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Schwalmtal
Helfende Hand im Pflegefall

Schwalmtal: Helfende Hand im Pflegefall
Peggy Löhr FOTO: Knappe
Schwalmtal. Seit sieben Jahren gibt es eine Senioren- und Pflegeberatung im Rathaus Waldniel. Dort kümmert sich Peggy Löhr um Pflegebedürftige und ihre Angehörigen Von Birgitta Ronge

Peggy Löhr ist eine gefragte Frau im Rathaus in Waldniel. Die Sozialpädagogin kümmert sich in der Senioren- und Pflegeberatung, einer Außenstelle des Pflegestützpunktes Viersen, um Menschen, die pflegebedürftig werden oder pflegebedürftig sind - und um ihre Angehörigen. Die Beratungsstelle sei "sehr gut frequentiert", berichtete Löhr in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Demografie und Soziales. Dort gab sie einen Einblick in ihre Arbeit.

Anhand eines Beispiels erklärte Löhr, wer bei ihr Hilfe sucht: Da sei die 84-jährige Frau, die viel vergisst. Manchmal weiß sie auch gar nicht, welcher Wochentag heute ist. Ihr Ehemann, zwei Jahre älter, geht zur Beratungsstelle. Er will fragen, welche Hilfen es für seine Frau gibt. Nach dem ersten Gespräch, so erklärte Löhr, kann es zum Beispiel sein, dass die Gedächtnisambulanz oder ein Neurologe eine Diagnose stellt. Vielleicht leidet die Frau an Demenz. "Gott sei Dank hat das Thema Demenz an Fahrt gewonnen", so Löhr. "Es ist aus der Tabuzone raus, die Sensibilität dafür hat zugenommen."

Man könnte einen Pflegeantrag stellen, einen Pflegedienst und eine Haushaltshilfe hinzuziehen. Vielleicht hilft es dem Ehepartner auch, wenn seine Frau einmal in der Woche in eine Tagespflege geht. Auch eine Betreuungsstelle kann eine Lösung sein.

Leicht sei das anfangs nicht, berichtete Löhr: "Wenn Demenz beginnt, ist es schwierig, jemanden dazu zu bewegen, zum Neurologen zu gehen. Er weigert sich, sagt: ,Denkst du, ich bin jeck?'" In solchen Fällen könne es helfen, eine Beziehung zu dem Betroffenen aufzubauen und dann Hilfe anzubieten. Hilfsangebote gibt es viele, Löhr hat den Überblick. Sie hilft dabei, Anträge zu stellen, und gibt Informationen zu Themen wie Vorsorgevollmacht, Demenz, Schwerbehindertenausweis, aber auch zu Freizeitaktivitäten. Gemeinsam mit dem Schwalmtaler Verein Bündnis für Familie arbeitet die Senioren- und Pflegeberaterin derzeit an einem Seniorenwegweiser - eine Broschüre, die Angebote für Senioren in Schwalmtal bündeln soll, wie viele Bürger es schon vom Familienwegweiser kennen.

Ihre Aufgabe ist es, trägerunabhängig zu beraten. Neben ihr gibt es im Kreis Viersen weitere 17 Senioren- und Pflegeberater in den Städten und Gemeinden, außerdem vier Wohnraumberater und zwei Stellen in der gerontopsychiatrischen Beratungsstelle in Viersen. Wer möchte, kann sich daheim beraten lassen: Auf Wunsch kommt Löhr ins Haus.

Sie erklärt zum Beispiel, welche Leistungen die Pflegeversicherung und die Sozialhilfe bieten, und welche Angebote es gibt, wenn Menschen zu Hause wohnen bleiben, aber Hilfe brauchen. Das können Pflegedienste sein, Mahlzeiten-Lieferanten, Anbieter von Hausnotrufen und Haushaltshilfen. Sollte der Partner krank werden oder Unterstützung bei der Pflege und Betreuung brauchen, kann eine Tages-, Kurzzeit- oder Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Die Selbstpflege kommt ihrer Einschätzung nach bei Angehörigen häufig zu kurz: "Pflegende nehmen Angebote zur Hilfe oft erst an, wenn sie gar nicht mehr können."

Sind keine Angehörigen in der Nähe, sei es oft schwierig, Pflegebedürftigen zu helfen, erläuterte Löhr. Ebenso schwierig sei es oft auch, Menschen zu helfen, die an Suchterkrankungen leiden. Alkohol- und Drogenmissbrauch könne zu einer Pflegebedürftigkeit führen, "und auch Suchterkrankte werden älter". Sofort eingreifen könne man nicht. Löhr: "Selbst wenn Selbstgefährdung vorliegt, hat der freie Wille für das Amtsgericht in Viersen Vorrang. Man darf sich kaputttrinken." Andererseits sei nicht jeder Ältere, der viel trinke, pflegebedürftig, stellte Löhr klar: "Man kann mit 78 gerne mal zur Flasche greifen und noch fit wie ein Turnschuh sein." Gleichwohl schauten die Senioren- und Pflegeberater nicht weg, wenn es Probleme gibt, sagte Löhr: "Wir laden zum Gespräch ein, oder ich lade mich ein. Manchmal gelingt es, Hilfe zu organisieren, wenn die Not groß und der Wille da ist."

Quelle: RP
 
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