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Viersen
Gutachten: AKH braucht St. Irmgardis nicht

Viersen. Das Beratungsunternehmen aus Köln bescheinigt dem AKH eine solide wirtschaftliche Struktur. Den Verbund mit dem Süchtelner Klinik brauche es nicht. Alt-Bürgermeister Thönnessen sondiert bereits engere Kooperation mit Nettetal Von Sabine Janssen

Nettetal Das Allgemeine Krankenhaus Viersen (AKH) ist wirtschaftlich gut aufgestellt. Eine Kooperation mit dem Süchtelner Krankenhaus St. Irmgardis bringt keine Vorteile. Eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Nettetaler Haus indes wäre sinnvoll. Das sind drei zentrale Ergebnisse eines Krankenhaus-Gutachtens, das unserer Redaktion vorliegt.

Die Stadt Viersen hatte das Gutachten im vergangenen Jahr bei dem Kölner Beratungsunternehmen Aktiva in Auftrag gegeben, um die Situation des AKH zu prüfen. Zur Zielsetzung des Gutachtens heißt es: "Bevor eine weitere Verflechtung stattfindet, soll geprüft werden, ob das AKH nicht auch ohne das St.-Irmgardis-Krankenhaus zukunftsfähig ist und ob zusätzliche Kooperationen sinnvoll sind ."

Die Kölner Krankenhaus-Experten nehmen das AKH in der aktuellen medizinischen Landschaft unter die Lupe und attestieren ihm eine wirtschaftlich gute Aufstellung: "Es werden im Planungszeitraum ab 2016 durchgehend positive Jahresergebnisse erwartet. Die Liquiditätsplanung sieht ebenfalls ein durchweg positives Ergebnis zwischen den Jahren 2015 und 2020 vor." Das AKH verfüge über das Fachabteilungsspektrum eines Grund- und Regelversorgers. Kardiologie, Geburtshilfe und Pädiatrie führten zu einer Spezialisierung.

In der Betrachtung des Kooperationspartners St. Irmgardis kommen die Gutachter zu einem nüchternen Schluss: Das AKH braucht die Süchtelner Klinik nicht. Ein Verbund mit St. Irmgardis als geriatrischem Fachkrankenhaus sei sinnvoll, aber nicht unerlässlich, so die Experten. Zur Zusammenarbeit der Viersener Häuser heißt es: "Im Rahmen des Verbundes wurde geplant, die Doppelvorhaltungen der Fachabteilungen aufzulösen. Dies ist jedoch nicht geschehen. Daher ist nach Trennung des Verbundes nicht mit signifikanten Engpässen bei der Patientenbehandlung zu rechnen . . . Insgesamt zeigen sich keine Nachteile bei einer möglichen Trennung vom St.-Irmgardis-Krankenhaus für das AKH."

Zum Hintergrund: Nach einem Gerangel um die Vergabe der Geriatrie steckte das AKH im Mai 2014 zurück. St. Irmgardis bewarb sich um die Geriatrie und erhielt sie. Im Gegenzug unterzeichneten AKH und Süchteln noch im Mai 2014 eine Kooperationsvereinbarung. Sie besagte, dass bis Ende 2014 eine gesellschaftsrechtliche Neuordnung der beiden Viersener Häuser stattfinde, bei der das AKH die Mutter und St. Irmgardis die hundertprozentige Tochter würde. Passiert ist nichts.

Neben der Süchtelner Klinik nehmen die Gutachter von Aktiva auch weitere Häuser der Umgebung in Augenschein. Vor allem das Städtische Krankenhaus Nettetal empfehlen sie als Partner. "In Nettetal bieten sich aufgrund der jeweiligen Stärken und Schwächen im Fachabteilungsspektrum Möglichkeiten zu Strukturveränderungen, um die jeweiligen Schwerpunkte zu stärken, Doppelvorhaltungen aufzugeben und sich so medizinisch und ökonomisch zukunftsfähig aufzustellen."

Das Gutachten des Kölner Beratungsunternehmens ist nicht ohne Folgen geblieben: Die Altgesellschafter des AKH erklärten weitere Gespräche zur Intensivierung der Kooperation mit Süchteln inzwischen als "vollständig beendet". Das geht aus einem Protokoll hervor. Und: Viersens Alt-Bürgermeister Günter Thönnessen hat bereits Sondierungsgespräche mit Nettetal aufgenommen. Er wollte derzeit nicht Stellung nehmen.

Jörg Schneider, Geschäftsführer des Nettetaler Krankenhauses, bestätigte die Aufnahme von diesen Gesprächen: "Wir haben bereits erste Gespräche mit Günter Thönnessen geführt. Bis jetzt ist es ein Brainstorming über denkbare Felder der Zusammenarbeit etwa in der Palliativmedizin und Psycho-Onkologie."

Die Zusammenarbeit von AKH und Nettetal sei aber nicht neu und nicht ausschließlich. Sie fuße auf einem weit gefassten Kooperationsvertrag von 2006. Es bestehe bereits ein guter Austausch der Krankenhäuser in den Bereichen Radiologie, Labor, Kardiologie und Gastroenterologie. "Das Gutachten hat einen Impuls gegeben. Wir denken über eine intensivere Zusammenarbeit nach."

Quelle: RP
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