fällen dort Röhricht im Riesenstil." Auch seien die Tiere keineswegs Vegetarier, sondern verspeisten Süßwassermuscheln in großen Mengen. "Die Muscheln spielen im Ökosystem eine wichtige Rolle als Wasserfiltrierer", erklärt Reichmann. Nicht zuletzt könnten Nutrias auch Menschen angreifen, wenn sie sich bedroht fühlten.

Auch Thomas Schulz, Geschäftsführer des Schwalmverbands, begrüßt den Vorstoß der Grünen - wenngleich er Zweifel habe, dass sich jeder an das Verbot halte: "Was nützt das schönste Gebot, wenn man Verstöße nicht ahnden kann?" Im Zuge des Fütterverbots sollten auch offene Komposthaufen für Anlieger an Wasserläufen verboten, die Bürger zumindest sensibilisiert werden, sagt Schulz: "Mit den Komposthaufen hinten im Garten, am Rande des Baches, deckt man den Tieren häufig auch noch den Tisch."

Wie viele Nutrias an der Schwalm leben, kann Schulz nicht sagen, nur, dass die Population "stetig steigend und problematisch" sei. Im Schwalmverbandsgebiet werden jährlich rund 200 Tiere erlegt - in der benachbarten niederländischen Provinz Limburg mehr als 1000. "Ich gehe davon aus, dass wir ähnliche Zahlen erreichen könnten", sagt Schulz. Doch wie viele Nutrias erlegt werden, hängt davon ab, wie gejagt wird. Auf deutscher Seite, im Schwalmverbandsgebiet, werden Nutrias in Lebendfallen gefangen und erst getötet, wenn der Jäger geprüft hat, ob wirklich eine Nutria in die Falle gegangen ist und nicht etwa der geschützte Biber. Das Interesse der Jäger am Nutria-Fang sei nicht groß, erklärt Schulz: "Wir haben unsere liebe Müh', Fänger zu finden." Zwar lobt der Schwalmverband pro Tier eine "Schwanzprämie" von sechs Euro aus, doch das helfe nicht. In der Provinz Limburg hingegen habe die Wasserbehörde fest angestellte Nutria-Fänger in Vollzeit - so kommen dort die hohen Fangzahlen zustande. Hinzu kommt, dass man in den Niederlanden bestrebt sei, Nutrias komplett auszurotten, erklärt Schulz: "Ein großer Bestand an Nutrias ist eine große Gefahr für die Deiche."

Während er den Antrag der Grünen als einen "Schritt in die richtige Richtung" beschreibt, will Schulz noch einen Schritt weitergehen. Er fordert eine grenzüberschreitende Nutria-Bejagung - rechtlich nicht einfach, wenn die Fänger mit Waffen die Grenze überqueren und auf der jeweils anderen Seite jagen wollen. "In der gemeinsamen Grenzgewässerkommission, die von der Provinz Limburg und der Bezirksregierung Düsseldorf geleitet wird, haben wir das Thema mehrfach angesprochen", sagt Schulz. "Wir hoffen, dass sich das Thema bis zur Landesregierung durchschlägt."

Quelle: RP
 
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