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Viersen
Ein gefeierter Star auf der Geige

Ein gefeierter Star auf der Geige
Ein gefeierter Star auf der Geige FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Nigel Kennedy lässt sich in keine Schublade zwängen. Er spielt die Musik, die ihm etwas bedeutet.

Nigel Kennedy war als Star des diesjährigen Jazzfestivals angekündigt worden. Dem Viersener Publikum ist er durch sein Konzert 2008 in der Festhalle bekannt. Die Erwartungen an sein Konzert waren somit groß, und entsprechend groß war das Interesse beim Publikum, das sich eine gute Viertelstunde gedulden musste, bevor ein Bach-Präludium erklang, mit welchem Kennedy durch den Saal auf die Bühne kam und völlig ohne Berührungsängste die Besucher begrüßte. Tosenden Beifall bekam er für eine grandios musizierte Air von Johann Sebastian Bach. Dessen Musik gehört eh zu seinen Leidenschaften und die hat er internalisiert - wunderbar die Bögen, die organische Phrasierung, das tiefe Verständnis der Bach'schen Ideen und die traumhafte Umsetzung in technischer Perfektion.

Seine Band stellte er mit kleinen Geschichten vor, was sehr entspannt und sympathisch rüberkam. Kennedy lässt sich mit diesem Projekt in keine Schublade zwängen. Er spielt die Musik, die ihm etwas bedeutet und die auf diese Weise seine verschiedensten Erfahrungen spiegelt. In ein Bach'sches Thema kann dann auch mal ein Popsong, eine Filmmusik oder ein Beethovenmotiv geraten - es bereitet ihm und seinen Musikern sichtlich ein großes Vergnügen, diesen von spontanen Einfällen geprägten musikalischen Spagat zu vollziehen. Konventionen - nein danke!

Das war das Viersener Jazz Festival 2015 FOTO: Andreas Döring

Das Publikum nahm Kennedy einfach mit - sein Humor, seine Begeisterung und natürlich seine geigerische Extraklasse verzauberten und wirkten ansteckend. Bei einer Jimi-Hendrix-Session waren die Gehörschutzbesitzer klar im Vorteil. Da ging es schon richtig zur Sache, obwohl die Band energetisch ohnehin sehr gut aufgestellt war.

Der Parforceritt durch die Musikstile ging ungebremst weiter: Da folgten ohne Problem auf eine Fusionnummer osteuropäisch inspirierte Themen oder ein Set mit irischen Tänzen - Reels in hohem Tempo, welches Kennedy aber immer weiter forcierte.

Geiger Nigel Kennedy präsentierte einen Parforceritt durch die Musikstile. Tosenden Beifall gab es für eine grandios musizierte Air von Bach, bei einer Jimi-Hendrix-Session ging es richtig zur Sache, und "Danny Boy" spielte Kennedy wunderbar inspiriert und voller Gefühl. FOTO: Franz-Heinrich Busch

Eine Reminiszenz an 2008 gab es dann mit einer einfachen Melodie: "Danny Boy" spielte er wunderbar inspiriert und voller Gefühl. Am Ende kehrte er zu Bach zurück, ganz allein, nur die unverstärkte Geige vor einem Saal, in dem es sofort mucksmäuschenstill wurde. Ganz gleich ob Jazzfan oder nicht - es war ein alle berührender Moment nach einem fulminanten Auftritt. Tosender Applaus folgte, der Star auf der Geige wurde nur noch gefeiert.

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