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Viersen
Großartiges Spektakel in der Festhalle

Das war das Viersener Jazz Festival 2015
Das war das Viersener Jazz Festival 2015 FOTO: Andreas Döring
Viersen. Stilistisch gemischt, doch glänzend aufgelegt präsentierten sich die Musiker beim Internationalen Jazzfestival in Viersen. Von Birgitta Ronge

Die Türen der ehrwürdigen Festhalle erzitterten, als Nigel Kennedy auf Johann Sebastian Bach Jimi Hendrix folgen ließ. Mit Geiger Kennedy und seiner Band erlebten die Besucher des 29. Internationalen Jazzfestivals in Viersen am Samstagabend eine furiose Show, die damit endete, dass die Zuhörer johlend und trampelnd um eine Zugabe bettelten. Trompeter Nils Wülker hatte zuvor für ein großartiges Warm-Up gesorgt, und so blickte man am Samstagabend im Publikum in glückliche, entspannte Gesichter. Das war am Freitagabend noch anders gewesen: Da hatte die WDR Big Band mit Klarinettist David Krakauer zunächst das Publikum auf der großen Bühne begeistert, bevor Schauspielerin und Sängerin Meret Becker auf die Bühne kam und melancholische Songs präsentierte.

Viele Besucher beschlossen nach kurzer Zeit, den Konzertort zu wechseln - woraufhin Schlagzeuger Wolfgang Haffner, der als "Artist in Residence" die zweite Bühne bespielte, plötzlich deutlich mehr Publikum hatte, das gebannt das Geschehen im - mal wieder viel zu kleinen - kleinen Saal verfolgte.

Wie nicht anders zu erwarten, gab es auf den Fluren Diskussionen, die das Festival seit Jahren begleiten: Was darf man für ein Jazzfestival ins Programm nehmen, was gehört dort nicht hin? Hätte man Haffner auf der großen Bühne und Becker im kleinen Saal spielen lassen müssen? Hätte man erst Becker und dann die Big Band auftreten lassen sollen? Mit Fragen wie diesen wurde das Festivalorganisationsteam auch in diesem Jahr konfrontiert - nachdem in den vergangenen Jahren schon die Auftritte von Max Mutzke, Lukas Graham und Stefanie Heinzmann für Diskussionen gesorgt hatten.

Diesen Fragen stellen sich die Organisatoren inzwischen ganz entspannt. Ihm sei klar gewesen, dass der Bruch zwischen der WDR Big Band zu Beginn und der darauf folgenden Meret Becker groß sei, stellt Festivalorganisator Tobias Kremer fest, "aber ich hätte nicht gedacht, dass sie so stark polarisieren würde". Doch damit könne er gut leben. Die Frage, ob beispielsweise ein bisschen Pop auf einem Jazzfestival zulässig sei, halten Kremer und Kulturabteilungsleiterin Brigitte Baggen für eine Viersener Spezialität. Bei anderen Jazzfestivals sei es längst gang und gäbe, dass man da offener sei - und auch gar nicht darüber diskutiere. Beim renommierten Jazzfestival in Montreux habe er schon Simply Red, Jamiroquai und Herbert Grönemeyer gesehen, erzählt Kremer, der klar macht: "Was Jazz immer schon ausgemacht hat, ist die stilistische Bandbreite." Er betont: "Uns geht es darum, das Festival zu öffnen und die Generationen zu vereinen."

Mit Blick auf die Programmgestaltung beim Festival wünscht sich Kremer mehr Toleranz: "Dieses verbissene Auf-die-Stilistik-gucken ist eigentlich total unjazzig." Ohnehin stellten sich die Musiker selbst diese Fragen gar nicht. Er verweist auf Trompeter Nils Wülker: "Er macht das, was er will. Er scheut die Moderne und die Berührung mit der Popmusik nicht." Wülkers Bassist Edward Maclean sei auch mit Peter Fox unterwegs. "Für die Musiker", sagt Kremer, "ist das völlig normal". Baggens Fazit daher: "Uns und den Musikern stellt sich die Frage nicht, weil sie außerhalb von Viersen gar nicht geführt wird."

Setzen die Organisatoren ihren Kurs fort, wird sich vielleicht auch das Publikum daran gewöhnen, dass die Festhalle beim Jazzfestival ein offenes Haus ist, in dem verschiedene Musikstile ihren Platz und ihre Berechtigung haben. Ein Kurswechsel ist unwahrscheinlich, schließlich "haben wir uns ganz schön durchboxen müssen, um unser Konzept durchzukriegen", meint Baggen. Beide, Baggen wie Kremer, sind mit dem Festivalverlauf rundum zufrieden. "Ich habe das Gefühl, dass wir mit den Veränderungen der letzten Jahre endlich angekommen sind", sagt Kremer, der seit zehn Jahren das Festival organisatorisch leitet. Auch Baggen ist begeistert: "Wir hatten noch nie so viele Besucher", sagt sie und zählt auf: Am Freitag kamen 1428 Gäste in die Festhalle, am Samstag 981. Bei den "Junior's Jazz Open" feierten am Sonntag rund 600 kleine und große Besucher eine fetzige Party mit Herrn Hering, Frau Gerburg und Jazzband, Suli Puschban sowie der Kinderrockband "Pelemele".

Nun beginnt die Planung für das Festival, das im kommenden Jahr seinen 30. Geburtstag feiert. Ob dann wieder über die Auswahl der Künstler diskutiert wird, wird sich zeigen. Eine Diskussion jedenfalls, die das Festival seit Jahren begleitet, ist ad acta gelegt: die Frage nach der Finanzierung. Für die Sponsoren haben Sparkassenstiftung und NEW ihre Unterstützung zugesichert, und das Budget, mit dem die Organisatoren arbeiten können, ist zwar nicht größer geworden, aber in den vergangenen zehn Jahren doch zumindest gleich geblieben.

Quelle: RP
 
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