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Viersen
Güllefass mit Elektronik vollgestopft

Viersen: Güllefass mit Elektronik vollgestopft
Das Konzept der Modellbetriebe im Gebiet der Landwirtschaftskammer NRW stellte Sabine Janßen rund 200 Besuchern des Hofes Platen in Süchteln vor. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie stellt hohe Anforderungen an die Landwirte und die Technik des Gülleeintrags. FOTO: Busch
Viersen. Moderne Technik macht es den Landwirten möglich, während der Fahrt auf dem Acker die Dosierung des Eintrags anzupassen. Auf dem Hof von Alexander Platen in Süchteln ließen sich 200 Kollegen neueste Entwicklungen vorführen. Von Ludger Peters

Wenn ein Landwirt ausrückt, um auf einem Acker Gülle auszutragen, hat die umgebende Bevölkerung auch etwas davon. Es riecht - unangenehm und oft nachhaltig. Aber nicht nur deswegen sind Forschung und Technik seit Jahren bemüht, den Gülleeintrag zu optimieren. Die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union und der eigene Geldbeutel des Landwirts dürften weit mehr Einfluss auf Innovationen haben, die jetzt in breiter Palette auf einem abgeernteten Getreidefeld des Süchtelner Landwirts Alexander Platen vorgestellt wurden.

"Riechst du Gülle, riechst du Geld", sagte Dr. Christian Hoffmann, Leiter der Landwirtschaftskammer für die Kreisstelle Viersen-Heinsberg vor etwa 200 Landwirten, hochrangigen Behördenvertretern und Experten der Wasserwirtschaft am Niederrhein. Der Geruch in der Luft kostet buchstäblich Ertrag und Geld für zusätzlichen Dünger, weil in den Abgasen eben jene Nährstoffe entschweben, die der Bauer lieber im Boden sähe.

Bei der gesetzlichen Pflicht für den Landwirt, Gülle und Gärreste schnell in den Boden einzuarbeiten, hilft moderne Technik. Alexander Platen hat ein Güllefass erworben, dessen raffinierte Technik ihm unmittelbar bei der Bewirtschaftung hilft. "Es ist aber so aufwendig und teuer, dass es eigentlich nur für einen Lohnunternehmer in Betracht kommt", sagt er. Platen hat sich mit seinem Hof in Hagenbroich - Schweinemast und Ackerbau - als wasserwirtschaftlicher Modellbetrieb zur Verfügung gestellt. Den damit verbundenen Aufwand und die Verpflichtungen könne er mit seinem Betrieb erfüllen. Lohnunternehmer könnten aus betriebswirtschaftlichen Gründen da nicht mitmachen.

Ehe ein Landwirt Gülle oder Gärreste, beispielsweise aus einer Biogasanlage, austrägt, lässt er Inhaltsstoffe und Beschaffenheit der Gülle und des vorgesehenen Bodens ermitteln. Aus diesen Daten leitet er dann den Bedarf zum Düngen mit der Gülle ab. In Süchteln vorgeführt wurden verschiedene Modelle unterschiedlicher Hersteller, die alle die Gülle direkt im Boden einarbeiten. Sie wird passend dosiert und schont nicht nur empfindliche Bürgernasen. Mit Interesse verfolgten Fachleute vom Umweltministerium des Landes, des Landesumweltamtes und etlicher Wasser- und Bodenverbände sowie Wasserversorger Vorträge und Demonstrationen auf Platens Acker.

Die Maschinen erfüllen die von Hoffmann formulierte Forderung, die Gülle dürfe auf dem Feld so wenig Luftkontakt wie möglich haben. Hochkomplexe Technik ermöglicht feinste Dosierung und bewahrt den Landwirt vor ärgerlichen Pannen: Verstopfungen im Leitungssystem auf dem Weg vom Fass zur Verarbeitungseinheit am Boden werden vermieden.

Vorgeführt wurden Geräte, die Daten zu Dokumentationszwecken, die den Landwirten abverlangt werden, direkt auf den heimischen PC überspielt. Ein Gerät zum Eintrag von Gülle reißt Rillen in den Ackerboden, in die passgenau Gülle eingetragen wird. Der Fahrer steuert den Nährstoffgehalt. Die über GPS erfassten Daten ermöglichen es anschließend, Saatgut direkt in diese Rillen auszubringen. Die Zwischenräume der Saatrillen bleiben frei Gülle. "Am besten ist es, die Pflanze erhält genau so viel Nährstoffe, wie sie braucht, und es bleibt nichts zusätzlich im Boden", erklärt Alexander Platen.

Dahinter steckt die Hoffnung, dass Grundwasser und Oberflächengewässer künftig nicht mehr durch abgeschwemmte Nährstoffe belastet werden und Feldfrüchte auch nur die Mengen erhalten, die sie unbedingt zum Wachsen brauchen.

Quelle: RP
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