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Viersen
Heimatverein forscht im Kreisarchiv

Viersen: Heimatverein forscht im Kreisarchiv
Kreisarchiv-Amtmann Marcus Ewers (l.), Autor und regelmäßiger Archivnutzer Klaus Skupin, Albert Pauly, Ramona Vahle-Bonsels und Frank Brüggen (hinten, alle Verein für Heimatpflege), Kreisarchivar Michael Habersack und Kreiskulturdezernent Ingo Schabrich (r.) wollen auch weiterhin gut zusammenarbeiten. FOTO: Nadine Fischer
Viersen. Seit das Stadtarchiv Viersen nicht mehr eigenständig ist, hat sich die Recherchearbeit des Vereins für Heimatpflege geändert. Die Dienstwege sind zwar länger, doch die Zusammenarbeit mit dem Kreis Viersen ist gut Von Nadine Fischer

Der lange Holzkasten ist bestückt mit Karteikarten. Darauf sind handschriftlich Daten über Dülkens Einwohner aus der Zeit von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1918 erfasst. Wer hatte wie viele Kinder, lebte wo, reiste wie oft wo hin? Informationen wie diese können Ramona Vahle-Bonsels und ihre Mitstreiter vom Arbeitskreis Familienkunde des Viersener Vereins für Heimatpflege ablesen. 15.000 Karteikarten in 15 Holzkästen, die am Viersener Standort des Kreisarchivs lagern, möchte die Gruppe auswerten. Um die Arbeit zu erleichtern, sorgt Kreisarchivar Michael Habersack dafür, dass die Karten eingescannt werden - dann können die Mitglieder die Kopien zu Hause am Computer ansehen. Wären das Stadtarchiv Viersen und das Kreisarchiv nicht zusammengeführt worden, müssten sie sich noch lange weiter durch Karteikästen wühlen: "Das Scannen hätte das Stadtarchiv nicht leisten können", sagt der ehemalige Stadtarchivar Marcus Ewers.

Seit Februar 2017 ist das Stadtarchiv ins Kreisarchiv eingegliedert, Marcus Ewers ist jetzt Kreisarchiv-Amtmann. Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) und Landrat Andreas Coenen (CDU) hatten vor der Fusion eine Grundlagenvereinbarung unterzeichnet. Darin hatte der Kreis unter anderem zugesagt, ehrenamtliche Vereine wie den Viersener Heimatverein wie gewohnt zu unterstützen. "Wir haben uns schon gut angenähert", sagt Kreisdirektor und Kulturdezernent Ingo Schabrich. Sein Eindruck: "Das Kreisarchiv lebt und ist sehr lebendig." Dazu tragen die Ehrenamtler mit ihrer Forschung und ihren Publikationen entscheidend bei.

In Viersen hätten Ehrenamtler überhaupt erst dafür gesorgt, dass es ein öffentlich zugängliches Archiv gibt, betont Albert Pauly, Vorsitzender des Heimatvereins. 1986 wurde es in der ehemaligen Turnhalle des Humanistischen Gymnasiums eröffnet, erstmals gab es einen hauptamtlichen Stadtarchivar - wie eben zuletzt Marcus Ewers. "Ich lerne von meinen Ehrenamtlern, sie lernen von mir. Das ist eine Gewinnsituation für beide Seiten", sagt Ewers. Wichtig sei "eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens". Jeden Montag ist er dabei, wenn sich der Arbeitskreis Stadtfotos des Heimatvereins am Standort Viersen im Archiv trifft. Dessen Sprecher Frank Brüggen betont: "Unsere Arbeit ist nur möglich, wenn wir Zugang zum Archiv haben." Bald erscheint das dritte Buch des Arbeitskreises. Dafür haben die Mitglieder historische Straßenansichten von Alt-Viersen gesichtet und dazu Kommentare verfasst.

Bis der Arbeitskreis Familienkunde mit der Karteikarten-Recherche durch ist, dauert es noch etwas länger: "Unser Buch zur Dülkener Kaiserzeit ist in etwa fünf Jahren fertig", schätzt Vahle-Bonsels. Zwar hatte sich der Heimatverein damals für die Fusion von Stadt- und Kreisarchiv ausgesprochen, nicht zuletzt "wegen der Digitalisierungsmöglichkeiten", erläutert Pauly. Doch Vahle-Bonsels war dagegen. Das Stadtarchiv sei wie eine Pension gewesen, nah und vertraut, die Dienstwege waren kurz - ein Zentralarchiv sei eher ein Hotel: "Es ist jetzt anders, aber wir haben gemeinsam Praktiken erarbeitet."

Abzuwarten sei natürlich, was sich ändert, wenn der alte Standort wegfällt und in Dülken das geplante Kreisarchiv öffnet. Dort seien zum Beispiel die Lagerbedingungen viel besser, betont Kreisarchivar Habersack: "Das wird ein Wechsel von der Pension mit Dusche auf der Etage zum Sterne-Hotel."

Quelle: RP
 
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