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Viersen
Jetzt prüft Kempen ein eigenes Archiv

Viersen: Jetzt prüft Kempen ein eigenes Archiv
Der Kreis Viersen verlässt die Burg. Das Kreisarchiv wird in einen Neubau in Viersen ziehen. Die Zukunft des Stadtarchivs Kempen ist offen. FOTO: Kaiser
Viersen. Der Kreistag hat entschieden: Das Kreisarchiv in Kempen wird aufgegeben, in Viersen wird neu gebaut. Nun überlegt Kempen, den Archivverbund zu verlassen. Die Zukunft der Burg ist noch unklar Von Birgitta Ronge und Andreas Reiners

Nach der Entscheidung des Viersener Stadtrates am Mittwochabend, das eigene Stadtarchiv in ein neues Kreisarchiv zu überführen, war die Entscheidung des Kreistages am Donnerstagabend absehbar. Von 51 stimmberichtigten Kreistagsmitgliedern stimmten in geheimer Abstimmung 44 dafür, ein neues zentrales Kreisarchiv zu bauen. Es gab zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. In einer weiteren geheimen Abstimmung votierten 29 Kreistagmitglieder für Verhandlungen des Kreises mit der Stadt Viersen und den Standort Viersen. 16 stimmten dagegen. Es gab sechs Enthaltungen.

Was bedeutet diese Entscheidung für Kempen? Die ehemalige Kreisstadt verliert die letzte vollwertige Kreiseinrichtung an die heutige Kreisstadt Viersen. Und da das Kreisarchiv seit 1984 das Archivgut des ehemals eigenständigen Kempener Stadtarchivs mit betreut, könnten die Kempener Archivalien bei einem Umzug nach Viersen ebenfalls die Thomasstadt verlassen. Das wollen Bürgermeister Volker Rübo und die Mitglieder des Stadtrates wenn möglich verhindern. Dazu soll es eine Untersuchung geben, wie das Stadtarchiv organisatorisch wieder aus dem Verbund mit dem Kreisarchiv herausgelöst werden kann und vor allem was ein eigenständiges Stadtarchiv kostet. Diese Frage sollte sobald wie möglich beantwortet werden. Fachlichen Rat kann die Stadt Kempen dabei unter anderem bei der Archivberatungsstelle des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) einholen. Dort sitzen Experten, die den Landrat bereits bei seinen Überlegungen zur Zukunft des Kreisarchivs beraten haben.

In Kempen muss der Blick jetzt nach vorne gerichtet werden. Es hilft nun kein Wehklagen und Jammern mehr darüber, dass der Landrat Kempen als Standort fürs neue Archiv nicht ernsthaft in Erwägung gezogen hat. Bürgermeister und Politik müssen sich allerdings die Kritik gefallen lassen, sich nicht frühzeitig ausdrücklich um das Archiv bemüht zu haben. Als im März der Stadtrat eine Resolution zum Archiv verabschiedete, waren bereits Viersen und Willich als ernsthafte Mitbewerber im Spiel. Kempen hätte ein attraktiveres Grundstück als die Fläche neben dem Bahnhof anbieten müssen. Doch dieses Thema ist nun für Kempen erledigt.

Viel wichtiger ist es jetzt, über die künftige Nutzung der Burg zu beraten und zu entscheiden. Zur nächsten Ratssitzung am 4. Oktober soll bereits die Untersuchung der Assmann-Gruppe vorliegen, ob es Sinn macht, die Burg vom Kreis zu übernehmen und dort eine Nebenstelle der Stadtverwaltung - mit Gastronomie und Veranstaltungsbereich im Erdgeschoss - einzurichten. Die Burg ist den Kempenern als Wahrzeichen der Stadt besonders ans Herz gewachsen. Eine Öffnung für die Bürger wäre wichtig. Machen wir uns nichts vor: Das Kreisarchiv hat nur wenige Kempener wirklich interessiert. Bedeutende Dokumente des Stadtarchivs könnte man möglicherweise auch im Kramer-Museum unterbringen und dort publikumswirksam präsentieren.

Quelle: RP
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