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Kreis Viersen
Handwerk wartet mit einem Studium auf

Kreis Viersen: Handwerk wartet mit einem Studium auf
Rolf Meurer, Kreishandwerksmeister. FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)
Kreis Viersen. Der "Bachelor Handwerks-Manager" ist die Antwort auf ständig steigende Anforderungen an Betriebe, die mit ihren Aufgaben wachsen. Insgesamt ist die Kreishandwerkerschaft mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation zufrieden. Von Ludger Peters

Auf den "Akademisierungswahn", den Kreishandwerksmeister Rolf Meurer mit wachsendem Missvergnügen beobachtet, antwortet das Handwerk jetzt mit einen "trialen Studiengang" an der Hochschule Niederrhein. Mit Herbst startet ein Studium, das in zehn Semestern zum "Bachelor Handwerks-Management" führt. In fünf Jahren durchlaufen die Teilnehmer alle Anforderungen einer Lehrzeit, einer Meisterausbildung und eines betriebswirtschaftlichen Studiums - vorerst aber beschränkt auf die Bereiche Tischler und Elektrotechniker.

Paul Neukirchen, Hauptgeschäftsführer Kreishandwerkerschaft. FOTO: Busch

Wer sich dafür entschließt, betritt immer noch den sprichwörtlich goldenen Boden des Handwerks. Denn unterm Strich stellt die Kreishandwerkerschaft fest, dass es der Branche gut geht. Nach der jüngsten Umfrage beurteilen 85 Prozent der 4100 Betriebe im Kreis Viersen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Nur neun Prozent schauen pessimistisch in die eigene Zukunft, berichtet der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Paul Neukirchen. Die Auftragsbücher sind im Schnitt für viereinhalb Wochen gefüllt, die Zahl der offenen Stellen geht spürbar zurück. Vor einem Jahr waren 14, aktuell nur neun Prozent der Stellen unbesetzt. 1,81 Milliarden Euro setzen die Unternehmen im Kreis jährlich um.

Niedrige Zinsen und gute konjunkturelle Prognosen sorgen für ein gutes Klima in allen Gewerken. Zugpferde sind das Ausbau- und das Bauhauptgewerbe. Maler und Lackierer, Elektroniker, Sanitär- und Heizungsbauer sowie Tischler, aber eben auch Maurer und Betonbauer, Dachdecker, Zimmerer und Straßenbauer haben gut zu tun. Weiterhin investieren Menschen in Immobilien, bestätigt Neukirchen. Neubauten, energetische Sanierungen oder seniorengerechte Umbauten füllen die Auftragsbücher.

Dennoch ist Kreishandwerksmeister Rolf Meurer unzufrieden mit den Rahmenbedingungen. Ihn ärgert, dass die Bundesregierung weiterhin zögert, die Energiewende energisch voranzutreiben. Steuerliche Anreize für Privatleute blieben aus, viele Förderkulissen verpuffen nach seiner Beobachtung. "Wer die Energiewende wirklich durchziehen will, der muss dafür etwas tun", sagt er. Der Austausch veralteter Heizanlagen, die Förderung alternativer Energien sowie Sanierungsanreize müssten lokal gefördert werden - eben durch Vorteile für private Haushalte. Die Behauptung, das rechne sich nicht, weist Meurer zurück. "Jeder Euro, der in diesem Zusammenhang ausgegeben wird, sorgt für Umsätze, die wiederum besteuert werden. Eine Steuererleichterung für Private wäre ein Motor für die Energiewende", sagt er.

Das Handwerk sucht qualifizierten Nachwuchs. Von den 4100 Betrieben bilden 520 bis 540 ständig aus (das macht nicht jeder jedes Jahr), insgesamt beschäftigen sie 19 100 Mitarbeiter. Meurer weist darauf hin, dass die technische Entwicklung immer höhere Anforderungen an Auszubildende stellt. "Das kann der einzelne Betrieb nicht beeinflussen", sagt er. Dass die Zahl der Beschäftigten im Handwerk stagniert, führt Meurer auf die demografische Entwicklung und die Technisierung zurück. Der Umsatz pro Kopf steigt nämlich deutlich. Auch macht sich das Handwerk zunehmend interessant für Abiturienten als Alternative zu einem Studium. Gezielt will die Kreishandwerkerschaft aber auch Studienabbrecher ansprechen und ihnen Chancen erläutern, über die Ausbildung in die Selbstständigkeit zu gehen. Außerdem fördert die Kreishandwerkerschaft über ihr Bildungszentrum Niederrhein die Teilzeitausbildung für Frauen und Männer, die ein Kind erziehen oder Angehörige pflegen.

Quelle: RP
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