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Kreis Viersen
Jugendliche Flüchtlinge ins Antoniushaus

Kreis Viersen. 32 nicht begleitete Flüchtlinge ziehen auf das Gelände des Mülhausener Klosters. Die ersten kommen im Februar. Betreut werden sie von der Jugendhilfe Schloss Dilborn. Die Schwestern freuen sich schon. Von Heiner Deckers

Die Zahl der unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge wächst und wächst, in Nordrhein-Westfalen verteilt das Landesjugendamt sie auf die Städte und Kreise. Für den Kreis Viersen sind es aktuell 68. Die meist männlichen Jugendlichen kommen ohne Eltern, Geschwister oder sonstige Angehörige in ein ihnen völlig unbekanntes Land. "Wir brauchen Standorte und Träger, um sie vernünftig betreuen zu können", sagte gestern Kreisdirektor Ingo Schabrich im Mülhausener Kloster der Schwestern Unserer Lieben Frau. Auf dessen Gelände steht das zurzeit nicht genutzte Antoniushaus, das der Orden zur Verfügung stellt. Die Betreuung der Flüchtlinge übernimmt die Jugendhilfeeinrichtung Schloss Dilborn. Darüber ist Lothar Thorissen, Leiter des Kreisjugendamts, ausgesprochen glücklich: "Wir alleine können das nicht stemmen."

Guido Royé, Leiter der Jugendhilfe, hat es sich auf die Fahnen geschrieben, den Jugendlichen eine sichere Struktur zu bieten. 20 bis 25 Fachkräfte sorgen für eine Betreuung rund um die Uhr, hinzu kommt hauswirtschaftliches Personal. Ehrenamtliche Kräfte sind jederzeit willkommen.

Royé geht davon aus, dass der größte Teil der jugendlichen Flüchtlinge dauerhaft in Deutschland bleiben wird. "Wir müssen sie aufs Leben vorbereiten und sie mit ausreichend qualitativen Ressource ausstatten." Ein wichtiges Thema hierbei ist der Schulbesuch. Die Jugendlichen werden sich wahrscheinlich auf unterschiedlichem Niveau bewegen. Je nach Eignung werden sie auf die verschiedenen Schulen verteilt. Für Thorissen wäre es ideal, wenn eine Klasse von Seiteneinsteigern direkt an die Liebfrauenschule angedockt werden könnte. Das Gymnasium müsse dabei natürlich mit zusätzlichem Personal ausgestattet werden. Nach Royés Erfahrung kommen die Jugendlichen mit hoher Motivation.

Die vorbereitenden Arbeiten im Antoniushaus laufen zurzeit auf Hochtouren, besonders im Küchenbereich ist noch eine Menge zu tun. Von 1945 bis 2000 diente das Haus als Internat. Anschließend war es ein Seminarhaus, das allerdings im vergangenen Jahr aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurde. Darauf habe sich der Orden nach einer neuen Nutzungsmöglichkeit umgesehen, sagt Albert Rüping, kaufmännischer Leiter der deutschen Provinz der Kongregation der Schwestern unterer Lieben Frau: "Da sowohl der Brandschutz als auch die vorhandene Ausstattung ohne größere Umbaumaßnahme eine schnelle Belegung ermöglichen, konnte das Haus nahtlos in eine neue Nutzung überführt werden."

Besonders glücklich sind die Schwestern, dass jetzt wieder Jugendliche in das Antoniushaus ziehen. Der Orden war schließlich immer in der Erziehung und Bildung von Heranwachsenden tätig. "Wir können es kaum noch abwarten", freut sich Hausoberin Schwester Marie Sebastiane. Schwester Andrea Maria, Geschäftsführerin der deutschen Provinz des Ordens, betont: "Wir haben immer gesagt, wir müssen für die Flüchtlinge etwas tun. Wir sind zwar alt, aber wir können doch trotzdem noch helfen." Kreisdirektor Schabrich betont, die Wahl Mülhausens als Standort für die jugendlichen Flüchtlinge sei keineswegs ein Zufall. Grefrath sei dem Kreis als vorbildlich in Sachen Flüchtlingsarbeit bekannt, nicht zu letzt wegen der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer. "Das ist eine Gemeinde, mit der wir gut zusammenarbeiten können", betont Schabrich.

Bürgermeister Manfred Lommetz lobte hier ganz besonders die gute Arbeit der Sportvereine. Die Flüchtlingsarbeit ende nicht mit der Inobhutnahme: "Es gilt, den Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch zu ermöglichen und sie in das Vereinsleben und gesellschaftliche Geschehen einzubinden." Zur Betreuung der Kinder und Jugendlichen, fügte Lommetz hinzu, schicke er auch die Streetworker in die verschiedenen Einrichtungen.

Royé setzt weiterhin auf die Unterstützung der Bevölkerung: "In unseren anderen Gruppen setzen wir ehrenamtlich Tätige bereits mit Erfolg ein. Sie werden natürlich von uns betreut und begleitet." Die Ehrenamtler unterstützen die gelernten Pädagogen beispielsweise im Sprachunterricht, helfen bei den Hausaufgaben oder ermöglichen die Teilnahme am Vereins- und Kulturleben. Das Jugendamt bemüht sich derweil um das hauptamtliche Personal: "Der Markt ist so gut wie leer gefegt", sagt Thorissen.

www.grefrath-hilft.de

Quelle: RP
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