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Kreis Viersen
Hohe Nitratbelastung im Kreis Viersen

Kreis Viersen: Hohe Nitratbelastung im Kreis Viersen
Die Nitratwerte in Boden und Wasser werden durch Gülle und Kunstdünger auf den Äckern beeinflusst. FOTO: Busch
Kreis Viersen. Was bedeutet viel Nitrat im Boden und Grundwasser? Es müsse zwischen Grund- und Trinkwasser unterschieden werden, sagen Experten. Was gegen zuviel Nitrat hilft: Wasserversorger kooperieren mit den Landwirten. Von Markus Plüm und Daniela Buschkamp

In den Böden im Kreis Viersen ist die Nitratbelastung hoch. Im Infoystem Elswas-Web ist eine Karte des Kreisgebiets - wie der gesamte Niederrhein - rot markiert. Und das ist schlecht. "In NRW haben wir überall dort schlechte Grundwasserqualität, wo intensive Landwirtschaft betrieben wird", erklärt eine Sprecherin des NRW-Umweltministeriums.

Nitrat (No3) ist eine Stickstoffverbindung, die im Körper zu Nitrit umgewandelt wird. Nitrit kann beim Menschen zu Sauerstoffmangel im Blut führen. No3 kommt in Kunstdünger und in den Exkrementen von Hühnern, Schweinen und Kühen vor. Diese Gülle wird auch auf Feldern zum Düngen verwendet. So kann sie ins Grundwasser gelangen.

Nettetal, Viersen, Brüggen, Schwalmtal und Niederkrüchten sind "rote Zone": Dort liegen die Nitratwerte hoch. FOTO: Röse Martin

Meistens besteht kein Grund zur Sorge

Die Stickstoffe stellen in den meisten Fällen keinen Grund zur Sorge dar. Das sagt Christian Plaßmann, Trinkwasser-Berater bei der Kommunalen Partner Wasser GmbH, die auch für die Wasserversorgung in Nettetal zuständig ist. "Die Endnutzer verwechseln oft Trink- und Grundwasser. Sämtliche Messwerte unseres Trinkwassers liegen unter dem gesetzlich festgelegten Grenzwert, sonst wäre es kein Trinkwasser." Dies gelte auch für das Versorgungsgebiet der NEW: Es bestehe kein Anlass zur Sorge, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt.

Auch Politiker fragen nach der Nitratkonzentration im Trinkwasser, sagt Dirk Landes, Geschäftsführer der Schwalmtalwerke. "Die Anforderungen an Nitratwerte werden deutlich unterschritten", sagt er. Wasser aus dem Kranenbach oder der Schwalm werde nicht als Trinkwasser verwendet. Man erhalte Wasser von der NEW.

Messwerte im Trinkwasser deutlich unter Grenzwert

So sehen die neuen, unabhängig erhobenen Messdaten aus: In den Wasserwerken Dülken und Viersen, die Viersen und Schwalmtal mit Trinkwasser versorgen, lagen die Messwerte mit 20,8 und 19,7 Milligramm pro Liter deutlich unter dem Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Auch die beiden Wasserwerke in Lobberich (weniger als 1,0) und Kaldenkirchen (23,9) sowie in Brüggen (23,9) und Niederkrüchten (24,2) unterschreiten das erlaubte Maximum deutlich.

Laut NEW müsse aber eine Unterscheidung gemacht werden. Oberflächennahes Grundwasser weise hohe Nitratwerte auf. Trinkwasser werde aber aus geschützten Einzugsgebieten und Brunnen von unterschiedlicher Tiefe gewonnen, so könnten die Grenzwerte eingehalten werden.

Auch Christian Plaßmann sagt: "Es wäre fachlich grob fahrlässig, nur aktuelle Werte zu betrachten. Bis ein einzelner Wassertropfen ins Grundwasser gelangt, können bis zu 20 Jahre vergehen. Wenn zum Zeitpunkt einer Messung also hohe Nitratwerte vorliegen, heißt das nicht, dass an der Oberfläche gerade gedüngt wurde." Daher nimmt er auch die hiesigen Landwirte in Schutz, die bei solchen Diskussionen oft in der Schusslinie stünden.

Organisationen wollen Düngeprozess optimieren

Was vor Ort gegen zu viel Nitrat getan wird: Die NEW kooperiert seit 1992 mit 350 Agrarbetrieben aus Viersen und Mönchengladbach, die 90 Prozent der Äcker im NEW-Gebiet bewirtschaften. Der Versorger bietet Beratung zu Grundwasser-schonender Düngung an. Ein Ziel: Düngen nach der Ernte im Herbst, das für die Pflanzen wenig bringt, soll vermieden werden.

Die Stadtwerke Nettetal kooperieren mit Bauern, Baumschulen und Gartenbetrieben in den Wasserschutzgebieten Kaldenkirchen, Breyell und Lobberich. Die Landwirte düngen ihre Böden so, dass möglichst wenig Nitrat ins Grundwasser gelangt. Zudem verpflichten sie sich freiwillig, weitere Auflagen - wie die Vermeidung von im Winter brachliegenden Flächen - zu erfüllen. Dadurch könne eine Verlagerung von Stickstoffen in tiefere Bodenschichten stark reduziert werden. Die der Nettetaler Kooperation angehörigen Bauern erhalten zum Ausgleich Fördermittel.

Quelle: RP
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