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Viersen
Islamismus-Verdacht: St. Töniser in U-Haft

Viersen: Islamismus-Verdacht: St. Töniser in U-Haft
Am 8. November durchsuchte die Polizei die Wohnung des Salafisten Abu Walaa an der Gelderner Straße. Ob er in Verbindung zum jetzt festgenommenen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes aus St. Tönis stand, ist unklar. FOTO: JUNGMANN
Viersen. Der 51-jährige mutmaßliche Islamist, der seit April 2016 Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz war, hat in St. Tönis gelebt und bis Januar in einer Bank in Krefeld gearbeitet. Vor zwei Jahren soll er zum Islam konvertiert sein Von Heribert Brinkmann

Die Spuren des festgenommenen Mitarbeiters des Verfassungsschutzes führen nach Tönisvorst. Der 51-jährige Mann war aufgeflogen, weil er im Internet mit einem vermeintlichen Islamisten chattete, der selbst Mitarbeiter des Verfassungsschutzes war. Wie die Oberstaatsanwaltschaft Düsseldorf bestätigte, ist der Tönisvorster in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, der versuchten Verletzung von Dienstgeheimnissen und des Sich-Bereiterklärens zur Begehung eines Verbrechens. Der Beschuldigte ist seit April 2016 als Quereinsteiger beim Bundesamt für Verfassungsschutz beschäftigt und war dort mit der Beobachtung der gewaltbereiten salafistischen Szene betraut.

Nach Recherchen von "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR soll der Mann vor etwa zwei Jahren zum Islam konvertiert sein. Am 8. November hatte die Polizei bei Razzien mehrere Häuser in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen durchsucht, darunter auch ein Haus des Salafisten-Predigers Abu Walaa an der Gelderner Straße in St. Tönis. Abu Walaa wurde allerdings in der Nähe von Hildesheim festgenommen. Kurz nach dessen Verhaftung soll der Tönisvorster Mitarbeiter des Verfassungsschutzes aufgefallen sein, weil er islamistische Parolen im Netz postete. Nach Informationen unserer Redaktion war der Festgenommene gelernter Bankkaufmann und soll in einer Krefelder Bank eine leitende Position innegehabt haben. Der Familienvater soll sich sozial und schulisch in einer Elternpflegschaft engagiert haben. Seinen Job bei der Bank hat der Beschuldigte im Januar aufgekündigt und sich dann beim Verfassungsschutz in Köln beworben. Wegen einer Umstrukturierung seiner Bank suche er neue Herausforderung, soll er laut "Süddeutsche Zeitung" bei seinem Bewerbungsgespräch im Frühjahr gesagt haben. Der Bewerber durchläuft ein Verfahren von Sicherheitsüberprüfungen der höchsten Stufe drei (Ü3). Dabei werden Auskünfte von Referenzpersonen eingeholt, die Verwandten müssen aufgezählt werden, der Bewerber wird zu seinem Lebenslauf befragt. Außerdem wird nach kompromittierenden Dingen gesucht, um auszuschließen, dass der Mitarbeiter wegen seines Lebenswandels erpressbar sein könnte. Wie der amerikanische Sender CNN und die Washington Post auf ihrer Internetseite berichten, soll ein Pornofilm aufgetaucht sein, bei dem der Mitarbeiter als Akteur beteiligt gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten konkret vor, sich im Internet gegenüber einem Chatpartner als Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz offenbart zu haben. Außerdem soll er Anlässe und Orte von Einsätzen verraten haben. Weiterhin soll er beim Chatten den Vorschlag gemacht haben, Gleichgesinnten Zugang zum Bundesamt für Verfassungsschutz zu ermöglichen, um dort eine Gewalttat gegen "Ungläubige" zu begehen. Dies sei "sicher im Sinne Allahs", er jedenfalls sei "zu allem bereit, um den Brüdern zu helfen". Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe hat der Beschuldigte, so die Staatsanwaltschaft, in einer Vernehmung eingeräumt.

Die ersten Nachrichten über den Zusammenhang der Festnahme mit Tönisvorst waren gestern vor Ort Gesprächsstoff. Während der Marktstunden hätten zwei Fernsehteams Passanten befragt. Ehemalige Kollegen beschreiben ihn still und nett, auf jeden Fall eher unauffällig.

Quelle: RP
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