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Niederkrüchten
Gützenrather bauen ihren Hexenkessel

Niederkrüchten. Die Vorfreude auf den Tulpensonntagszug ist groß – auch bei der Gützenrather Karnevals-Gesellschaft. Von Wiltrud Wolters

Die jungen Frauen schieben ihre Hände noch ein wenig tiefer in die Taschen und schütteln sich. Es ist bitterkalt in der Scheune. Aber es hilft nichts: "Wir müssen fertig werden", erklären die Gützenrather, die seit vielen Jahren als Fußgruppe im Karnevalszug von Maak Möt in Niederkrüchten mitlaufen.

Mitten in der Scheune steht eine große schwarze Kiste auf zwei Rädern, sie wirkt unscheinbar. Daneben, etwas versteckt, die mit Schnee gekühlte Kiste Gerstensaft, doch weder die Frauen noch die Männer finden angesichts der frostigen Temperaturen daran ihren Gefallen. Sie wollen vorankommen. Schließlich soll aus der schwarzen Kiste der Gützenrather Hexenkessel werden, mit Lichtorgel, Nebelmaschine und allem, was dazugehört.

Oben auf dem Dach glänzt schon der große alte Kupferkessel. Doch das Gestell ist ein wenig zu groß geraten. "Wir dürfen nur vier Meter hoch bauen", erklärte Patrick Jakobs. Also müssen die Männer mit Akkuschrauber und Säge wieder ans Werk. An der Seite liegen die frisch geschriebenen Schriftzüge, die das mobile Kamellelager später einmal zieren sollen. Michael Cremers sucht schon mal die richtige Position für die selbst gestalteten Hexenbesen und eventuell müssen auch noch ein paar Birken her.

Während die Männer bauen, sind die Frauen für die Kostüme und die Kamelle zuständig. Knapp 600 Euro investieren die 21 Gützenrather Karnevalisten in das Wurfmaterial. Dabei achten sie darauf, in Plastik verpackte Süßigkeiten zu kaufen, damit sie auch eventuellem Regen standhalten und schön aussehen. "Wir kaufen nicht das Billigste. Lieber weniger, aber dafür hochwertiger", sagen die Frauen bestimmt. Seit Oktober treffen sich die Mitglieder der Gruppe regelmäßig. Sie beraten, bauen, nähen und freuen sich auf den Zug. "Wir fiebern das ganze Jahr daraufhin", sagt Stella. Die Gruppe liebt die Nähe zu den Zugbesuchern und kann sich überhaupt nicht vorstellen, einmal oben auf einem Wagen dabei zu sein. "Die kleinen Kinder am Straßenrand sind so süß", sagt Nicole.

Am Karnevalssonntag treffen sich die Hexen dann um zehn Uhr morgens zur Kostümierung und zur Beladung des Hexenkessels. In guter alter Tradition bekocht Hiltrud Jakobs die Gruppe. Hackbraten und Bratkartoffeln stehen auf dem Speiseplan, bevor es los geht. Seit dem Jahr 2000 ziehen die Gützenrather, die 2001 die Gützenrather Karnevals-Gesellschaft gründeten, in unterschiedlicher Besetzung beim Zug mit.

"Wir haben auch den Pastor dabei. Wir sind offen", sagt Patrick Jakobs. Der Pastor aus Dülken, Thomas Schlütter, gehört zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe, die eine Gützenrather Tradition im Karneval fortsetzen. Schon 1979 zogen erstmals Gützenrather im Brempter Zug mit. Zwischenzeitlich organisierten sie auch eigene Karnevalssitzungen.

(RP/rl)
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