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Brüggen
Heiß duschen geht oft nur nachts

Brüggen: Heiß duschen geht oft nur nachts
Irmgard Franzen klagt darüber, dass es in der neuen Seniorenwohnung in Brüggen oft lange dauert, bis heißes Wasser aus der Leitung kommt. FOTO: Birgit Sroka
Brüggen. Seit November wohnt Irmgard Franzen im Service-Wohnen St. Rochus in Brüggen. Doch die neue Seniorenwohnung macht noch Probleme Von Birgit Sroka

Irmgard Franzen (90) und Erich Pitzschel (91) leben seit November in einer neuen Mietwohnung in Brüggen. Die Wohnung gehört zum Service-Wohnen St. Rochus an der Hochstraße. Der Wohnkomplex gehört einem Investor, Betreiber ist die Altenheim Brüggen-Bracht GmbH, eine Tochter der Burggemeinde.

Doch glücklich ist das Paar mit der neuen Wohnung derzeit nicht. "Es fing schon beim Einzug im November an", erzählt Karl-Willi Wied aus Overhetfeld, der den beiden helfen möchte. "Drei Tage hatten die Senioren keine Heizung und kein Wasser. Dass ältere Herrschaften dann so alleine gelassen werden, finde ich furchtbar", sagt Wied. Irmgard Franzen berichtet: "Der Einzugstermin war abgesprochen, aber man sagte uns dann, da sei wohl etwas schief gelaufen."

Für die fast 65 Quadratmeter große Wohnung zahlt das Paar 773 Euro Kaltmiete. Hinzu kommen die Nebenkosten sowie weitere 120 Euro als Service-Gebühren. In der Anlage steht für die Bewohner unter anderem an fünf Tagen pro Woche eine Kontaktperson von 9 bis 12 Uhr zur Verfügung, ein Gemeinschaftsraum mit Terrasse ist für alle Mieter da. Die Notrufbereitschaft gilt für 24 Stunden am Tag.

Doch mit der Wohnung selbst haben Franzen und Pitzschel noch Probleme. Die hätten sie zwar einer Ansprechpartnerin geschildert, doch getan habe sich nichts. Franzen berichtet, dass es sehr lange dauere, bis heißes Wasser aus den Leitungen kommt. "Ich dusche jetzt meist nachts, da kommt schneller warmes Wasser aus der Leitung. Sonst stehe ich unter der Dusche und friere", erzählt sie.

Je nach Uhrzeit dauere es unterschiedlich lange, bis heißes Wasser komme - obwohl ein großer Wasserspeicher da sei. Auch problematisch: "Wir dürfen nichts in die Wände dübeln, hat man uns gesagt. Wir brauchen aber einen Griff in der Dusche und auch eine Halterung an der Toilette", berichtet die Seniorin. Ihr Partner könne ohne Unterstützung nicht von der Toilette aufstehen. Franzen: "In der Dusche sollen wir uns an der Armatur festhalten."

Auch die Enge im Flur hat sich bereits als problematisch erwiesen. Als der 91-Jährige ins Krankenhaus gebracht werden sollte, kamen die Sanitäter mit der Trage nicht um die Kurven, um den Senior aus dem Schlafzimmer zu holen. Die alte Dame erzählt: "Er musste mit dem Betttuch herausgetragen werden. So trägt man Tote. Ich konnte da nicht hinschauen."

Auch ein Türspion dürfe nicht in der Wohnungstür eingebaut werden, weil dafür die Tür nicht geeignet sei. Doch auf die Gegensprechanlage wollen sich die beiden nicht verlassen: In der alten Wohnung wurden sie überfallen. Franzen: "Ich habe Angst, jemanden hineinzulassen, ohne zu sehen, wer vor der Tür steht. Ich darf aber auch die Haustür nachts nicht abschließen, weil dies ein Fluchtweg sei."

Christa Bruns, Geschäftsführerin der Altenheim Brüggen-Bracht GmbH und geschäftsführende Betreiberin des Service-Wohnens St. Rochus, verspricht Abhilfe. Ihr seien die Probleme nicht bekannt gewesen. "Wir bedauern sehr, dass sich das Paar alleingelassen und nicht ernst genommen fühlt", sagt Bruns. "Dies entspricht in keiner Weise unserem Bestreben. Im Gegenteil: Jeder einzelne Mieter ist uns wichtig, und soweit es in unserer Macht steht, wollen wir dazu beitragen, dass er sich in seinem neuen Zuhause wohlfühlen kann."

Michael Hötte, Einrichtungsleiter des Altenheims, werde das Paar am Montag besuchen, um alle Beschwerdepunkte zu besprechen und "möglichst zeitnah Abhilfe zu schaffen", kündigte Bruns an. Ob ein Türspion eingebaut werden könne, solle mit dem Inhaber der Wohnanlage besprochen werden. Im Bad könnten selbstverständlich Haltegriffe angebracht werden. Bruns: "Dies sollte von einer Fachfirma so geschehen, dass möglichst keine Fliesen beschädigt und darunterliegende Leitungen getroffen werden."

Quelle: RP
 
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