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Viersen
Händler sorgen sich um Viersen City

Viersen. Bei Viersens Geschäftsleuten wächst die Angst, dass ein geplanter großer Edeka-Markt an der Brüsseler Allee die Innenstadt schwächen könnte. Jetzt hat die ISG ein Gutachten in Auftrag gegeben, das diese Frage klären soll Von Martin Röse

Viersens Einzelhändler sind in Sorge um die Zukunft der Innenstadt. Anlass ist die ungewisse Zukunft der Supermärkte im zentralen Einkaufsbereich in Alt-Viersen: Die Kaiser's-Filiale an der Hauptstraße ist bereits geschlossen, nach Informationen unserer Redaktion soll auch der Kaiser's-Markt an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße vor dem Aus stehen. Und: Der Kaiser's im Löh-Center gilt als Problem-Filiale. Bei sieben Stichproben-Besuchen hatte der Vollsortimenter stets nicht mal halb so viele Kunden wie der wenige Schritte entfernt gelegene Discounter Netto. Die beiden Kaiser's-Filialen sind allerdings die letzten Supermärkte in Viersens City. Ihre Zukunft ist angesichts der geplanten Kaiser's-Übernahme mehr als unsicher.

Für die Einzelhändler in Viersens Innenstadt könnte das zu einem Problem werden - denn die Vollsortimenter sind Frequenzbringer Nummer eins. Da müsste eigentlich ein geplanter Edeka-Markt gerade recht kommen. An der Brüsseler Allee soll ein großer Supermarkt entstehen, könnte knapp 1900 Quadratmeter groß werden. So steht es in einem Gutachten des von der Stadt beauftragten Büros Junker und Kruse, das unserer Redaktion vorliegt. Nun ist der Standort an der Brüsseler Allee östlich der Bahnlinie kein Kernbereich der Innenstadt - und mit 1900 Quadratmetern Verkaufsfläche würde der Viersener Edeka-Markt einer der zehn größten in NRW. "Wenn das Ding kommt, ist Viersens Innenstadt tot", glaubt Winfried Tackenberg, Geschäftsführer der Immobilien- und Standortgemeinschaft Nordstadt-Viersen (ISG). "Das sehen auch viele Mitglieder des Werberings Viersen aktiv so", sagt Tackenberg. Die ISG hat jetzt ebenfalls ein Gutachten zu der geplanten Edeka-Ansiedlung in Auftrag gegeben.

Tackenberg verweist insbesondere auf das Einzelhandelskonzept für die Stadt Viersen aus dem Jahr 2011. "Wörtlich heißt es darin: ,Eine Größenordnung von 1200 bis 1400 Quadratmeter ist als absolute Obergrenze für einen Vollsortimenter am Nahversorgungsstandort Brüsseler Allee zu sehen, wenn negative Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche und bestehende Nahverkehrsstrukturen ausgeschlossen werden sollen'", betont Tackenberg. Erstellt wurde das Konzept ebenfalls vom Dortmunder Planungsbüro Kruse und Partner. Wie kommen die Autoren zu ihrem Sinneswandel? Inhaber Stefan Kruse erklärt: "Die Maximalgröße hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter auch der Bevölkerungszahl und der Kaufkraft. Verändern sich diese Werte, kann sich auch die Maximalgröße eines Vollsortimenters verändern."

Viersen liegt mit einer einzelhandelsrelevanten Kaufkraft von 6381 Euro pro Einwohner laut Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein unter dem NRW-Schnitt (6493 Euro), die Bevölkerungszahlen haben allerdings in den vergangenen Jahren zugenommen. Nach der amtseigenen Fortschreibung der Viersener Stadtverwaltung waren Ende Juni mehr als 76.500 Viersener gemeldet gegenüber knapp 75.300 Anfang 2013 - ein Plus von 1,6 Prozent.

Tackenberg ist nicht davon überzeugt, dass die Veränderung bei Einwohnerzahl und Kaufkraft binnen fünf Jahren eine Vergrößerung des geplanten Edeka-Marktes um mehr als 33 Prozent rechtfertigt. Seine Sorge: "Wenn Edeka tatsächlich in dieser Größenordnung kommt, wird sich kein anderer Supermarkt mehr in Viersens City ansiedeln."

Beauftragt wurde mit dem Gutachten die Wirtschafts- und Unternehmensberatung GMA, die in Viersen ebenfalls kein Unbekannter ist. Die GMA hatte Ende der 1990er-Jahre das Zentrenkonzept erstellt, darin schonungslos die damaligen Probleme benannt und Empfehlungen gegeben.

Seit Anfang der 1990er-Jahre war die Frequenz der Innenstadt stetig zurückgegangen. "Der Entwicklungsbereich des Rathausmarktes stellt ein Schlüsselgrundstück zur Vitalisierung des Versorgungszentrums dar", empfahl die GMA. Als der Rathausmarkt nach der Jahrtausendwende aufgewertet wurde, stieg auch die Kundenfrequenz.

Quelle: RP
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