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Was ist drin im Einsatzfahrzeug?
Hightech steckt in der Drehleiter

Was ist drin im Einsatzfahrzeug?: Hightech steckt in der Drehleiter
Unter den Stützfüßen der Drehleiter sind Sensoren. Sie messen, ob genug Stützdruck aufgebaut wurde. Es wäre fatal, wenn die Drehleiter im Einsatz kippt. FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)
Schwalmtal. Seit 2002 rückt bei Einsätzen der Schwalmtaler Feuerwehr eine Drehleiter mit aus. Sie hat sich in zahllosen Einsätzen bewährt. "Ein unverzichtbares Gerät", findet Wehrführer Dirk Neikes. Von Jochen Smets

20 Meter über dem Boden könnte die Aussicht schön sein. Genießen kann man sie im Korb des Schwalmtaler Drehleiterfahrzeugs allerdings nur bedingt. Das liegt daran, dass man von dort nicht selten in ein brennendes Haus blickt, in dem noch Leute aus dem dritten Stock gerettet werden müssen. Aber selbst wenn nicht gerade Feuer gelöscht, Menschen geborgen oder Katzen vom Baum geholt werden müssen, ist der Aufenthalt im Korb nur für nervenstarke Menschen ein Vergnügen. Denn trotz des mächtigen Stahlarms, der den Korb mit dem Fahrzeug da unten verbindet, ist der Aufenthalt in luftiger Höhe eine äußerst wacklige - und bei Wind richtig ungemütliche - Angelegenheit. "Da müssen auch erfahrene Kameraden manchmal passen", schmunzelt Dirk Neikes.

Rein technisch kann die Drehleiter 30 Meter Höhe erreichen - das ist ungefähr da, wo beim Schwalmtaldom die Kirchturmuhr sitzt. Da das Drehleiterfahrzeug im Einsatzfall aber stets mindestens neun Meter Abstand zum Gebäude einhalten muss, ist der Korbarm zwangsläufig geneigt. Darum beträgt die so genannte "Nennrettungshöhe" 23 Meter. Der Korb selbst, kaum einen Quadratmeter groß, ist eine kleine Einsatzzentrale. Hier findet sich die gleiche Armatur, mit der Maschinist und Gerätewart Arthur Petrossian die Drehleiter in seinem Bedien-stand am Boden dirigiert.

Damit kann sich der Mann im Korb selbst in die optimale Position manövrieren. Gehoben, gesenkt und ausgefahren wird die Drehleiter per Joystick - aber das ist auch schon die einzige Parallele zu einem Computerspiel. Über Starkstrom- oder 220-Volt-Anschlüsse werden Scheinwerfer, eine Elektrokettensäge und anderes Gerät am oder im Korb mit Energie versorgt.

Die Drehleiter kann nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Tiefe ausfahren. Darum leistet sie bei Rettungen in unwegsamem Gelände oder aus Rinnen und Schächten wertvolle Dienste. Hightech verbirgt sich an Stellen, an denen man es überhaupt nicht vermutet. Zum Beispiel unter den vier seitlichen Stützfüßen, die ausgefahren werden, um das Fahrzeug zu sichern und die Hebelwirkung der Drehleiter auszugleichen. Unter den Füßen sind Sensoren, die messen, ob genug Stützdruck aufgebaut wurde. Denn es wäre fatal, wenn die Drehleiter im Einsatz kippt, weil der Untergrund nachgibt und ein Stützfuß absackt. Ein separater Stromgenerator stellt sicher, dass die Drehleiter auch beim Ausfall der fahrzeuggebundenen Energiezufuhr autark betrieben werden kann.

Die Materialausstattung des Drehleiterfahrzeugs ist relativ unspektakulär. In den seitlichen Fächern befindet sich Schlauchmaterial, das bis in die Spitze der ausgefahrenen Drehleiter gelegt werden kann, außerdem Atemschutzgeräte, Werkzeug, ein Benzinkanister, ein Feuerlöscher, eine Elektrokettensäge samt Kabel sowie ein Absturzsicherungssystem, das der Feuerwehrmann überzieht, um Menschen zum Beispiel aus einem Schacht zu retten.

Seit 2002 tut das Drehleiterfahrzeug in Schwalmtal Dienst. 450.000 Euro hat es gekostet. Gut angelegtes Geld, findet Neikes. Wo die Feuerwehr früher mit Steckleitern arbeiten musste, bringt die Drehleiter mehr Sicherheit für die Wehrleute und viel mehr Schnelligkeit und Effektivität bei der Brandbekämpfung oder bei Rettungseinsätzen.

Quelle: RP
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