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Brüggen
Grünes Licht für Tura-Kunstrasenplatz

Brüggen. Der Gemeinderat votierte mehrheitlich für die Anlage eines Kunstrasenplatzes auf dem Vennberg. Die Grünen und die Unabhängige Brachter Wählergemeinschaft (UBW) haben bei der Finanzierung allerdings Bauchschmerzen. Von Birgit Sroka

Tura bekommt einen Kunstrasenplatz, so viel steht fest. Zwar ist noch nicht klar, ob die geplante Finanzierung wirklich so klappt wie angestrebt, aber die Verwaltung ist guter Dinge. Kämmerer Oliver Mankowski beschrieb in der jüngsten Ratssitzung nochmal kurz die derzeitigen Zustände: "Vom Tennenplatz läuft das Regenwasser über die Stufen auf die Leichtathletik-Anlage und den Rasenplatz. 700.000 Euro müssten wir investieren für die alleinige Wiederherstellung des Rasenplatzes."

Für 1,2 Millionen Euro netto - also "lediglich" 500.000 Euro mehr - wäre ein Kunstrasenplatz finanzierbar. Vorausgesetzt, die Mehrzweckhallen gGmbH wird zum 31. Dezember in die Sportstätten gGmbH umgewandelt, wird diese dann Eigentümer des Kunstrasens und könnte so die Mehrwertsteuer von 234.000 Euro absetzen. Der Sportverein Tura hatte sich bereit erklärt, eine Eigenleistung von 200.000 Euro zu übernehmen. Am 19. November soll es mit den Turanern einen "runden Tisch" geben, wo es um die Ausarbeitung der Gebrauchsüberlassungsverträge geht.

In der Gemeinderatssitzung sollten die Ratsleute nun grundsätzlich entscheiden, ob man überhaupt diese enorme Investition tätigen will. Der früheste Baubeginn wäre dann nach dem von Tura veranstalteten Burgpokal. Die Bauzeit soll sechs bis acht Monate betragen. "Wir sollten relativ schnell in die Auftragsvergabe gehen können, denn das Planungsbüro benötigt Zeit. Optimal wäre ein Baubeginn im April. Das ist aber nicht das, was Tura Brüggen möchte, die wollen ihren Burgpokal retten", gab Bauverwaltungsleiter Dieter Dresen zu bedenken. Die Verwaltung wolle sich aber mit dem Planungsbüro abstimmen, "was da noch möglich ist", denn die Belange des Vereins sollten Beachtung finden. Gottfried Optenplatz (SPD) gab zu bedenken, dass die Bauphase dann in die schlechtere Jahreszeit käme. Gerade für den Bau eines Kunstrasenplatzes ist gutes Wetter nötig.

Gegen Ende der Diskussion bat ausnahmsweise der Tura-Vorsitzende Hans-Willi Cüsters ums Wort. "Wir sollten wirklich so schnell wie möglich einsteigen, um die gute Jahreszeit zu nutzen", informierte er den Rat. Er sieht dennoch eine Möglichkeit, den Burgpokal stattfinden zu lassen.

Den Grünen lag die vorgestellte Finanzierungsform schwer im Magen. "Wenn Sie mit so einem Finanzierungsplan ein Nagelstudio eröffnen wollten, würde die Bank Sie wieder nach Hause schicken", meinte René Bongartz provokativ. An die anwesenden Tura-Mitglieder gewendet wollte er wissen, ob "Tura es schaffen würde, die Erneuerung des Platzes stemmen zu können", wenn denn nach geschätzten zwölf bis 15 Jahren ein neuer Belag fällig ist. "Die Frage ist nach wie vor nicht geklärt: Was passiert, wenn die Finanzaufsicht sagt, ihr wart gar nicht berechtigt, die Mehrwertsteuer abzuziehen? Darf die Mehrzweckhallen gGmbH umgewandelt werden in eine Sportstätten gGmbH?", fragte Bongartz. Er befürchtet, dass eine Belastung des Gemeindehaushaltes mit einer womöglich nachberechneten Mehrwertsteuer der Gemeinde haushaltstechnisch das Genick brechen könnte.

Bürgermeister Frank Gellen erwiderte leicht erregt: "Eine verbindliche Auskunft bekommen wir vorab vom Finanzamt nicht." Dieser Wunsch war schon mehrfach in der vorangegangenen Ausschusssitzung geäußert worden. "Wenn wir darauf warten, können wir bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten. Wir befinden uns aber in guter Beratung. Außerdem hat keiner gesagt, dass Tura das alleine stemmen soll, wenn ein neuer Belag fällig ist."

Thomas Schmidt (CDU) sagte: "Das ist heute die Stunde der Wahrheit, um in die konkrete Umsetzungsphase zu kommen." Er bedauerte aber, dass das Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Einrichtungen "wieder ein Förderprogramm zu sein scheint, das nicht für Kleinkommunen gedacht ist." Mit diesem Programm ließe sich der Kunstrasen bezuschussen, wenn es denn nicht ein Mindestantragsvolumen von zwei Millionen Euro gäbe. Dennoch versucht die Verwaltung einen Antrag zu stellen. Gottfried Optenplatz (SPD) fasste zusammen: "Eine in die Jahre gekommene Anlage muss richtig renoviert werden. Wir sind gefordert, das umzusetzen, das ist kein Wunschkonzert." Auch Andreas Bist (FDP) befand: "Eine andere Vorgehensweise käme uns auf Dauer teurer zu stehen." Tim Gottwald (UBW) erläuterte hingegen: "Die Finanzierung macht uns Bauchschmerzen, daher enthalten wir uns."

Die Verwaltung teilte den Ratsmitgliedern abschließend mit, dass die Gemeinde sich entschlossen habe, die Baumaßnahme selbst durchzuführen, sollte das Projekt nicht über die Mehrzweckhallen gGmbH möglich sein - auch wenn die Gemeinde dann die Mehrwertsteuer nicht absetzen kann. Der Rat beschloss bei fünf Gegenstimmen und vier Enthaltungen die Umwandlung der Mehrzweckhallen gGmbH und die Herstellung des Kunstrasenplatzes auf Grundlage der vorliegenden Vorentwurfsplanung. Mit fünf Enthaltungen wurde die Verwaltung beauftragt, einen Kredit über eine Million Euro aufzunehmen.

Die Tura-Mitglieder applaudierten.

Quelle: RP
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