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Marialy Pacheco
"Ich freue mich aufs Festival"

Marialy Pacheco: "Ich freue mich aufs Festival"
Die Jazzpianistin und Komponistin Marialy Pacheco wurde in Havanna geboren, heute lebt sie in Deutschland. Ihr Album "Duets" erschien im April. FOTO: Intermezzo
Viersen. Die kubanische Pianistin Marialy Pacheco hat sich mit ihrem neuen Album Träume erfüllt. Jetzt kommt sie mit dem WDR Funkhausorchester zum Jazzfestival nach Viersen

Viersen Marialy Pacheco will mit dem WDR Funkhausorchester ein Feuerwerk kubanischen Temperaments in der Festhalle entfachen: Die 34-jährige Pianistin ist beim Jazzfestival am Freitag, 22. September, zu Gast in Viersen.

Was passiert beim Projekt mit dem WDR Funkhausorchester in Viersen?

Marialy PAcheco Es heißt "Son cubano" und ist ein Projekt aus dem vergangenen Jahr. Ich habe traditionelle kubanische Musik und Stücke von mir für Orchester arrangiert und werde sie mit dem Orchester, meinem Trio und Joo Kraus an der Trompete aufführen. Das macht sehr viel Spaß - und die kubanische Musik mit großem Orchester klingt toll. Das sind zwei Welten, aber die Mischung ist perfekt: Die Geiger zum Beispiel können im Latin-Jazz auch kurze groovige Töne spielen, das ist Wahnsinn. Es gibt ein Arrangement von "El Manisero", das hört sich in dieser Besetzung super an, genauso das mexikanische Lied "La bikina". "Tres lindas cubanas", einen weiteren Klassiker, spielen wir auch, und von mir "Metro" mit Joo an der Trompete. Ich freue mich auf das Festival in Viersen.

Ihr neues Album "Duets", auf dem zwei dieser Titel enthalten sind, enthält nur Duette. Warum?

Pacheco Ich wurde vom Label gefragt, ob ich nicht noch eine Platte machen wollte. Dann habe ich mit meinem Manager überlegt, was ich machen könnte, und da ich schon solo und im Trio Alben aufgenommen hatte, kamen wir auf Duette. Ich habe eine Liste meiner Lieblingsmusiker aufgeschrieben, Musiker, mit denen ich schon lange zusammen spielen wollte. Da standen auch Pat Metheny, Mariza, Avishai Cohen, Michel Camilo und andere drauf, eine "Traumliste" eben. Wir haben alle angeschrieben und Miguel Zenón, Hamilton de Holanda, Omar Sosa und Max Mutzke haben direkt geantwortet, andere hatten keine Zeit, und manche haben gar nicht geantwortet. Bei Michel Camilo hat sein Label es nicht erlaubt.

Mit Omar Sosa geht es los...

Pacheco Ich wollte unbedingt mit einem anderen Pianisten einen Titel einspielen. Mit Omar bestand schon ein Kontakt, weil er mir zu meiner Platte "Introducing..." gratuliert hatte und weil er meine Tante auf Kuba kennt. Als er das Konzept von "Duets" gelesen hatte, war er sofort dabei. Sowohl er wie ich haben zum ersten Mal mit einem anderen Pianisten etwas eingespielt. Aber obwohl wir ganz andere Spielweisen haben, gab es sehr viele Gemeinsamkeiten zwischen uns.

Haben alle Duett-Partner Stücke mitgebracht?

Pacheco Bei der Auswahl der Musiker war mir wichtig, dass sie eine starke musikalische Identität haben, dass man sie mit geschlossenen Augen nur am Klang erkennt. Also musste ich Stücke aussuchen, die das unterstreichen. Von Hamilton habe ich viele Platten durchgehört und dachte bei "Capricho do sul", dass es sich gut auf das Klavier übertragen lässt, denn das ist nicht so einfach von der Mandoline her, bei der alles nah zusammen liegt. Außerdem ist es rhythmisch, denn wir haben ja sonst keine Begleitung. Bei Miguel und seinem Klang dachte ich direkt an "La comparsa" von Ernesto Lecuona und konnte mir die Melodie schon auf dem Saxophon vorstellen. Ich kriege immer noch eine Gänsehaut, wenn ich höre, wie er anfängt zu spielen. Max hatte ich auf einem Festival getroffen und wollte unbedingt etwas mit ihm aufnehmen. Das Stück von ihm ist auf seiner Platte sehr poppig, aber ich habe daraus eine Jazzballade gemacht. Mit Rhani spiele ich momentan ohnehin in einem Duo-Projekt. "Burundanga" ist ein Arrangement, das ich zunächst für mein Trio geschrieben habe. Joo wiederum arbeitet sehr viel mit Effekten bei seiner Trompete. Darum habe ich meinen Titel "Metro" ausgewählt, der dadurch spaciger wird, und in dem es um den Traum von einer U-Bahn in Havanna geht. Den spielen wir ja auch in Viersen.

Wenn ich die international bekannten Jazzpianisten aus Kuba aufzähle, ist nur eine Frau dabei, Sie! Wie kommt das?

Pacheco Für den Jazz kann ich sagen, dass der Weg dorthin hart ist. Denn wir werden ja klassisch ausgebildet - und wenn du Jazz spielen willst, musst du dir das selbst beibringen. Ich wollte das unbedingt, aber das halten Frauen vielleicht nicht so gut durch. Und auch in den populären Salsa-Bands, wo man etwas anderes lernen könnte, werden in der Regel als Musiker nur Männer engagiert, die Frauen dürfen singen. Und dann kommt noch das überall gleiche Problem hinzu: Frauen wollen eventuell Familie haben - und das kollidiert dann mit einer Musikerkarriere. Manchmal werde ich auch nicht so ernst genommen wie die Männer. Ich muss immer ein wenig mehr kämpfen, denn erstens bin ich Latina, da kommen dann schon sehr viele Klischees hoch, und zweitens eine hübsche Frau, weswegen viele denken, ich müsste auch singen! Die Frage danach hasse ich am meisten, zumal ich keine schöne Singstimme habe. Und Musik sollte nichts mit dem Aussehen zu tun haben. Für mich geht es immer nur um Qualität, egal ober Frau oder Mann. Aber nach meinem Konzert ist das dann auch klar.

TORSTEN ESSER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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