| 00.00 Uhr

Jan Nienkerke
"Ich war erschrocken über die Leerstände"

Viersen. Am ersten Advent vor einem Jahr bekam Dülken mit Jan Nienkerke einen neuen Pfarrer. Zeit für ein erstes Resümee Von Jiota Kallianteris

Dülken Im November 2015 hat Jan Nienkerke die Pfarrei und Gemeinschaft der Gemeinden St. Cornelius und Peter, zu der neben den Dülkener Gemeinden St. Cornelius, St. Ulrich und Herz Jesu auch St. Peter in Boisheim gehört, übernommen. Im Interview zieht er ein Resümee seines ersten Jahres in Dülken.

Wie kommt man als Pfarrer nach Dülken?

Nienkerke Ich war zehn Jahre lang in Mönchengladbach-Odenkirchen als Pfarrer tätig und nach dieser langen Zeit offen für Veränderungen. Im Herbst 2014 kam das Bistum auf mich zu und hat eine Reihe von Gesprächen mit mir über ganz unterschiedliche Optionen und mögliche Einsatzorte geführt. Im Laufe der Überlegungen hat Pfarrer Thoma bekannt gegeben, dass er Dülken 2015 verlassen würde. Damit war das Amt hier vakant. Erst habe ich das gar nicht mitbekommen, aber als ich von Kollegen darauf aufmerksam gemacht wurde, habe ich darüber nachzudenken begonnen und viel später beim Bistum nachgefragt, ob die Stelle schon neu besetzt ist. Das war zu meiner Überraschung nicht der Fall.

Das erste Mal, als sie Dülken sahen, dachten Sie was?

Nienkerke Was es doch für ein schönes kleines und idyllisches Städtchen ist, mit einem ganz besonderen Flair, rund um den Alten Markt und die historische Altstadt. Gleichzeitig war ich sehr erschrocken über die vielen Leerstände, gerade in der Langen Straße. Es ist schade, dass nicht viel mehr Menschen die Potenziale sehen, die auch in Dülken stecken.

Was waren Ihre ersten Aufgaben in der Gemeinde?

Nienkerke Dülken hatte erstmals keinen Kaplan mehr und auch der frühere Gemeindereferent hatte in eine andere Stelle gewechselt. Aber die Aufgaben sind nicht weggefallen, sondern sie müssen weiterhin erfüllt werden. Die Gottesdienstordnung für unsere vier Gemeinden wurde nach langen Beratungen so gut wie möglich angepasst, und in Sachen Kirchenmusik haben wir eine monatliche Konzertreihe ins Leben gerufen, die gut angenommen wird. Die letzte Veranstaltung war das "Mozart-Requiem", das sehr gut besucht war. Auch der Kirchenchor von St. Cornelius hat mit unserem Organisten und Chorleiter eine neue Perspektive gewonnen. Gemeinsam mit dem Pastoralteam für unsere vier Gemeinden ist es uns in recht kurzer Zeit gelungen, einige große "Baustellen" abzuräumen.

Vermissen Sie manchmal die Gemeinde in Odenkirchen?

Nienkerke Viele lieb gewonnene Kontakte bestehen nach wie vor und die Entfernung ist ja auch nicht groß. Nachdem ich nun ein ganzes Kirchenjahr mit all seinen liturgischen Feiern hier miterlebt habe, kann ich definitiv sagen, dass ich mich sehr schnell eingewöhnt habe. Es kommt mir angesichts der Fülle der Eindrücke in kürzester Zeit fast schon so vor, als wäre ich nie woanders gewesen. Und auch meine beiden tierischen Mitbewohner, zwei Kater, haben sich in ihrem "Innenstadtrevier" ganz gut eingelebt.

Wie sehen Sie die aktuelle politische Entwicklung?

Nienkerke Manchmal bin ich erschrocken über den Hass, der vor allem im Internet im Schutz vermeintlicher Anonymität verbreitet wird. Es scheint bei vielen Menschen eine große Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation vorzuherrschen, und dann auch mit den etablierten Parteien, denen pauschal alle Verantwortung und Schuld zugewiesen wird. Da wird oft nicht mehr nachgedacht und es zählen auch keine Tatsachen mehr, sondern nur noch Emotionen. Die Massen an Nachrichten, die täglich auf uns einstürmen, sind kaum noch zu verarbeiten. Das hat zur Folge, dass Prioritäten nicht mehr erkannt werden, weil man nichts mehr aufnehmen und filtern kann, um die Dinge noch sinnvoll zu hinterfragen. Ich kann nur appellieren, sich nicht verrückt machen oder aus der Ruhe bringen zu lassen. Als Christen haben wir über alle Konfessionsgrenzen hinweg den Vorteil, in Jesus Christus und seiner Botschaft den Bezugs- und Orientierungspunkt für unser Leben und den Maßstab für unser Handeln zu finden. Dieser konkrete Anknüpfungspunkt verbindet uns. Wenn man statt nach Abgrenzungen nach den Gemeinsamkeiten sucht und das Verbindende in den Vordergrund stellt, staunt man manchmal darüber, was auf einmal alles möglich ist.

Auch Facebook ist Ihnen nicht fremd. Sie haben einen eigenen Account.

Nienkerke Die Menschen dürfen schon sehen, dass es nicht nur den Pfarrer, sondern auch den Menschen gibt. Verbindungen sind mir wichtig. Ich nutze Facebook, Twitter und Instagram und denke, dass die modernen Kommunikationsmedien eine gute Möglichkeit sind, um in Kontakt zu treten oder zu bleiben.

Gibt es Hobbys in ihrem Leben?

Nienkerke Ich liebe Katzen und Musik, vor allem Jazzmusik. Beim nächsten Jazz-Festival will ich unbedingt dabei sein.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Jan Nienkerke: "Ich war erschrocken über die Leerstände"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.