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Viersen
Immer mehr Jugendliche spielsüchtig

Viersen: Immer mehr Jugendliche spielsüchtig
Dietmar Lufen (l.) und Ilse Hennerkes von der Suchtberatungsstelle Kontakt - Rat - Hilfe in Viersen stellten sich wie Franz-Peter Steeger als Ansprechpartner am Telefon zur Verfügung. Anlass war der Aktionstag Glücksspielsucht. FOTO: busch
Viersen. Rund zehn Prozent der Menschen, die zur Suchtberatung in Viersen gehen, sind abhängig vom Glücksspiel. Auffällig: Viele Glücksspielsüchtige sind jünger als 20 Jahre. Besonders beliebt bei ihnen sind Sportwetten Von Daniela Buschkamp

Mehr als tausend Menschen kamen im vergangenen Jahr zur Suchtberatung in Viersen, darunter rund 70 Glückspielabhängige und 20 Angehörige. "Die Zahl der Ratsuchenden ist konstant hoch", sagen Dietmar Lufen, Leiter des Fachbereichs Prävention, und Ilse Hennerkes von der Suchtberatung Kontakt - Rat - Hilfe. Hennerkes hat eine neue Entwicklung festgestellt: "Immer mehr junge Menschen sind betroffen."

Wer etwa keine Ausbildung habe, gelangweilt sei, entdecke die Spielhalle als Abwechslung. "Gerade bei Fußballerspielern sind Sportwetten beliebt. Sie meinen, dass sie sich auskennen, wollen das System überlisten", schildert Hennerkes. Doch Glücksspiel bringe nie Glück, im Gegenteil, sagt Dietmar Lufen: "Die Angehörigen leiden oft am meisten." Gerade wenn minderjährige Kinder betroffen sind, versuchen die Suchtberater, diese Spirale der Abhängigkeit zu durchbrechen.

Kein einfacher und kein schneller Weg. Denn oft lebt der Spieler ein Doppelleben und versucht, seine Abhängigkeit vor anderen und auch vor sich selbst zu verbergen. "Auch machen Angehörige oft aus Furcht und Scham dieses Versteckspiel mit", berichtet Dietmar Lufen. Deshalb sei es bei einer Therapie wichtig, dass nicht nur der Spieler selbst, sondern auch seine Familie Hilfe annehme. "Wir sind froh, wenn ein Klient seine Familie zur ersten Beratung mitbringt", sagt Lufen.

Auf die Abhängigkeit vom Sportwetten, Automaten und Spielkarten folgt oft die Bedrohung der Existenz: Die Miete wird verspielt, Freunde werden um Geld gebeten, immer mehr Schulden werden angehäuft, Mahnungen werden ungeöffnet versteckt - oft führt der Weg der Spielsüchtigen auch zur Schuldner- und Insolvenzberatung. Die Erfahrung von Franz-Peter Steeger, seit 1999 Schuldnerberater: "Viele Klienten kommen zu spät zu uns. Sie melden sich erst dann, wenn ihnen der Strom abgedreht werden soll oder wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht."

Was Steeger und seine vier Kollegen von der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbands dann tun können: "Zuerst verschaffen uns einen Überblick über die finanzielle Situation des Ratsuchenden: Wie hoch ist der Schuldenstand? Wie viele Gläubiger gibt es? Können noch Vergleiche ausgehandelt werden?" Um den Schuldenberg abbauen zu können, muss man wissen, wie hoch dieser Berg ist. Für die Klienten ist dies oft der entscheidende erste Schritte: "Sie müssen sich ihrer Situation stellen", sagt Franz-Peter Steeger. Oft bleibe als Ausweg die Privatinsolvenz.

Sich den Problemen stellen, aus der passiven Rolle wieder in einen aktiven Part finden: So beginnt auch in der Suchtberatung der Weg aus der Abhängigkeit: "Wir können Therapiemöglichkeiten vermitteln, kümmern uns auch nach der Klinik um die Abhängigen", sagt Dietmar Lufen. Einen Rückfall auszuschließen, sei unrealistisch: Entscheidend sei, dass auch danach die Therapie fortgesetzt werde.

Quelle: RP
 
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