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Viersen
Inklusion ist für beide eine Selbstverständlichkeit

Viersen. Hanna und Christian Andreae aus Viersen erhielten jetzt im Kreishaus das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Eine ganz besondere Auszeichnung erhielten jetzt Hanna und Christian Andreae aus der Hand von Dr. Andreas Coenen. Der Landrat überreichte dem Viersener Ehepaar das Bundesverdienstkreuz am Bande, das der Bundespräsident den beiden für ihren Einsatz um die Inklusion verliehen hatte.

"Sie haben das Thema ,Leben mit einer geistigen Behinderung' in die öffentliche Diskussion eingebracht. Umso bemerkenswerter ist dies, wenn man den gesellschaftlichen Rahmen betrachtet. Sie taten dies in einer Zeit, als Inklusion noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen war", hob Coenen in seiner Laudatio hervor.

Das Ehepaar Andreae startete seinen Einsatz mit der Geburt des ersten Sohnes Philipp, der 1958 mit dem Down-Syndrom geboren wurde. Die beiden beschränkten ihr Engagement nicht allein auf den Familienkreis, sondern für alle Menschen mit einer Beeinträchtigung. Hanna Andreae gründete mit einigen Weggefährten 1967 die "Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung im Kreis Viersen", wie die heutige Lebenshilfe Kreis Viersen damals hieß. Den Verein gab es zwar schon in anderen Regionen, aber in Viersen hatte er noch nicht Fuß gefasst.

Coenen erinnerte daran, dass der Umgang mit geistig behinderten Menschen in den 60er Jahren nicht den Standards entsprach, die es heutzutage gibt. Alles steckte vielmehr noch in den Kinderschuhen. "Es ist auch ihr Verdienst, dass die Arbeit mit geistig Behinderten in all den Jahren ein anderes Niveau annahm. Vorbild war sozusagen ihr Familienleben. Philipp war immer mittendrin, es gab einen natürlichen Umgang mit seiner Behinderung", lobte der Landrat.

Durch die Ideen und Anregungen von Hanna Andreae entwickelte sich der Verein. Dazu kam das strategische Geschick sowie das finanzpolitische Verständnis von Christian Andreae, dem es zu verdanken ist, dass es heute die "Stiftung Lebenshilfe im Kreis Viersen" gibt. Wobei er selber über zwei Jahrzehnte der Vorsitzende des Kuratoriums war. Coenen sprach von "Herzblut und Eifer" und erinnerte daran, dass es dem Lebenswerk der Andreae geschuldet ist, dass der Verein heute rund 700 Mitglieder hat, bevor er die Urkunden überreichte und die Auszeichnungen ansteckte. Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller schloss sich den Gratulationen an. "Kinder mit Handicap wurden einst als Sorgenkinder bezeichnet. Sie haben dazu beigetragen, dass sich diese Haltung geändert hat", betonte Anemüller.

Hanna und Christian Andreae zeigten sich sichtlich ergriffen. "Für uns war es kein Verdienst. Für uns war es aus dem Leben geboren. Es war selbstverständlich und hat uns viel Freude gemacht und unser Leben sehr bereichert", bemerkte der 89-Jährige. Wurden Menschen mit Behinderung früher schief angeguckt und von der Gesellschaft nicht akzeptiert, so ist das heute nicht mehr. Diese Akzeptanz ist es, zu der Hanna und Christian Andreae ein großes Stück beigetragen haben.

Wie selbstverständlich das gemeinsame Leben in der Familie war, hob Felix Andreae, das jüngste der insgesamt vier Kinder des Ehepaares nochmals hervor: "Die Behinderung von Philipp war nie ein Thema. Wir sind damit groß geworden und die Lebenshilfe war wie eine große Familie für uns."

(tre)
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