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Gastbeitrag Albert Pauly
Heimatverein sieht Kreisarchiv zukünftig in Viersen

Viersen. In der Diskussion um den neuen Standort formuliert der Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege Viersen drei Bedingungen

Nachdem die Unterbringung des Kreisarchivs in der Kempener Burg nicht mehr den Anforderungen an ein Archiv entspricht, ist es zwingend notwendig, einen Neubau zu planen.

Unter diesen Umständen ist es auch sinnvoll, wenn der Landrat die Stadt Viersen bittet, zu prüfen, ob die Beteiligung der Stadt unter Aufgabe des bisher selbständigen Stadtarchivs nicht die wirtschaftlichere und bessere Lösung ist. Für die hierüber vereinbarten Gespräche muss aber folgendes gelten:

Standort des neuen Kreisarchivs muss Viersen sein.

Dies folgt nicht nur aus der Funktion Viersens als Kreisstadt, sondern aus dem Vergleich mit den anderen Städten. Hiernach hat das Stadtarchiv Viersen mit ungefähr 1000 Besuchern pro Jahr die größte Zahl von Nutzern. Mehrere Arbeitskreise tagen hier, woraus in den letzten 20 Jahren über 100 eigene Publikationen des Stadtarchivs und 40 weitere Publikationen des Heimatvereins entstanden sind. Die zuletzt erschienenen Bücher "Rintgen" und "Viersen-Dorf" beispielsweise konnten nur erscheinen, weil die Redaktion in dem in Viersen ansässigen Stadtarchiv ihre hierfür notwendige Recherche in den vergangenen fünf Jahren vor Ort betreiben konnte. Dies alles wurde vom Kulturausschuss der Stadt als "Bürgerarchiv" gewürdigt, das es zu erhalten gelte. Hierzu gehört ebenso unverzichtbar der in Viersen besonders gepflegte Bereich der "kulturellen Bildung" mit Angeboten für Kinder und Jugendliche.

Es muss die wirtschaftlichere Lösung sein.

Die relativ geringen Kosten des heutigen Viersener Stadtarchivs sind ins Verhältnis zu setzen zu den Kosten des Neubaus eines Kreisarchivs und den Folgekosten, wie Personal-, Energie- und Ausstattungskosten, an denen die Stadt Viersen mit einem Anteil von rund 25 Prozent beteiligt sein wird. Ohne detaillierte Prüfung liegt keinesfalls auf der Hand, dass dies die wirtschaftlichere Lösung ist.

Es muss die bessere Lösung sein.

Ein zwischen der Albert-Vigoleis-Thelen-Stadtbibliothek, dem Kreishaus und dem Stadthaus angesiedeltes neues Kreisarchiv kann durchaus bei entsprechender Ausstattung ein Gewinn für den Kreis und die Stadt sowie für die historisch interessierten Nutzer des Archivs sein. Wenn es die bessere Lösung sein soll im Vergleich zu dem bisher selbständigen Stadtarchiv Viersen, dann muss aber die in Viersen zum Standard gehörende Funktion des "Bürgerarchivs" erhalten bleiben.

Dies hat der zuständige Kulturausschuss der Stadt Viersen einstimmig für die Verhandlungen zu Recht als unverzichtbar erklärt. Dies ist aber keineswegs selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass nach einer Vereinbarung von 2013 die dem Kreisarchiv angehörigen Städte die sogenannten "jüngeren Akten" ab 1970 erst jetzt dem Kreisarchiv anliefern.

Das bedeutet, sieben Städte liefern zur Zeit ihre archivalisch nicht aufbereiteten Akten aus 46 Jahren an das Kreisarchiv zur Erschließung, Erforschung und Nutzbarmachung. Eine Sisyphus-Arbeit, die für die Akten der Stadt Viersen längst geleistet ist.

Sind die bisherigen Mitarbeiter des selbständigen Stadtarchivs Viersen also in den nächsten zehn Jahren nur damit beschäftigt, die Rückstände der anderen Städte aufzuarbeiten, was dann ihre selbstverständliche Pflicht als Mitarbeiter des neuen Kreisarchivs wäre, so ist für dieselbe Zeit eine Aufrechterhaltung des "Bürgerarchivs" in Viersen ausgeschlossen. Dies lässt sich juristisch nicht dadurch lösen, dass das Stadtarchiv Viersen im neuen Kreisarchiv als selbständig deklariert wird. Lösen ließe es sich nur, wenn das Personal entsprechend aufgestockt würde.

Solange dies aber nicht geschieht, wird es - auch aus diesem Grund - die schlechtere Lösung bleiben.

ALBERT PAULY, VORSITZENDER "VEREIN FÜR HEIMATPFLEGE VIERSEN"

Quelle: RP
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