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Brüggen
In den Köpfen gibt es noch viele Grenzen

Brüggen: In den Köpfen gibt es noch viele Grenzen
So nah und doch so fern: Oft sei es leichter, Geschäfte mit Südeuropa anzubahnen, als mit den niederländischen Nachbarn, sagt Brüggens Wirtschaftsförderer Guido Schmidt. FOTO: Goettert
Brüggen. Beim "Open Coffee" in Brüggen treffen sich Geschäftsleute vom Niederrhein und aus den Niederlanden zum Kennenlernen und Netzwerken. Die unterschiedliche Mentalität und Kultur der Länder wird häufig unterschätzt Von Birgit Sroka

Seit fünf Jahren treffen sich Unternehmer, Selbstständige und Geschäftsleute am zweiten Mittwoch im Monat, um bei einer Tasse Kaffee Kontakte zu knüpfen. Sponsor des Kaffees ist jedes Mal eine andere Firma, die vorgestellt wird. Mittlerweile finden die Treffen im Brüggener Innovations- und Gründerzentrum (BIG) in Bracht statt. Regelmäßig sind Geschäftsleute aus den Niederlanden dabei. Gerade das bietet Potenzial, Geschäfte anzubahnen. Die Treffen finden unter dem Namen "Open Coffee Niederrhein" statt. Kooperationspartner des "Open Coffee" sind die Gemeinde Brüggen, die IHK Mittlerer Niederrhein mit Wolfram Lasseur und Jörg Raspe, die niederländische Firma Best Web Solutions von Ep und Annie Leenders und die Standort Niederrhein GmbH.

"Initiator war die Gemeinde Brüggen. Dann haben wir bewusst Partner hinzugeholt und uns von ,Open Coffee Brüggen' in ,Open Coffee Niederrhein' umbenannt", erklärt Guido Schmidt, Wirtschaftsförderer der Burggemeinde. Jetzt trafen sich die "Open-Coffee"-Partner und René Jansen, 6P Consultancy, zur Bestandsaufnahme in Brüggen. Jansen ist Coach. Er berät Firmen, um mit Erfolg und Freude der Mitarbeiter an ihrer Arbeit größtmöglichen wirtschaftlichen Erfolg zu schaffen. Die Geschäftsleute sprachen über die unterschiedlichen Mentalitäten von Deutschen und Niederländern, die sich - neben unterschiedlichen Rechtsgrundlagen - ebenfalls auf die Geschäftswelt auswirken.

"Die Teilnehmer melden sich an und erhalten eine Teilnehmerliste. So kann ich im Vorfeld überlegen, mit wem ich sprechen möchte. Alle Teilnehmer erhalten Namensschilder, so dass man sieht, welche Gesprächspartner man vor sich hat", sagt Wolfram Lasseur von der IHK.

In den Niederlanden laufe das anders ab. Dort gebe es keine Namensschilder. "Es geht um das Gefühl", sagt René Jansen. "Wenn ich für einen Gesprächspartner Sympathie entwickle, dann tausche ich mich aus." Leenders ergänzt: "Es geschieht ohne die Absicht, ein Geschäft anzubahnen, eine einfache Unterhaltung. Und dann wird überlegt, mit wem ich die Person vernetzen könnte."

Lasseur weiß, dass Deutsche die Vorgehensweise nicht verstehen. "Sie denken dann, warum soll ich da hingehen, wenn ich nicht weiß, wer alles da ist. Wir versuchen zu verdeutlichen, was Vernetzung bedeutet." Die Grenze sei immer noch zu stark in den Köpfen der Menschen, finden Schmidt, Lasseur, Jansen und Leenders. Es würden eher mit dem Osten oder Südeuropa Geschäfte gemacht, als mit den niederländischen Nachbarn zehn Kilometer weiter.

"Unsere Intention ist es, Deutsche und Niederländer zusammen zu bringen und die andere Mentalität und andere Ansätze zu sehen", sagt Schmidt. "Deutsche sind rationaler, Niederländer emotionaler", sagt René Jansen. "In Deutschland muss alles bestätigt und unterschrieben werden. Das läuft in Holland anders." Da kann es auch mal sein, dass sich bei einem Geschäftstermin ein deutscher Chef nicht mit dem Chef eines niederländischen Unternehmens unterhält, sondern mit dem Sachbearbeiter, weil der mehr im Thema ist als der Chef.

Leenders hat eine Analyse angefertigt, bei der die Unterschiede zwischen den Ländern in der Kommunikation deutlich werden. "Wenn Sie mit einer typisch deutschen Website in den Niederlanden Menschen ansprechen wollen, dann haben Sie da keinen Erfolg", sagt Leenders. "Für niederländische Bürger muss Werbung anders aufgezogen werden." Auch hat er oft die Erfahrung gemacht, dass die Deutsch sprechenden Niederländer zwar verstehen, was ihr Gesprächspartner sagt, dennoch nicht wissen, was gemeint ist. Er hat Menschen beim "Open Coffee" kennengelernt, durch die er jetzt ein Euregioprojekt im Bereich Tourismus entwickelt.

Alle haben gute Erfahrungen beim "Open Coffee": Ob es nun die Vermittlung eines Facharbeiters in die Niederlande war oder ein neuer Kontakt zu einem türkischen Kunden. Pro Treffen sind rund 40 Teilnehmer dabei. "Da werden deutsche Handwerker eingeladen, um niederländische Architekten kennenzulernen", sagt Lasseur. Leider würden Brüggener Unternehmen selten am "Open Coffee" teilnehmen, bedauert Guido Schmidt.

Quelle: RP
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