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Niederkrüchten
"Herz statt Hetze": Ausweis von bürgerlicher Toleranz

Niederkrüchten. Nach der Kundgebung der AfD und den Gegendemonstrationen herrschten Erleichterung und Stolz in Elmpt und Umgebung. Erleichterung, weil die AfD-Demo und die Gegenveranstaltung "Herz statt Hetze" friedlich blieben. Stolz, weil die Bürger ein starkes Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz gesetzt haben. Es spielte sich ein stilles Volksfest zwischen der Gaststätte "Zur Post", dem Rathaus und der Kirche ab - keine markigen Reden, keine Parolen, keine Schlachtrufe, sondern nur ruhige, friedliche Präsenz. "Wir haben Abstand gehalten - räumlich und geistig", sagte Bürgermeister Kalle Wassong.

Beeindruckend war nicht nur die Zahl der Teilnehmer der Gegenveranstaltung, sondern auch die Mischung: Alt und Jung standen Seite an Seite. Überall waren die "bunten Menschen" des Viersener Schreinermeisters Roland Ehlen zu sehen - auch in den Fenstern des hell erleuchteten Rathauses, das eine stimmungsvolle Kulisse bot. Eine Seniorin bekannte, dass das die erste Demo ihres Lebens gewesen sei: "Da kann man nicht zuhause bleiben."

Die evangelische und katholische Kirche hatte gemeinsam mit Kolpingsfamilien und über 300 Kirchenbesuchern einen bewegenden Gottesdienst gefeiert. "Wer Mut zeigt, macht Mut", zitierte Dietmar Prielipp, geistlicher Leiter des Kolpingwerks im Bistum Aachen, ein treffendes Wort Adolph Kolpings.

Auch die Solidarität der Nachbarn war groß. Viele Bürgermeister zeigen Flagge: Frank Gellen aus Brüggen, Michael Pesch aus Schwalmtal, Thomas Goßen aus Tönisvorst und Arno Melchert (stellvertretender Bürgermeister) aus Nettetal waren ebenso da wie der Bundestagsabgeordnete Udo Schiefner. "Unsere Richtung ist die der Menschlichkeit", betonte Gellen. Für Bürgermeister Goßen war es selbstverständlich, nach Elmpt zu kommen: "Wir sind ein Kreis. Wir stehen gemeinsam für Werte. Und wenn diese Werte in Zweifel gezogen oder angegriffen werden, stehen wir zusammen für Toleranz und Offenheit."

Monica Ebbers von der Niederkrüchtener Flüchtlingshilfe-Initiative sah die Veranstaltung als Beleg dafür, dass die Stimmung gegenüber Flüchtlingen in der Gemeinde offener und verständnisvoller geworden ist: "Das lässt mir das Herz aufgehen." Jörg Lachmann, einer der Initiatoren der von allen sechs Ratsparteien getragenen Veranstaltung, richtete den Blick nach vorn: "Wir müssen langen Atem zeigen."

(jos)
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