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Kreis Viersen
Gymnasien planen Rückkehr zu G 9

Kreis Viersen: Gymnasien planen Rückkehr zu G 9
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Kreis Viersen. In der Stadt gibt es eine überwältigende Mehrheit für die Abschaffung des "Turbo-Abis". Wie Schulleiter berichten, wünschen sich Eltern weniger Stress für ihre Kinder. Lehrer hoffen, dass sie Unterrichtsstoff wieder vertiefen können Von Gaby Peters, Birgitta Ronge, Martin Röse und Emily Senf

Adieu, Abitur nach acht Jahren Gymnasium! Im Westkreis wird wohl flächendeckend wieder G 9 eingeführt. Die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit findet offenbar eine überwältigende Mehrheit. Und wenn es auch noch keine rechtsverbindliche Entscheidung gibt (die müssen die Schulkonferenzen im neuen Schuljahr treffen), teilen viele Gymnasien den Eltern der neuen Fünftklässler jetzt schon mit: "Ihr Kind wird bei uns neun Jahre Zeit bis zum Abitur haben."

"Die Wahrscheinlichkeit, dass wir beim G 8 bleiben, ist ungefähr so groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass der 1. FC Köln in dieser Saison Deutscher Meister wird", sagt Christoph Hopp, Schulleiter des rund 930 Schüler starken Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums in Viersen. "Auch wenn die Schwierigkeiten beim G 8 mittlerweile alle ausgeräumt sind, bekommt man das nicht mehr aus den Köpfen", sagt Hopp. Für den Umstieg aufs neue G 9 wird das Gymnasium mehr Räume benötigen. "Die Schulverwaltung hat auch schon gefragt: Wir brauchen vier bis fünf Klassenräume und ein bis zwei Fachräume mehr", berichtet Hopp. "Dafür müssen wir nun die Zeit bis 2027 gut nutzen."

Ein Raumproblem würde das katholische Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) in Dülken durch die Rückkehr zu G 9 nicht bekommen. "Wir haben ja noch den alten Internatstrakt", sagt Schulleiter Thomas Kamphausen. "Das Stimmungsbild bei Lehrern, Eltern und Schülern ist klar dafür, ein neues G 9 einzuführen. Wir hoffen, dass wir dadurch größere Freiräume gewinnen können, die wir für individuellere Förderungen von Schülern nutzen wollen." Kamphausen möchte gerne am AMG eine Art "institutionalisiertes Springen" installieren. "Ein Angebot für begabte Schüler, die bei entsprechender Eignung trotz G 9 nach acht Jahren ihr Abitur machen können."

Am Clara-Schumann-Gymnasium in Dülken hat die Schulkonferenz bereits die Rückkehr zum G 9 beschlossen. "Das Votum war einstimmig dafür", berichtet Schulleiter Gunter Fischer. "Wir sind vom zweizügigen zum dreizügigen Gymnasium umgebaut worden, hatten im Notfall auch schon einmal vierzügigen Betrieb in dem Gebäude - wir werden die Rückkehr zu G 9 raummäßig durchaus verkraften können."

Auch das rund 800 Schüler große Werner-Jaeger-Gymnasium in Nettetal ist für den Wechsel zu G 9. "Weil G 8 vollkommen sinnfrei ist", sagte Schulleiter Hartmut Esser. "Dadurch arbeiten die Schüler bloß ein Jahr länger bis zur Rente." Die nächste Schulkonferenz werde voraussichtlich im Mai abgehalten, die Wahrscheinlichkeit sei sehr gering, dass die Mitglieder dann gegen G 9 votieren. Sorgen um zusätzliche Lehrer oder ein mögliches Raumproblem durch den Wechsel macht sich Esser nicht: "Darum muss sich der Schulträger kümmern."

Auch Barbara Cloeters, Schulleiterin des St.-Wolfhelm-Gymnasiums Schwalmtal, ist überzeugt davon, dass die Schulkonferenz sich nicht für G 8 entscheiden wird. "Ich sehe bei uns keine Tendenz dafür." Die Eltern der neuen Fünftklässler berate sie entsprechend. Derzeit gebe es viele offene Fragen - etwa, ob man mit der zweiten Fremdsprache weiterhin in Klasse 6 oder erst in Klasse 7 beginne, "da steht vieles noch in den Sternen", sagt Cloeters. Auch sie rechnet damit, dass das vierzügige Gymnasium mit rund 700 Schülern durch G 9 einen höheren Raumbedarf haben wird. Cloeters: "Damit wird sich der Schulträger beschäftigen müssen."

Quelle: RP
 
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