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Brüggen
Händler handeln auch für Gemeinwohl

Brüggen: Händler handeln auch für Gemeinwohl
FOTO: IHK. RP-Archiv: Anja Tinter
Brüggen. Die IHK hat eine neue Studie vorgelegt: Demnach stellt der Einzelhandel nicht nur die Versorgung und Jobs sicher. Er unterstützt auch Vereine und Veranstaltungen — in Brüggen mit bis zu 200.000 Euro pro Jahr Von Birgit Sroka und Daniela Buschkamp

Dieses Thema hat noch keiner angepackt: Wie viel investiert der lokale Handel in das Gemeinwohl, indem er etwa Veranstaltungen und Vereine unterstützt? "Diese Lücke wollten wir schließen", sagt Christin Worbs, Handelsreferentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. Deren Geschäftsführer Andree Haack brachte gestern die neue Studie "Handel³ - Die dritte Dimension des Einzelhandels" ins Brüggener Rathaus. Ein bewusst gewählter Ort, denn die Burggemeinde ist eine von 16 Kommunen, die die Kammer für diese Studie ausgewählt hat.

Neben Bürgermeister Frank Gellen (CDU) ließen sich auch Wirtschaftsförderer Guido Schmidt, die Vorsitzende des Werberings Gabriele Seifert-Lieck und deren zweite Vorsitzende Betina Tönnissen die Ergebnisse erläutern. Das Ziel der Studie: Empirisch belastbare Aussagen über das Gemeinwohl als dritte Dimension des Einzelhandels - neben Wirtschaft und Versorgung - zu treffen.

Deutlich wurde, dass ohne die Spenden-Bereitschaft der örtlichen Einzelhändler der Spielraum von Institutionen und Vereinen sehr eingeschränkt wäre. Aber: "Viele Kunden wissen das gar nicht", sagt Christin Worbs. Ihr Ratschlag auch an die Brüggener Händler: "Rühren Sie die Werbetrommel, sagen Sie Ihren Kunden, dass Sie sich vor Ort engagieren."

Beispiel Brüggen: Die Zuwendungsempfänger, also etwa die Schützen- und Sportvereine oder die Jugendhilfe Schloss Dilborn, bestreiten rund 15 Prozent ihres Etats aus den Spenden des lokalen Einzelhandels. Wirtschaftsförderer Guido Schmidt lobt: "Neben der ehrenamtlichen Betätigung der Geschäftsinhaber sorgen diese mit Geldspenden und Sponsoring dafür, dass viele Brüggener Vereine und Einrichtungen ihre Veranstaltungen durchführen und ihre Angebote aufrechterhalten können." Die Palette reiche dabei von Trikotsponsoring über Anzeigen in Festschriften, finanzielle Unterstützung von Veranstaltungen bis hin zu Preisen für Verlosungen für Tombolas.

Auch die Vertreter des Werberings nannten Beispiele für das Engagement: die regelmäßigen Ortsfeste, die Weihnachtsbeleuchtung und auch die Attraktivität der Fußgängerzone seien ohne die Einzelhändler nicht denkbar. Ein Ergebnis der Studie: In Brüggen gibt jeder Einzelhändler im Schnitt 3100 Euro pro Jahr für solche Maßnahmen. Das Gesamtvolumen wird auf eine Summe zwischen 150.000 bis 200.000 Euro jährlich geschätzt. "Dabei handelt es sich um einen geschätzten Durchschnittswert", betont Worbs.

Für die Studie der IHK wurden unterschiedlich große Handelsstandorte ausgewählt. Neben den Oberzentren Bochum, Krefeld und Wuppertal waren es die fünf Mittelzentren Dinslaken, Gevelsberg, Herford, Unna und Warendorf sowie acht Grundzentren Brüggen, Halver, Lippetal, Much, Oerlinghausen, Overath, Salzkotten und Wettringen. Dazu wurden Einzelhändler schriftlich befragt, Einzelhandelskonzepte analysiert, auch Verbraucher und auch Spendenempfänger befragt. Ein Ergebnis: 67 Prozent der befragten Händler in Brüggen engagieren sich - als Motivation nennen sie hauptsächlich "Soziale Verantwortung" und die "Stärkung des Standorts". Dabei wird unterschieden zwischen ehrenamtlichen und finanziellen Engagement wie Spenden oder Sponsoring sowie Sachleistungen, etwa Artikel oder Gutscheine für Verlosungen. Das Ehrenamt umfasst etwa die freiwillige Mitarbeit in einer Werbegemeinschaft, in der Politik, in Vereinen.

Laut IHK ist der Einzelhandel nicht nur ortsbildprägend, sondern auch Treffpunkt. In einem Ort einzukaufen bedeutet, sich unter Menschen zu begeben, auf dem Laufenden zu bleiben und am Geschehen teilzunehmen. So entsteht eine Verbundenheit zu einem Ort und den dort lebenden Menschen. Gleichzeitig bedeutet ein Einkauf vor Ort auch, dass Einzelhändler und Dienstleister von den Einkommen der Anwohner leben. Die Gewerbetreibenden wiederum sorgen für Arbeits- und Ausbildungsplätze, die Gemeinde erhält Gewerbesteuer.

Für Bürgermeister Frank Gellen ist klar, dass der örtliche Einzelhandel nur existieren kann, wenn die Brüggener diesen auch bei ihren Kaufentscheidungen berücksichtigen.

Quelle: RP
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