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Wer macht was im Brüggener Rathaus?
Jeder Tag bringt Ordnungswidrigkeiten

Wer macht was im Brüggener Rathaus?: Jeder Tag bringt Ordnungswidrigkeiten
Wer hat denn da so viele Kartons rund um den Papiercontainer abgeladen? Beschweren sich Bürger beim Ordnungsamt über den Müll, gucken Christopher Gehlmann und seine Kollegen, ob sie den Verursacher ausfindig machen können. FOTO: Busch
Viersen. Christopher Gehlmann hat die aufregendste Stelle in der Verwaltung. Das findet der 28-Jährige jedenfalls selbst. Beim Ordnungsamt kümmert er sich um viele Ärgernisse - um Hundekot, laute Partys zu später Stunde und überfüllte Container. Von Birgitta Ronge

Es kann sein, dass heute irgendwo in Brüggen ein Hund wegläuft. Es kann auch sein, dass der Hund von jemandem gefunden wird, der nicht weiß, was er mit dem Tier machen soll. Wen ruft er an? Das Tierheim in Lobberich? Die Feuerwehr? Die Polizei? Eine Nachbarin, die Hunde mag? "Die Polizei", sagt Christopher Gehlmann.

"Die Leitstelle der Polizei leitet den Anruf auf unser Handy weiter. Und das zu jeder Uhrzeit - auch nachts, auch am Wochenende." Es sei wichtig, dass sich Leute dann meldeten, sagt Gehlmann: "Der ordnungsbehördliche Bereitschaftsdienst für Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal ist für Notfälle da. Wenn irgendwo ein freilaufender Hund gesichtet wird, ist das so ein Notfall. Der Hund könnte auf die Straße laufen, das ist gefährlich."

Gehlmann arbeitet seit einem Jahr beim Ordnungsamt in Brüggen. Vorher war der Verwaltungsfachwirt beim Bürgerservice der Burggemeinde beschäftigt. Seine Ausbildung absolvierte er bei der Stadt Willich. Die Stelle im Ordnungsamt ist "die aufregendste Stelle in der Verwaltung", findet Gehlmann - selbst wenn er nachts raus muss, weil er für das Ordnungsamt Bereitschaftsdienst hat und das Handy klingelt.

Den Bereitschaftsdienst teilt er sich mit Kollegen aus Schwalmtal und Niederkrüchten. Da kommt es vor, dass jemand einen Hund gefunden und die Polizei angerufen hat. Die leitet weiter zum Bereitschaftsdienst, und Gehlmann hofft dann, dass der Hund die Steuermarke am Halsband trägt. "Anhand der Steuernummer auf der Marke kann ich nachschauen, wer der Halter des Hundes ist", erklärt Gehlmann. Daher sei es wichtig, dass der Hund die Marke trage. Ansonsten muss ein Tierfänger raus, in Tierheim oder Tierpension wird dann die Chipnummer des Tieres ausgelesen. Ist der Hund mit dieser Chipnummer bei Tasso registriert, kann der Halter ermittelt werden. So ein Auslesegerät hat Gehlmann nicht. Er kann nur nach der Steuernummer gucken.

Viele Arbeitsstunden verwendet Gehlmann auf das Thema Hund. Dazu gehören Verstöße gegen das Landeshundegesetz - Halter größerer Rassen müssen beispielsweise einen Sachkundenachweis haben und eine Tierhalterhaftpflichtversicherung nachweisen.

Dazu gehört auch der immer wiederkehrende Ärger vieler Bürger über Hundekot in der Gemeinde. Beschweren sich Bürger beim Ordnungsamt über einen Hundehalter, der die Häufchen seines Hundes nicht entfernt, spricht das Ordnungsamt erst mal eine Verwarnung aus und weist darauf hin, dass das Häufchen aufgesammelt werden muss. Selten gebe es "Wiederholungstäter", sagt Gehlmann: "Es kommt vielleicht zehn Mal im Jahr vor, dass wir dann noch mal die Info bekommen, dass die Leute das immer noch liegen lassen. Dann gibt es ein Verwarnungsgeld."

Der Ärger der Bürger über Hundekot ist eine öffentlich-rechtliche Streitigkeit. Dafür sind Gehlmann und seine fünf Kollegen im Brüggener Ordnungsamt da. Um die Frage, wie hoch der Nachbar denn seine Hecke wachsen lassen darf und ob er sie nicht sowieso zu nah an die Grundstücksgrenze gesetzt hat, ist das Ordnungsamt nicht da. "Das ist eine privatrechtliche Angelegenheit", erklärt Gehlmann. "Dafür sind die Schiedsleute der Gemeinde da." Das sind Berthold Bauer für Brüggen und Michael Römer für Bracht. An die Schiedsleute verweist Gehlmann bei solchen Hecken-Streitigkeiten.

Ein Ärgernis für viele Bürger sind auch überfüllte Papiercontainer, neben denen Kartons, Pappen, auch Hausmüll abgelegt wird. Auch im Wald finden Spaziergänger oft Müll und rufen das Ordnungsamt an. "Wir gucken dann, ob wir einen Hinweis auf den Verursacher finden, und geben dem Bauhof Bescheid, die Sachen zu entsorgen", erklärt Gehlmann. Finde sich ein Hinweis auf den Verursacher - zum Beispiel durch einen Adressaufkleber auf einem Karton - werde das teuer: Der Verursacher muss für die Entsorgung bezahlen und zusätzlich ein Bußgeld entrichten.

Nicht zuletzt melden sich Bürger beim Ordnungsamt, die nicht schlafen können, weil irgendwo zu laut gefeiert wird. Dann guckt der Kollege, der Bereitschaftsdienst hat, nach, ob es sich um eine genehmigte Veranstaltung handelt. "Ist das der Fall und die Genehmigung ist bis zwei Uhr ausgestellt worden, kann man den Anrufern sagen, dass das bis zwei Uhr erlaubt ist", sagt Gehlmann. Das muss man dann hinnehmen. Anders ist das, wenn junge Leute zu später Stunde draußen feiern, trinken, grölen. Hat Gehlmann Bereitschaftsdienst, muss er hin und für Ruhe sorgen, wenn sich jemand beschwert. Dass er erst 28 Jahre alt ist, ist ein Vorteil, meint der Kaldenkirchener: "Ich kann verstehen, dass junge Leute feiern wollen. Ich kann aber auch verstehen, dass es Leute gibt, die das stört." Und meistens seien die Feiernden dann auch einsichtig, wenn er mit ihnen rede - und leise.

Quelle: RP
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