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Niederkrüchten
Grüne verhindern Wald-Verkauf

Niederkrüchten: Grüne verhindern Wald-Verkauf
Etwa 2900 Hektar des Niederkrüchtener Gemeindegebiets sind von Wald bedeckt, rund 1000 Hektar gehören der Gemeinde. FOTO: Busch
Niederkrüchten. Die Gemeinde wollte 20 Hektar Wald an einen Investor verkaufen. Auf Druck der Grünen wurde das nun gestoppt. Inzwischen haben Politik und Verwaltung ein neues Vermarktungskonzept für Flächen und Immobilien entwickelt Von Jochen Smets

Etwa 2900 Hektar der Gemeindefläche Niederkrüchtens sind von Wald bedeckt. Über 1000 Hektar davon gehören der Gemeinde selbst. Um einen vergleichsweise kleinen Teil davon, nämlich 20 Hektar, gab es in den letzten Wochen politischen Streit. Der flammte im Forst- und Liegenschaftsausschuss noch einmal auf. Passiert war folgendes: Die Gemeinde wollte die besagten 20 Hektar im Frühjahr an einen regional bekannten Investor verkaufen. Als Kaufpreis wurden seitens der Verwaltung zunächst rund 200.000 Euro angesetzt. Zu wenig, fanden die Grünen und drängten auf eine neutrale Wertermittlung. Darum stoppte der Forst- und Liegenschaftsausschuss in seiner Sitzung am 4. Mai den Verkauf.

Der Investor hatte sich insbesondere für eine 13 Hektar große zusammenhängende Fläche An der Beek interessiert. Sie war vor etwa 22 Jahren als Ausgleichsmaßnahme für den ersten Bauabschnitt der A52 aufgeforstet worden. Die Gemeindeverwaltung sah daraufhin die Chance, unattraktiven Splitterbesitz im Osten des Gemeindegebiets im Paket mitzuverkaufen. Denn die Splitterflächen, 13 verstreute Parzellen von insgesamt sechs Hektar, sind teils nicht einmal halb so groß wie ein Fußballfeld und vom gemeindlichen Forstbetrieb, der sich im Westen von Elmpt konzentriert, so weit abgelegen, dass sie nicht wirtschaftlich zu betreiben sind. Dies machte Gemeindeförster Wilfried Kaufhold in der jüngsten Sitzung des Ausschusses deutlich. Der Wert der besagten Waldflächen sei bei weitem nicht so hoch, wie von der Grünen-Ratsfrau Beate Siegers angenommen, so Kaufhold, der die zum Verkauf angebotenen Flächen alle noch einmal selbst in Augenschein genommen hatte.

Gleichwohl hat die Hartnäckigkeit der Grünen ein Umdenken in Politik und Verwaltung ausgelöst. Schon in der letzten Ratssitzung wurde ein Vermarktungskonzept beschlossen, das beim Verkauf eigener Immobilien Transparenz schafft. Der Verkauf von gemeindeeigenen Baugrundstücken, Gebäuden oder Waldparzellen soll künftig generell öffentlich bekannt gemacht werden - und zwar mit einer dreimonatigen Angebotsfrist. Den Beschluss zur Vermarktung trifft jeweils der Forst- und Liegenschaftsausschuss, gegebenenfalls nach neutraler Wertermittlung.

Die Grünen-Ratsfrau Beate Siegers, die das Thema Waldverkauf mit ihrer Recherche auf die Agenda gebracht hatte, zeigte sich zufrieden. Die Zeiten, da Investoren an eine klamme Gemeinde heranträten, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit Geschäfte zu machen, seien damit vorbei, betonte Siegers. Die öffentliche Diskussion und Auseinandersetzung sei wichtig gewesen. Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos) lobte den "beispielhaften politischen Prozess". Nun gebe es ein transparentes Verfahren, das für künftige Immobilienverkäufe Klarheit schaffe.

Der geplante Verkauf der eingangs erwähnten 20 Hektar ist unterdessen zumindest teilweise vom Tisch. Die zusammenhängenden 13 Hektar An der Beek verbleiben im Besitz der Gemeinde, beschloss der Ausschuss. Die übrigen sechs Hektar werden hingegen gemäß den Kriterien des Vermarktungskonzepts zum Verkauf angeboten. Diese Lösung fand eine breite Mehrheit im Ausschuss. Werner Hommen (CDU) unterstrich, dass Waldbesitz zur Tradition der Gemeinde gehöre. "Seit Generationen haben unsere Großväter den Wald bepflanzt, damit die Enkel ihn ernten konnten", so Hommen. "Wir haben den Wald, wo immer es ging, geschützt. Denn Land ist krisenfest." Dem schloss sich auch Ulrich Seeboth (SPD) an. Es sei nicht richtig, ohne Not 13 Hektar guten Waldes zu veräußern. "Statt Teile des Tafelsilbers zu verkaufen", so Siegers, solle die Gemeinde den Wert des Waldes durch Durchforstung und Pflege für kommende Generationen erhalten.

Quelle: RP
 
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