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Viersen
Hartz-IV-Empfänger bleiben weiterhin auf der Strecke

Viersen. Es stehen immer weniger öffentlich geförderte Beschäftigungsmöglichkeiten im Kreis Viersen zur Verfügung.

Die erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher im Kreis profitieren seit Jahren kaum noch von einer verbesserten Lage am Arbeitsmarkt. Das zeigt der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW, zu der auch der Caritasverband für das Bistum Aachen gehört. Der Anteil der Langzeitleistungsbezieher an allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten betrug im Februar 2015 im Kreis 68 Prozent. In den Vergleichsmonaten der beiden Vorjahre waren es 66,4 Prozent (02/2014) bzw. 66,8 Prozent (02/2013).

Gleichzeitig stehen im Kreis immer weniger öffentlich geförderte Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung. Immer mehr Mittel werden von den Jobcentern für Verwaltungsaufgaben und immer weniger für die aktive Arbeitsmarktförderung ausgegeben. "Den 68 Prozent Langzeitleistungsbeziehern im Kreis Viersen fällt der Ausstieg aus der Armut und Arbeitslosigkeit besonders schwer", sagt Roman Schlag, beim Caritasverband für das Bistum Aachen zuständig für soziale Sicherung. "Wir stellen für den Kreis fest, dass die Mittel für die aktive Arbeitsmarktförderung und die öffentlich geförderten Beschäftigungsangebote für erwerbsfähige Hartz-IV-Bezieher seit Jahren zurückgefahren werden. Im Kreis Viersen haben wir im Juni 2015 gegenüber Juni 2012 einen Rückgang bei den öffentlich geförderten Beschäftigungen von 64 Plätzen zu verzeichnen."

Nachdem zwischen 2010 und 2011 die gravierendsten Kürzungen bei den Eingliederungsleistungen zu verzeichnen waren, weist der Arbeitslosenreport NRW nach, dass zwischen 2011 und 2014 das den Jobcentern vom Bund bereitgestellte Budget für Eingliederungsleistungen um weitere 16 Prozent reduziert wurde. Weil die Verwaltungskosten der Jobcenter durch Lohn- und Betriebskostenerhöhungen in den vergangenen Jahren gestiegen sind, und die Budgets für Verwaltungs- und Eingliederungskosten gegenseitig deckungsfähig sind, werden immer mehr Mittel in die Verwaltungsstruktur statt in die aktive Förderung von Hartz-IV-Beziehern investiert. Schichteten die 53 Jobcenter in NRW im Jahre 2011 nur durchschnittlich sechs Prozent der Mittel aus ihrem Eingliederungs- in den Verwaltungsetat um, stieg der Anteil in 2014 auf 15 Prozent: Davon widmeten acht Jobcenter weniger als zehn Prozent, 22 Jobcenter 10 bis unter 20 Prozent und 21 der Jobcenter 20 bis maximal 31 Prozent der Mittel um. Im Kreis Viersen lag der Umschichtungsanteil im Jahre 2014 bei 22 Prozent.

Die Formel "bessere wirtschaftliche Lage reduziert die Arbeitslosigkeit" stimmt nur zum Teil. "Deshalb", so fordert Schlag, "brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Mittel für langfristigere und damit auch kostenintensivere beschäftigungsfördernde Angebote für Langzeitleistungsbezieher." Der Caritasverband fordere wie die gesamte Freie Wohlfahrtspflege in NRW die Entkoppelung der Verwaltungskosten von den Mitteln der aktiven Arbeitsförderung und ein Sonderbudget des Bundes für einen Sozialen Arbeitsmarkt. Der Bund könne seine Einsparungen bei den Kosten zur Sicherung des Lebensunterhalts und die Kommunen die eingesparten Kosten der Unterkunft in die Finanzierung von Lohnkostenzuschüssen zu regulären Beschäftigungsverhältnissen einbringen.

(jon)
 
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