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Ausstellung in Viersen zu "Kaiser's"
Im Zeichen der lachenden Kaffeekanne

Viersen. Im Viersener Salon in der Villa Marx zeigt der Verein für Heimatpflege derzeit in einer Ausstellung, wie Kommerzienrat Josef Kaiser sein Unternehmen von Weltruf gründete und führte. Immer wieder bringen Viersener Erinnerungsstücke. Von Birgitta Ronge

Manchmal muss man Glück haben. Und Albert Pauly, Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege, hat im Augenblick viel Glück: Wöchentlich rufen Menschen bei ihm an, die für die aktuelle Ausstellung noch Dinge zur Verfügung stellen wollen. Vieles hat der Verein schon zusammengetragen, dennoch kommt es vor, dass Pauly plötzlich eine Rarität in der Hand hält. Und so freute er sich auch gestern, als die Schwestern Ursula und Marlene Hoff Sammelalben und Fotos vorbeibrachten, die Josef Kaiser und seine Geschäftsführung zeigen.

Der Verein für Heimatpflege präsentiert derzeit im Viersener Salon in der Villa Marx die Ausstellung "Kaiser's Kaffee - Vom Kolonialwarenladen zur Weltfirma". Noch bis Ende April sind dort viele Exponate zu sehen, die an den Aufstieg des Unternehmens, an Josef Kaiser und sein Wirken in Viersen erinnern.

Josef Kaiser wurde 1862 geboren, sein Vater Hermann Kaiser, ein Leineweber, und seine Mutter Gertrud führten ein kleines Kolonialwarengeschäft in Hoser. Als Josef Kaiser gerade 18 Jahre alt war, übernahm er mit Geschwistern den Laden der Eltern. Und von da an ging es bergauf: Hatte zuvor noch jede Hausfrau daheim selbst die frischen Bohnen rösten müssen, ging sie nun in den Laden, in dem Josef Kaiser gerösteten Kaffee anbot. Das Geschäft florierte, Kaiser expandierte. 1885 schon eröffnete er weitere Filialen in Duisburg, Essen und Bochum. Die Zahl der Filialen wuchs immer weiter: 1897 gab es schon 100, im Jahr 1900 waren es 542, im Jahr 1905 insgesamt 1000. Den Höhepunkt verzeichnete das Unternehmen im Jahr 1939, als 1653 Filialen zum Kaiser's-Kaffee-Geschäft gehörten, sowie 250 weitere in der Schweiz, in Oberschlesien und Westpreußen.

In der Ausstellung hängt eine Karte an der Wand, auf der die Standorte verzeichnet sind. Dazu hat die Historikerin Britta Spies, Kuratorin der Ausstellung, einige Fotos verschiedener Filialen gehängt - darunter ein Foto einer Filiale an der Hauptstraße in Viersen. Die Filialen sehen fast gleich aus. Das war Josef Kaiser wichtig: "Jede Woche gab es Anweisungen, wie das Schaufenster dekoriert werden musste", berichtet Spies. Revisoren reisten durchs Land, besuchten die Filialen und erstatteten Bericht. "Alles musste perfekt präsentiert werden", so Spies. Bei den Behörden sorgte das wachsende Filialnetz zunächst für Kopfzerbrechen. Denn damals war es üblich, dass ein Geschäft vom Inhaber geführt wurde. Die Steuer, die er zahlen musste, floss in die Kasse der Gemeinde, in der er sein Geschäft führte. Wo sollte Kaiser nun also die Steuer abführen für all die Filialen? Anfangs floss das Geld nach Viersen, dann entwickelte man ein System, um die Steuer an dem Ort abzuführen, an dem die Filiale war.

Kaiser setzte früh auf Kundenbindung. Es gab Sammelalben, in die Kunden Bilder kleben konnten - Beispiele sind im Salon zu sehen. Für die Kinder der Kundinnen gab es Spielzeug, natürlich mit dem Logo, der lachenden Kaffeekanne. Und es gab Rabattmarken. Hatte die Kundin fleißig gesammelt, erhielt sie ein Geschirrteil, etwa einen Teller, eine Tasse, eine Butterdose. Ab 1928 gab es bei Kaiser's Porzellan für die Markenhefte - und weil man damals ein zwölfteiliges Service im Schrank hatte, mussten die Kundinnen lange sammeln (und bei Kaiser's kaufen), bis das Service komplett war. Und sie kauften nicht nur Kaffee: Mit der Zeit wuchs der Anteil der selbst hergestellten Produkte, Kaiser bot auch Kakao, Zucker, Pralinen, Tee und Backwaren an. Dafür errichtete er Fabriken, etwa die Schokoladenfabrik in Viersen. Bilder der Fabriken wurden auf Postkarten, Plakate und Klebemarken gedruckt. "Er spielte auf der ganzen Klaviatur des Werbemanagements", erklärt Spies. So kaufte Kaiser in Düsseldorf die Druckerei Quack & Fischer, die nach Viersen zog und für Kaiser die Reklame gestaltete.

In der Ausstellung ist auch dokumentiert, wie der Unternehmer seine Angestellten versorgte: 1897 etwa gründete er eine Betriebskrankenkasse. Seine Frau Julie, geborene Didden, rief 1910 eine Stiftung für Wöchnerinnen ins Leben. 1932 ernannte die Stadt Josef Kaiser zum Ehrenbürger. Josef Kaiser starb 1950 in Haus Clee in Waldniel, das er 1911 gekauft hatte. Zeugnisse seines Wirkens sind erhalten geblieben. Ein repräsentativer Teil davon ist nun noch bis Ende April im Viersener Salon zu sehen.

Quelle: RP
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