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Brüggen
In Brüggen trifft das Schaf auf Holz

Brüggen: In Brüggen trifft das Schaf auf Holz
Gastgeberin Claudia Holthausen (li.) freut sich auf den ersten Abend der Reihe "Schaf trifft ..." mit Roswitha Gärtner-Körfer. Die Holzbildhauerin zeigt dann unter anderem Ornamente und erklärt, wie Bildhauer sie fertigen. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Brüggen. Unter dem Motto "Schaf trifft ..." lädt das "M-ä-hhh-Werk" zu einer neuen Veranstaltungsreihe ein. Künstler und Kunsthandwerker zeigen in dem Lädchen ihre Arbeiten. Besucher erfahren, wie die Werke entstehen Von Birgitta Ronge

Im Alter von 41 Jahren machte Roswitha Gärtner-Körfer ihrem Jugendtraum wahr und ihre Leidenschaft zum Beruf: 1993 begann sie eine Ausbildung zur Holzbildhauerin an der Schnitzschule Empfertshausen in Thüringen. Sie war begeistert, wollte mehr wissen über die Fertigkeiten der Holzbildhauer und Künstler vergangener Zeiten, und studierte nach der Ausbildung auch noch Kunstgeschichte in Düsseldorf. Nun ist die ehemalige Steuerberaterin Kunsthistorikerin und Holzbildhauerin. Im Boerholzer "M-ä-hhh-Werk" in Brüggen wird sie am Dienstag, 26. April, Besuchern erklären, wie Holzbildhauer früher arbeiteten und heute arbeiten. Und sie wird eigene Skulpturen zeigen. Denn heute ist die Brüggenerin vor allem Künstlerin.

Mit dem Blick auf den Werkstoff Holz beginnt am 26. April in dem kleinen Laden eine neue Veranstaltungsreihe, die unter dem Titel "Schaf trifft ..." steht. Inhaberin Claudia Holthausen, die nicht nur Wolle verkauft, sondern Strickenden, Häkelnden, Filzenden und Spinnenden auch den Raum zum Austausch bietet, möchte mit dem Angebot Künstlern und Kunsthandwerkern die Möglichkeit geben, ihre Arbeiten zu präsentieren - und Besuchern zu zeigen und zu erklären, wie sie entstehen.

Auf Gärtner-Körfer folgen an weiteren Abenden Christiane Gerlach aus Brüggen-Alst ("Schaf trifft Schmuck"), Karl-Hans Weber aus Dülken ("Schaf trifft Laubsäge"), Elvira Schütjens aus Tegelen ("Schaf trifft Filz") und die Senfmanufaktur Dülken ("Schaf trifft Scharf").

Roswitha Gärtner-Körfer gestaltet Skulpturen aus Holz und anderen Materialien, die eine Geschichte haben. Schwemmholz von der Maas, alte Backsteine, die sie am Strand von Rügen fand, Eichenbalken vom Dachstuhl, ein Stück verrosteter Stacheldraht oder ein Stück Holz, an dem Fraßspuren von Käfern zu sehen sind - Dinge wie diese sammelt sie und gestaltet daraus Objekte. Die Vielfalt des Werkstoffes Holz begeistert sie: "Die Farben, die Maserung, auch die Gerüche sind typisch für verschiedene Holzarten", sagt Gärtner-Körfer. Der "Zahn der Zeit" tut sein Übriges dazu: "Holz in einem bestimmten Zustand des Verwesungsprozesses fasziniert mich", sagt die Brüggenerin. "Mitunter sorgen Pilze für verschiedene Farben, und durch Schädlinge entsteht eine ganz eigene Oberflächenstruktur."

Aus einem Stück Mimosenholz hat sie zwei Figuren gestaltet, die auf Glasscherben stehen. Ein Mann, eine Frau. Sie scheinen aus einem Wasserbecken emporzusteigen. Für die Körper hat sie sich die Wuchsform des Holzes zunutze gemacht, es nicht begradigt. Allein Köpfe und Schultern bearbeitete die Holzbildhauerin und verlieh ihnen zarte Züge. Wer hinschaut, erkennt im Holz Beine, Arme, Hände.

Die Oberfläche erinnert mit ihren Farbwechseln, der Maserung, den Fraßspuren der Käfer daran, dass dieses Stück Holz eine Geschichte hat. Den Figuren hat Gärtner-Körfer eine neue Geschichte geschenkt: Unter den Glasscherben sind kleine Kontaktanzeigen zu sehen, die Frau trägt eine winzige Rose, Erkennungszeichen beim ersten Date.

Altes Holz sei für viele Menschen ein Wegwerfmaterial, sagt Gärtner-Körfer. Auf ein Stück Schwemmholz am Ufer achte niemand. Hat die Künstlerin es aber entdeckt, findet es Beachtung. Die Brüggenerin erklärt: "Ich gestalte in Verbindung mit altem Holz Objekte, um die Schönheit des Materials zu zeigen. Und um dem alten Holz neues Leben einzuhauchen."

Quelle: RP
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