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Schwalmtal
Herzblut und Verständnis sind gefragt

Schwalmtal: Herzblut und Verständnis sind gefragt
Für das Bethanien Kinder- und Jugenddorf betreut Astrid Hurdalek die Familiäre Bereitschaftsbetreuung (FBB) und sucht hierfür engagierte Freiwillige, die auch kurzfristig Kinder oder Jugendliche aufnehmen können. FOTO: Siemes, Horst (hosi)
Schwalmtal. Das Bethanien Kinder- und Jugenddorf sucht weitere Unterstützer für die Familiäre Bereitschaftsbetreuung (FBB). Eine Aufgabe auf Zeit, die viel Einfühlungsvermögen und Verständnis von den Freiwilligen abverlangt. Von Bianca Treffer

"Ich weiß vom ersten Moment an, dass wir nur eine Familie auf Zeit sind. Das ist nicht immer einfach, aber ich kann dadurch Kindern in einer Notsituation helfen und einen guten Start ermöglichen. Das ist meine Motivation", sagt Frau Yvonne. Dabei blickt sie liebevoll auf die beiden kleinen Jungen, die beide unter einem Jahr alt sind und für die sie seit Anfang Januar die Familie darstellt. Frau Yvonne gehört zu den Menschen, die sich in die Familiäre Bereitschaftsbetreuung, kurz FBB genannt, des Bethanien Kind- und Jugenddorfs einbringen und damit Kindern für eine gewisse Zeit eine Heimat geben.

Immer wieder kommt es vor, dass die Jugendämter Kinder und Jugendliche aus ihren Familien nehmen, um sie zu schützen. Die Krisensituationen reichen von Verwahrlosung über Missbrauch bis hin Misshandlung. Für diese in Obhutnahme von jetzt auf gleich werden Familien, Paare oder auch Einzelpersonen gesucht, die diese Kinder auf Zeit aufnehmen und ihnen ein Daheim zu geben. "Oft handelt es sich um traumatisierte Kinder, die viel Ruhe und Zuwendung benötigen. Wir haben vor diesem Hintergrund im August vergangenen Jahres beschlossen, das Angebot der FBB in unser Programm aufzunehmen", sagt Astrid Hurdalek, die genau diesen Aufgabenbereich in Bethanien betreut. In erster Linie geht es dabei um Kinder zwischen Null und sechs Jahren, für die es einfach besser ist, wenn sie in eine Familie kommen, als in Wohngruppen, die teilweise Stärken von bis zu neun Kindern und Jugendlichen aufweisen.

Für die FBB hat das Kinder- und Jugenddorf erste Interessenten gewinnen können, die Kinder in diesen Krisen begleiten. "Aber wir bräuchten noch mehr engagierte Menschen mit Herzblut, Verständnis und Geduld, denn es kommt immer wieder zu Notfällen", sagt Hurdalek. So kam jetzt eine Anfrage für einen gerade geborenen Säugling, der die FBB benötigt. "Es ist nicht einfach, ein Kind wieder abzugeben. Da fließen auch schon mal Tränchen. Aber ich kann für kurze Zeit etwas Gutes tun. Das ist wichtig und in meinem Bewusstsein fest verankert", betont Frau Yvonne, deren Kinder selber schon erwachsen sind. Wobei es keine Voraussetzung ist, dass Interessierte eigene Kinder haben. "Wenn eigene Kinder vorhanden sind, sollten diese mindestens vier Jahre alt sein, damit sie verstehen, warum das andere Kind nicht bleiben kann", sagt Hurdalek. Ganz wichtig sei es, Verständnis für die Eltern zu haben, deren Kind man betreut.

Einmal in der Woche findet ein betreuter Besuchstag in Bethanien statt. "Kinder spüren, wenn ihre Betreuungseltern den leiblichen Eltern keine Wertschätzung entgegenbringen. Da unser Ziel, durch entsprechende Hilfen die Rückführung in die eigene Familie ist, ist der Besuchtag ein wichtiger Bestandteil", sagt Hurdalek. Eigene stabile Familienverhältnisse sind eine Voraussetzung, um den FBB zu unterstützen. Man müsse auch bereit sein, sich ein stückweit in sein Privatleben schauen zu lassen. Bevor das erste Kind einziehen kann, steht ein halbes Jahr Vorbereitungszeit mit insgesamt zehn Gruppentreffen und drei Supervisionsterminen auf dem Programm. Dazu kommen später alle vier Wochen Gespräche zum Austausch. "Wir halten den Familien der FBB den Rücken frei", sagt Hurdalek. Für die eigentliche Betreuung gibt es eine Betreuungs- und eine Aufwandspauschale. Dazu kommt ein Beitrag zur Alterssicherung, der auch bezahlt wird, wenn eine Familie aus dem FBB aktuell einmal kein Kind betreut.

Quelle: RP
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