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Viersen
Heimatverein will die Bismarcksäule wieder zum Ausflugsziel machen

Viersen. In seiner neuen Publikation erinnert der Verein für Heimatpflege Viersen an den heiß umkämpften Bau des Bismarckturms am Hohen Busch. Seit Jahren ist das Gebäude für Besucher gesperrt. Das will der Verein ändern Von Martin Röse

Zur Euroga vor 15 Jahren wurde die damals 100 Jahre alte Bismarcksäule auf der Wilhelmshöhe für knapp 190.000 Euro noch aufwändig saniert, doch dann kamen die Diebe - entwendeten Eisen- und Metallteile. Die Brüstung auf dem Dach des 18 Meter hohen Turms fehlt, die Treppe ist schadhaft, und die Außentür verschweißt. Mit einer speziellen Legierung, denn die erste verschweißte Außentür hatten Diebe mitgehen lassen. Seit Jahren ist das Gebäude nicht mehr zu betreten, zugewuchert ist der Grauwacke-Bau des Dresdner Architekten Wilhelm Kreis, der auch die Düsseldorfer Tonhalle entwarf.

Schon seit Längerem kämpft der Verein für Heimatpflege Viersen dafür, das Bauwerk wieder als Ausflugsziel nutzbar zu machen. "An vier oder fünf Tagen pro Jahr soll er für Besucher geöffnet werden", sagt Albert Pauly, Vorsitzender des Heimatvereins. Mitarbeiter des Vereins würden während der Öffnungszeiten anwesend sein. "Auch im Stadthaus gibt es eine große Offenheit dafür, den Turm wieder erlebbar zu machen", berichtet Pauly nach Gesprächen mit der Bürgermeisterin. CDU-Ratsfrau Anne Bieler, Vorsitzende des Kulturausschusses, findet die Idee ebenfalls prima. "Früher war die Bismarcksäule einmal ein Aussichtsturm. Um diese Funktion wieder herzustellen, müssten auch Sichtachsen entstehen." In den 1920er-Jahren war der Turm am Hohen Busch beliebtes Ausflugsziel. "Mehr als 7000 Menschen haben ihn 1921 bestiegen. An einem Tag kamen mit Sonderzügen der Crefelder Bahn 500 Leute", berichtet Gunnar Schirrmacher. Der ehemalige Studiendirektor des städtischen Gymnasiums Dülken hat das neueste Buch der Schriftenreihe des Heimatvereins verfasst. Das zwölf Euro teure Buch erinnert an den durchaus umstrittenen Bau des Denkmals. "Der Riss ging quer durch die Viersener Bevölkerung", berichtet Schirrmacher.

Auf der einen Seite: Viersener Honoratioren wie Bürgermeister Stern, der Unternehmer Josef Kaiser, Amtsrichter Johnen und eine Reihe von Fabrikanten. "Bei einem Kaisergeburtstag-Essen im Casino fassten sie unter allgemeiner begeisterter Zustimmung den Beschluss, auch in Viersen eine Erinnerung an den Fürsten Bismarck zu stiften." Kurz zuvor hatten deutsche Studenten einen "Aufruf an das deutsche Volk" verfasst, in ganz Deutschland an markanten Orten Bismarcksäulen zu Ehren des verstorbenen Altkanzlers zu errichten. Die sprossen wie Pilze aus dem Boden - in Aachen, Köln und Wuppertal ebenso wie in Chile, Kamerun oder Russland. Heute existieren noch 171.

In Viersen aber stieß das Denkmal zu Ehren des früheren Reichskanzlers auf durchaus erbitterte Feindschaft - schließlich hatte sich Bismarck beim Kulturkampf gegen die katholische Zentrumspartei gewandt ("Kampf zwischen Licht und Finsternis" nannte er das). In Viersen - 22.400 der rund 24.700 Einwohner waren im Jahr 1900 katholisch - wurde der Bau des Denkmals durchaus kritisch gesehen. Der Pfarrer von Bockert, Lorenz Richen, hielt kurz vor Baubeginn eine viel beachtete Rede im Namen aller Viersener Geistlichen. "Den Bismarckschwärmern warf der Pfarrer einen Heroenkult vor, der Turm sei ein Brandopferaltar für Neu-Wotan Bismarck", sagt Schirrmacher. Die preußische Regierung stellte Richen kalt, der Turm wurde gebaut. "Dieser Bau macht Stadtgeschichte erlebbar", sagt Sebastian Trienekens, Geschichtslehrer am Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium. "Wir wollen die Besichtigung des Turms in unseren schulinternen Lehrplan aufnehmen." Das dürfte auch Ratsfrau Bieler freuen. Als sie vor 13 Jahren der Abiturprüfung am Dülkener Gymnasium beiwohnte, regte sie bei Schirrmacher an, dass sich sein Oberstufenkurs mit dem Bismarck- denkmal beschäf- tigen könne - und legte so den Grundstein fürs neue Buch des Heimatvereins.

Quelle: RP
 
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