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Viersen
Hausmusik im Salon

Viersen: Hausmusik im Salon
FOTO: Busch
Viersen. Werke des 19. und 20. Jahrhunderts präsentierten Stephan E. Wehr und Olivia Comparot in der Villa Marx. Von Gert Holtmeyer

Manchmal ist es gar nicht schlecht, wenn etwas nicht so klappt wie geplant. Fürs Konzert der von ihm organisierten Reihe "Hausmusik im Viersener Salon" hatte Stephan E. Wehr den an sich ja guten Plan, die Werke des 19. und 20. Jahrhunderts auf einem Flügel, die des Barock auf seinem Cembalo zu spielen. Das Problem: Das länger nicht eingesetzte Instrument war reparaturbedürftiger als gedacht.

Freundliche Verantwortliche erklärten sich bereit, die kleine Truhenorgel der Grabeskirche St. Joseph für das Konzert des Vereins für Heimatpflege auszuleihen. Schnell stellte sich heraus, dass dieses Instrument bestens in die akustischen Bedingungen des Salons der Villa Marx passte und auch glänzend mit dem zweiten Instrument, dem Fagott, harmonierte. Mit der 1987 in Mönchengladbach geborenen, heute als stellvertretende Solofagottistin des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg tätigen Olivia Comparot stellte sich eine hervorragende Musikerin vor, die zusammen mit Wehr ein eindrucksvolles Konzert spielte. Nur selten erlebt man ein Kammerkonzert, in dem das Fagott durchgehend die Hauptrolle spielt. Da war es schon informativ, dass Wehr, Professor und musikalischer Leiter der "Rheinischen Opernakademie" an der Kölner Musikhochschule, die Spielerin nach einigen Besonderheiten ihres Instruments befragte. Dabei erfuhr man, dass Comparot fünf Jahre auf die Herstellung ihres heutigen Instrumentes warten musste. Aber das Warten hat sich gelohnt. Die Qualitäten des Instruments und vor allem die Fähigkeiten der Musikerin garantierten eine sehr gute Tonqualität. Die beiden Barockwerke, Telemanns für die Gambe komponierte e-moll-Sonate und die g-moll-Sonate von François Devienne, klangen, zumal in der Kombination mit der Truhenorgel, ganz ausgezeichnet. Schon in diesen beiden Werken wurden auch die virtuosen Fähigkeiten der Spielerin gefordert, noch mehr aber in den drei anderen Kompositionen. Ganz auf sich allein gestellt, ohne Begleitung durch ein Tasteninstrument, brillierte Olivia Comparot mit der Fantasie für Fagott solo des Engländers Sir Malcolm Henry Arnold.

Wie gewohnt bewährte sich Wehr als vorzüglicher Begleiter, sowohl auf der Truhenorgel wie auf dem Klavier. Da es für die Zuhörer interessant war, die Truhenorgel einmal allein zu hören, schob Wehr noch ein kleines Solostück für die Orgel ein, eine reizvolle Canzone des zu seiner Zeit (1583 - 1643) hochberühmten Girolamo Frescobaldi. Atemberaubend virtuos ging es im zweiten Teil zu, mit einer Sonate von Camille Saint-Saëns und einer Sonatine von Alexandre Tansman.

Wie der Vorsitzende des Heimatvereins, Dr. Albert Pauly, dem begeisterten Publikum andeutete, sind weitere interessante Konzerte in dieser Reihe zu erwarten. www.viersener-salon.de

Quelle: RP
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