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Viersen
Im Streit auf der Suche nach dem Kompromiss

Viersen. Christoph Seidel (52) ist der neue Schiedsmann für Süchteln. Der bisherige Stellvertreter folgt auf Josef Ingmanns.

Souverän und ruhig, das ist der Eindruck, den Christoph Seidel vermittelt. "Schon in jungen Jahren habe ich irgendwie ausgleichend auf meine Mitmenschen gewirkt. Ich bleibe einfach ruhig. Ich bin ein Mensch, der keinen Streit mag. Ein Kompromiss ist eigentlich immer möglich, es sei denn, jemand ist ganz verbohrt", meint der Süchtelner (52). Und weil er so ist, bewarb er sich schon vor mehr als drei Jahren auf die Stelle als stellvertretender Schiedsmanns in Süchteln.

Am 1. Januar 2012 trat Seidel sein ehrenamtliches Amt an. "Ich hatte Zeit und wollte in meiner Freizeit gerne etwas Sinnvolles tun. Die Kinder sind groß. Ein Hobby gibt es zwar auch, aber es passte zeitlich noch etwas rein", sagt Seidel, der hauptberuflich als Projektleiter für Telekommunikationssysteme tätig ist. Der amtierende Schiedsmann Josef Ingmanns lernte seinen Stellvertreter an, und in diesem Jahr übernahm der 52-Jährige das operative Geschäft Stück für Stück. Und das mit Erfolg. Seine Quote bei Einigungen kann sich sehen lassen.

Wobei es bei der vorgerichtlichen Streitschlichtung nicht um Recht geht, sondern um eine Verständigung zwischen zwei streitenden Parteien. Es gebe nur Gewinner. Dafür müsse jeder lediglich ein bisschen geben, meint Seidel.

Zu 90 Prozent handelt es sich um Nachbarschaftsstreitereien, angefangen von der zu hohen Hecke bis zum Gartenhaus, das zu nahe am Zaun steht. "Menschen, die einigungswillig sind, finden auch einen Weg. Wenn aber jemand auf Krawall gebürstet ist, dann hat man keine Chance", weiß Seidel aus Erfahrung.

Gesunder Menschenverstand sei das Wichtigste bei der ehrenamtlichen Aufgabe als Schiedsmann, die er mit viel Freude angeht. Für den Süchtelner war darum sofort klar, dass er sich nach dem Amtsende von Ingmanns als Schiedsperson für den Schiedsamtsbezirk IV, also Süchteln, bewerben wollte. Mit ihm traten drei Bewerber an, wobei der Rat der Stadt Viersen sich einstimmig für Seidel aussprach. Alles sahen es als Vorteil, dass er schon als Stellvertreter tätig war und mit der Materie vertraut ist - zumal er auch Fortbildungen in diesem Bereich besucht hat und auf ein breites Wissen zurückgreifen kann.

Bei seinen Schlichtungsverhandlungen ist Christoph Seidel der vernünftige Ton am wichtigsten. Geschrei oder Beleidigungen gibt es nicht, jeder kann in Ruhe ausreden. "Oft liegen die Probleme tiefer und die aktuelle Situation ist nur der Auslöser dafür, dass eine Sache eskaliert. Dann muss man ein bisschen genauer hingucken", berichtet Seidel aus dem Alltag.

Wenn sich ein Bürger an ihn wendet, beginnt alles mit einem Telefongespräch. Dabei gibt Seidel bereits Tipps zur Streitschlichtung. Wünscht der Antragsteller eine weitere Begleitung, so wird der Antrag auf eine Schlichtungsverhandlung ausgefüllt. Beide Parteien erhalten eine Ladung mit einer Zustellungsurkunde. Die Schlichtungsstelle ist das Tendyckhaus an der Propsteistraße 11a in Süchteln. Dort setzt sich Seidel mit den beiden Parteien zusammen, hört zu und berät.

Kommt es zu keiner Einigung, dann erhält der Antragsteller eine Erfolglosigkeitsbescheinigung, mit der er zu Gericht gehen kann. In der Regel kommt es pro Jahr zu fünf bis zehn Fällen in Süchteln. Seidel führt ein handschriftliches Protokollbuch, in dem alles festgehalten wird. Dazu kommt das Kassenbuch. Denn auch, wenn er ehrenamtlich arbeitet, so entstehen für den Antragsteller Kosten. Diese bewegen sich zwischen 18 und 40 Euro. Eine Einigung kostet 25 Euro, eine Nichteinigung zehn Euro. Dazu kommen Gebühren für Porto, Kopien und Formulare - Aufwendungen, die die Stadtverwaltung Viersen finanziert. Sie erhält daher auch die Geldbeträge dafür.

(tre)
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